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26.06.2016
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Kirche

Spirituelle Kulturtankstelle - Normal oder Super?

Kulturhauptstadt 2010. An einigen Kirchen des Ruhrgebiets eine kleine Plakette: Spirituelle Kulturtankstelle! Von allen guten theologischen Geistern verlassen? Kirchen zu Tankstellen degradiert?

Wie bei einigen Klöstern, die sich auf dem Wellnessmarkt anpreisen: Wir auch! Wir haben auch etwas zu bieten! Ein Schnupperwochenende zum Auftanken? Oder irritiert uns nur die soziologische Perspektive, Kirchen als kulturelle Dienstleister neben anderen zu verorten und als spirituellen Shoppingmarkt für gelegentlich Gläubige zu sehen? Zweigstelle des Himmels auf Erden? Inszenierung von Erhabenheit? "Gott" - im Reich der Zwecke!

Glaube in Zeiten der Rezession

"Warum nicht?" bekomme ich zu hören. Auch für viele Getaufte ist Kirche genau das, was mit dem Begriff Tankstelle verbunden wird: Ein Dienstleistungsunternehmen, das man in Anspruch nimmt, wenn man es braucht. Je nach Bedarf kann man sich bedienen, "innerlich auftanken" oder auch den Service rufen, wenn sonst nichts mehr läuft. Ein Warensortiment für höhere spirituelle Bedürfnisse steht zur Verfügung. Kirche reiht sich so in die allgemeine Konsum- und Nutzerwelt ein und verstärkt die Tankstellenmentalität.

Spirituelles im freien Angebot: Kunst und Stille, Selbstbesinnung und Kommunikation, Vergebung und - "Gotteserfahrung". Sakramente als Sonderangebot für gewisse Stunden des Daseins und am Ende ein rituell überhöhter "Abräumservice"?

Auch Klöster sind keine geistigen Erfrischungsstätten für gestresste Manager, frustrierte Pädagogen und ausgebrannte Theologen, sondern Orte der Gottsuche, Gottesverehrung und "Gottesberührung".

Sind sich die christlichen Kulturmanager dessen bewusst, was ihre Wortwahl anrichtet und welche Assoziationen sie freisetzt? Sie können gewiss darauf verweisen, dass der christliche Glaube eine nicht zu übersehende Rezession erlebt und sich zu einer vagen Religiosität ohne Treue zur Kirche verflüchtigt.

Hin und wieder jedoch Erinnerungen an die alten kirchlichen Prägungen: "In Krisenzeiten bin ich kurzfristig gläubig und bete schon mal" (ein Schauspieler).

Diese Kirche dient noch

Die Stadtführerin in Prag meinte damit: In dieser Kirche findet noch Gottesdienst statt. Zur Zeit der UdSSR hieß das: Diese Kirche arbeitet noch.

Kirche braucht sich in ihren Diensten keiner Marktlage anzubiedern oder anzupassen. Sie hat von ihrem Auftrag her "für die Menschen dazusein" und hilft, wo Not ist. Als "Haftpunkt des Himmels" bietet sie auch einen Wohlfühlraum der anderen Art. Für Gläubige ist sie "Mitarbeiterin ihrer Freude" (so Paulus), bewahrt heilige Worte und bezieht ihre Kraft aus dem Gottesdienst der Eucharistie als "der Quelle und dem Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens" (Vat II).

Dazu wird ein Kirchenraum geweiht, der Altar als Symbol Christi gesalbt, rituell geküsst und mit Weihrauch bedacht. Eine Kirche kann nicht k u r z f r i s t i g entsakralisiert, umfunktioniert oder umdefiniert werden. Für Katholiken ist sie kein bloßer Versammlungsort. Hier scheiden sich die theologischen Geister beider Konfessionen.

Für katholische Christen bleibt sie ein Raum der besonderen geheimnisvollen und unverfügbaren Gegenwart Gottes (in Wort und Sakrament, Gemeinde und Feier), vielleicht ein über Jahrhunderte durchbeteter Ort der Kraft, eine sakrale Zone, in der sich ausdrücklicher Glaube und gelebte Hoffnung mehr als anderswo in der Welt verdichten.

Gewiss schwindet heute das Bewusstsein für diese keineswegs magisch zu verstehende unverfügbare Dimension des Ganz-Anderen. Sie muss immer neu wachgerufen werden, sonst gehen die rituellen Gesten ins Leere: Weihwasser, Kniebeuge, ehrfürchtige Stille im Kirchenraum u.a. Kinder und Jugendliche können es erst lernen, wenn Erwachsene es mit Überzeugung praktizieren und einfordern.

