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25.05.2012
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Kelch

Geistliche Impulse von Hermann-Josef Silberberg: Geistlicher Dienst

Ein wunderbarer Beruf

Gottesdienst war für mich immer mehr als Unterricht, geistliches Gespräch mehr als fachliche Diskussion, Dienst im Namen Jesu mehr als gewöhnliche Arbeit: Priestersein – ein wunderbarer Beruf.

Dreißig Jahre Ausbildung von Religionslehrern und Religionslehrerinnen. In fast jedem Seminar einige, die gern Priester geworden wären. Oft kamen sie aus der kirchlichen Jugendarbeit, konnten gut mit jungen Menschen umgehen und fühlten sich von einzelnen Geistlichen besonders angesprochen. Ja, das wäre etwas für sie gewesen, so für Menschen da zu sein.

Also studierten sie Theologie. Am "Ende" landeten sie jedoch im Studienseminar für Religionslehrer(innen). Damit wurde ihr ursprünglich ganzheitlicher Elan wesentlich auf das Fach Religionslehre hin "kanalisiert". Ihrem eigentlichen Berufsziel stand das kirchliche Zölibatsgesetz entgegen. Sie wollten und konnten "die Kröte nicht schlucken". So nannten sie es.

In einigen Ausbildungskursen auch ehemalige Priester. Sie wären gern Priester geblieben. Um ihre berufliche Zukunft zu sichern, studierten sie ein zweites Fach und kamen danach ins Studienseminar. In der Zölibatsfrage hatten sie ihre Kraft überschätzt. Sie konnten "die Kröte nicht mehr schlucken".

Aber in ihrer persönlichen Not waren sie auch hellsichtiger und hellhöriger geworden
- für die ideologische Verbrämung dieser Lebensform,
- für die hehren Worte von Hingabe, Aufopferung und Freisein für den Dienst,
- für die vielen verdeckten Formen kompensatoricher "Bewältigung",
- für manche Auswege, Umwege und Abwege.

Sie wollten und konnten sich selbst und anderen nichts mehr vormachen. Da half auch kein brüderliches Zusammensein, kein klerikales Standesbewusstsein und kein Getragensein durch die Gemeinde. Dazu der wachsende gesellschaftliche Ansehens- und Bedeutungsverlust.

Sie suchten eine Antwort auf die zentrale Frage: Wie kann ein zölibatär Lebender - ob als Priester gezwungen oder freiwillig - ein gesundes Verhältnis zur Sexualität bekommen? Und wo lernt er "Hingabe"? Sich zu überlassen oder sich auszuliefern?

Sie wussten aus eigener leidvoller Erfahrung: Zur Bewältigung der Probleme wurden die inneren Kräfte sehr viel mehr gebunden als für den Dienst freigesetzt. Auch bei manchen Mitbrüdern merkten sie, wie wenig die "spirituelle Dimension" die Nöte auffangen konnte.

Jeder wusste es vorher: Die Berufung zum Priestertum ist nicht identisch mit der zum Zölibat (anders beim Mönchstum!). Das geschichtlich Festgesetzte kann auch wieder aufgehoben werden. Ob es sich bewährt hat, weiß Gott allein.

Wenn Gotterfülltheit alles überstrahlt

Es versteht sich von selbst, dass die "Ehemaligen" als Religionslehrer nicht gerade für geistliche Berufe werben, um Jugendlichen die Nöte zu ersparen, in die sie selbst geraten sind. Andererseits haben sie nach wie vor Respekt und Achtung vor allen, bei denen die Gotterfülltheit alles überstrahlt und die inneren Energien zum Dienst an Menschen frei werden, den relativ glücklichen in ihrem priesterlichen Amt.

Auch bei Priestern wächst natürlich mit zunehmendem Alter die Neigung zur Heroisierung und die Verklärungsbereitschaft. Vergessen sind die seelischen Schleuderbewegungen in jüngeren Jahren. Vielleicht sogar Zustimmung zu einer wolkigen und beschwichtigenden Verlautbarung des Vatikans zum Priesterjahr 2009/10, der Zölibat sei "ein Geschenk des Himmels an die Kirche".

Priesterliche Alltagswirklichkeit spricht oft eine andere Sprache. Das Thema wird zwar offiziell tabuisiert, aber Begleiter von Priesterexerzitien und Besinnungstagen könnten dazu viel sagen.

Zu fragen wäre auch, ob ein Pfarrer mit vier Gemeinden mehr zu bewältigen hat (Hingabe, Opfer, Dienst) als eine alleinerziehende, berufstätige Frau mit zwei kleinen Kindern? Gott allein weiß es.

Was allgemein gilt, wird besonders beim Priesterberuf deutlich: Der Verschleiß seelischer Energien an falscher Stelle - in Form von Verdrängung oder Unterdrückung, Sublimierung oder Kompensation - führt dazu, dass sie nicht fruchtbar werden zur personalen Reifung oder im seelsorglichen Dienst.

