
Gepräche gehören zur Tischgemeinschaft.
Von der alltäglichen Schönheit des christlichen Glaubens (6)
Tischgemeinschaft
"Am schönsten war, dass alle da waren," sagte ein Junge bei der Schlussandacht am Tag seiner Erstkommunion. Ich hatte gefragt, was das Schönste gewesen sei. Jedes Kind wusste ein Antwort und eine lautete: "Am schönsten war, dass alle da waren."
Der Tag des Erstkommunion war ein besonderer Tag. Er sollte sich von den Tagen unterscheiden, an denen der Terminkalender regierte, an denen es wenig Zeit füreinander gab und die Mahlzeiten zügig eingenommen werden mussten. Es sollte festlich werden. Alle sollten kommen, die Paten, Onkel und Tanten und nicht zuletzt die Großeltern, bei denen es vorher nicht ganz sicher war, ob sie kommen konnten.
Nach dem festlichen Gottesdienst war das festliche Mittagessen angesetzt. Der Tisch, geschmückt mit Blumen und Kerzen, war eine Augenweise. Das Kommunionkind hatte die Platzkarten gestaltet. Es gab mehrere Gänge und immer war mehr als genug da. Ein guter Wein gehörte selbstverständlich auch dazu. Das Essen war ein Vergnügen.
Mit einem Dankgebet wurde die Mahlzeit eröffnet. Dann gab es viel Zeit, die Speisen zu genießen, den Wein zu kosten, die Küche zu loben und miteinander zu reden. Gepräche gehören nun einmal zur Tischgemeinschaft. Man legt das Essbesteck ab, richtet den Blick auf den Nachbarn und sagt etwas, das der andere irgendwie aufgreifen und fortführen kann. Das Beste ist, Erfreuliches zu erzählen, aufmerksam zuzuhören und das angesprochene Stichwort weiterzuspinnen. Am Ende des Festes sind sich alle einig: Es war wunderbar! Oder wie der Junge sagte: Das Schönste war, dass alle da waren.
Eines Sinnes sein
Nur Menschen können Feste feiern. Aus der Tischgemeinschaft wird eine zeitweilige Lebensgemeinschaft, in der die Teilnehmer mit allen Sinnen angesprochen werden und alle zeitweilig eines Sinnes sein können. Meistens wird dabei nicht skeptisch oder missmutig über den Sinn des Lebens gesprochen. Dieser wird vielmehr unmittelbar erfahren. Wo die Fülle des Lebens geschenkt wird, da ist der Sinn des Lebens anwesend.
Die Religionen verbinden die Erfahrung festlicher Gemeinschaft mit der Nähe des Heiligen. Als Abraham und Sara die inkognito erscheinenden Boten Gottes bewirteten, wird den beiden Alten ein Sohn verheißen. Der Prophet Jesaia schildert die kommende Gottesherrschaft mit dem Bild eines Festmahls, bei dem edelste Speisen und feinste Weine auftischt werden. "Der Tod wird nicht mehr sein. Gott, der Herr, wischt die Tränen ab von jedem Gesicht." (Jes 25,8)
Eine entscheidende Rolle spielt die Tischgemeinschaft bei Jesus. Er ist wenig wählerisch bei der Wahl seiner Gastgeber und seiner Gäste. Jesus geht es weder allein um Essen und Trinken noch um eine reine geistige Belehrung. Die Mahlgemeinschaft mit Jesus ist vielmehr ein Symbol für die Zuwendung Gottes. Sie signalisiert den Gästen, sich von Jesus den gütigen Gott schenken zu lassen. Sie sind ein Zeichen für die Teilhabe an Gottes unendlicher Lebensfülle.
Das Christentum weder eine bloß gedankliche noch eine nur privat zu lebende Religion. Das Christentum eine Gemeinschaft der großen Erzählungen und ebenso Tischgemeinschaft mit Brot und Wein. Es feiert den Gott, der die Fülle des Lebens ist, der Gemeinschaft schenkt und zur Gemeinschaft zusammenführt. Und die muss gefeiert werden - mögen die Umstände noch kläglich sein. Wir sind eingeladen zum Fest der Freude, zum Gastmahl des ewigen Lebens.
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