Die rituell geregelten Formen des Umgangs miteinander unterscheiden sich auch von den alltäglichen. Kirche ist vor allem ein Ort des Gottesdienstes und der Gottesverehrung, nicht der geselligen Kommunikation. Sie ist ein Gott geweihter Raum: "Geheimnisvoll wie die Kirche war, machte sie mir den Eindruck einer verzauberten Stätte, denn sobald man eintrat, ließ man die Alltagswelt, alles Gewohnte, alles das, was man täglich sah, hinter sich" (Julien Green in: Junge Jahre).

Entweihen, umwidmen, umfunktionieren

"Morgen muss ich noch eine Kirche entweihen", sagt ein Bischof unbekümmert und ohne alle Ironie. Im Zuge großer Umstrukturierungen müssen viele Kirchen heute aufgegeben werden. Der Bischof war sich seiner Wortwahl wohl nicht bewusst. Er denkt kirchenrechtlich. "Entweihen" ist ein strafrechtlich schweres Vergehen. Die anfängliche sprachliche Unsicherheit war bald behoben. Kirchen werden heute e n d g ü l t i g umgewidmet bzw. umfunktioniert und umdefiniert - zu Konzertsälen, Kaufhallen oder Restaurants, im besten Falle also zu Kulturtankstellen ohne Spiritualität im engeren Sinne.

Wo Kirchen(räume) nicht mehr "dienen" oder "arbeiten", sind sie ohnehin zu Museen erstarrt. Diese haben anderorts fast kirchliche Funktionen übernommen. Besucher betreten sie ehrfürchtig wie heilige Räume, dämpfen ihre Stimmen und stehen staunend vor den "Wunderwerken" und ihren Schöpfern. "Museen sollen Identität stiften in einer unübersichtlich gewordenen Welt" (FAZ).

"Ein Ort für Erschütterbare und Unternehmungslustige"

Wahrscheinlich tippen Sie dabei nicht auf "Kirche". "Ein geradezu mystischer Ort". Das käme dem schon näher. "Ich brauche ihn, um am Leben zu bleiben." Jeder ernsthafte Gläubige könnte dem zustimmen, wenn er an seine Kirche denkt. Aber solche Sätze finden wir heute außerhalb unserer Mauern. Sie stammen von einem Intendanten (Elmar Goerden). So umschreibt er den zentralen Haftpunkt seines Lebens: das Theater. Museen und Theater, Sport- und Vergnügungsstätten stehen heute in Konkurrenz zur Kirche: für die meisten Zeitgenossen eine Alternative!

Die Zeichen des Niedergangs fordern uns heraus, neben der Ursachenforschung neue "Wege zur Kirche" zu suchen bzw. zu versuchen. Sie zeichnen sich bis jetzt noch nicht ab. Muss erst der Nullpunkt erreicht werden?

Erkennbar sind jedoch zwei Tendenzen:
- Flucht in autoritär orientierte Restauration,
- Stagnation in Hilflosigkeit und die Versuche einzelner, in Liturgie und Pastoral persönliche Wege zu gehen.

Auffallend: Junge Geistliche, die in einem Ton autoritärer Selbstgewissheit auftreten, um Sicherheit und Festigkeit zu suggerieren, dogmatische Formeln auf den Lippen, als ob sie sich schon früh gegen theologisch-kritische Fragen immunisiert hätten. Einzelne steigen sogar wieder auf alte Kanzeln, um von oben herab zu belehren oder auf die Gemeinde einzureden. Mangels selbstkritischer Distanz sind sie sich der Symbolik dieses Vorgangs wohl nicht bewusst.

Zum Beruf des Geistlichen gehört es, am Leben und Leiden anderer teilzunehmen, ohne daran wirklich teilhaben zu können. Vielleicht ist die aktuelle Hilflosigkeit eines erfahrenen klösterlichen Beichtvaters auch bezeichnend; am Ende des Gesprächs: "Mit Buße kann ich nichts anfangen. Einen schönen Tag noch!" Das sagt mir auch die Verkäuferin an der Kasse.

In der Kirche erwarte ich ein geistliches Wort, den Halt einer gläubigen Gemeinde und "die Kraft der Speise", also Gottes Kraft und Gottes Frieden auf meinem Weg, erfüllt ("vollgetankt"?) von Lebensmut. Gewiss bedarf das "Haus Gottes" der ständigen "Tempelreinigung" (der Herzen, der Räume und der Strukturen), damit es ein Ort der Kraft bleibt und auch als kritisches Ferment in die Gesellschaft hineinwirkt.

Nur eines erbitte ich vom Herrn, danach verlangt mich:
Im Hause des Herrn zu wohnen alle Tage meines Lebens,
die Freundlichkeit des Herrn zu schauen
und nachzusinnen in seinem Tempel. (Ps 27,4)

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