Schon unsere stumme Körpersprache verrät den Grad innerer Unfreiheit und entsprechender Ängste. Solidarität in der Schwäche wäre hilfreicher als ein Kreis, in dem man sich wechselseitig bestätigt.

Auch dort, wo sich vor allem junge Geistliche in Aktivitäten "stürzen" oder in "Kommunikation flüchten", sich im Prinzipiellen verlieren, fundamentalistisch einmauern oder sich früh hinter einer Fassade aszetischer Strenge verstecken, ist das Ungelöste ihres Lebens nicht zu übersehen. Haben sie Angst vor dem Leben?

Eine intensive Gottesbeziehung kann wie ein spiritueller Auffangraum wirken. Sie bleibt ein Ideal, das zu leben nicht jedem gegeben ist. Deshalb kann der Zölibat in einer pansexualisierten Gesellschaft auch nicht als "heilsames Gegengift" gepriesen, eingefordert oder entsprechend gelebt werden.

Die Mehrzahl derer, die sich zum geistlichen Beruf hingezogen fühlen, empfinden das Gesetz als "bittere Pille", die sie halt mit allen Nebenwirkungen zu schlucken haben, und keineswegs als Gesetz der "Freiheit in Christus".

Geistliche sind kritisch aus Liebe zur Kirche und wollen in keiner Weise "das Himmlische" ihres Dienstes schmälern. Aber um der Glaubwürdigkeit unseres Amtes willen, fordert das "Jahr der geistlichen Berufe" auch eine kritische Bestandsaufnahme fundamentaler Probleme und Nöte, unter denen Priester leiden.

Eine Realitätsdusche

Im Zuge wachsenden demokratischen Bewusstseins hat sich auch in der Kirche die ehemalige Ehrfurcht vor Geweihten und geistlichen Amtspersonen verändert. Innen wie außen werden kritische Anfragen direkter gestellt:

- Was macht Sie so sicher, im Namen des Herrn aufzutreten und in seinem Namen etwas zu fordern?
- Warum reden Sie so abgehoben - oberhalb konkreter Lebensverhältnisse? Sie brauchen mal eine Realitätsdusche.
- Sie haben einen sicheren Arbeitsplatz, verdienen gutes Geld, haben viel Spielräume und flexible Arbeitszeiten, die Sie selbst bestimmen können. Sie tragen keine Verantwortung für einen Lebenspartner und brauchen keine Kinder zu erziehen. Im Prinzip können Sie sich immer zurückziehen, wenn es darauf ankommt.
- Haben Sie wirklich mit Gott zu tun? Mehr als andere? Was ist das Geistliche an Ihnen? Auch Diplomtheologen haben studiert wie Sie und arbeiten auch an ihrer spirituellen Formung.

Von Beruf Geistliche mitten in einer wenig geistlichen Umwelt. Gottnah und menschennah leben. Wir sind einer doppelten Realitätsdusche ausgesetzt, der Wirklichkeit des Himmels und der Wirklichkeit der Erde. Sollen Zeugen eines menschenwürdigen und gotterfüllten Lebens sein. Heiliger Dienst fordert "heilige" Diener. Selbstkritik und Demut machen authentisch: Wahrheit unverkleidet und jenseits von Rolle, Amt oder Selbstinszenierung.

Ob da der heilige Pfarrer von Ars heute noch modellhaft sein kann, darf bezweifelt werden. Zu grenzwertig - pathologisch erscheinen Gestalt und Wirken dieses Priesters in anderer Zeit.

Geistlich leben

Ein erfahrener geistlicher Freund antwortete auf meine Frage, wie junge Priester ihr geistliches Leben gestalten sollten: "Das Wichtigste: Sich Zeit nehmen für Stille und Gebet! Und dann: Etwas für andere tun - helfen. Aber die Rangfolge sollte stimmen!"

Die Schlichtheit dieser Antwort verblüfft. Ebenso die Bitte einer großen Priestergruppe anlässlich ihrer Exerzitien zum 40-jährigen Weihejubiläum. Sie wünschten drei Tage lang besinnliche Impulse zu den Psalmversen:

Weise mir, Herr, deinen Weg;
ich will ihn gehen in Treue zu dir.
Richte mein Herz darauf hin,
allein deinen Namen zu fürchten!
Ich will dir danken, Herr, mein Gott,
aus ganzem Herzen,
will deinen Namen ehren immer und ewig.
(Ps 86, 11-12)

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  3. undefinedAusgewählte Impulse von Hermann-Josef Silberberg in Buchform

Text: Öffnet internen Link im aktuellen FensterHermann-Josef Silberberg (verfasst im Sommer 2009) | Foto: Hermann-Josef Silberberg
23.04.2010

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