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25.05.2012
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Gärten erinnern an das Paradies

Gärten erinnern an das Paradies.

Von der alltäglichen Schönheit des christlichen Glaubens (4)

Orte der Sehnsucht

Ein schöner Garten ist für viele von uns ein großer Traum. Immer mehr Menschen suchen heute in ihrem Garten Erholung und Entspannung. Oft beginnt die Begeisterung mit einer einzigen Pflanze, die gesetzt, gehegt und gepflegt wird. Mit der Begeisterung wächst der Wunsch, mehr daraus zu machen. Welche Pflanzen passen zu meinem Garten? Welche Erde für welche Pflanze? Wie hoch soll die Hecke werden? Soll es ein reiner Blumengarten sein? Was ist mit Licht und Schatten?

In ihrem Buch Gartengeschichten erzählt Eva Demski von einem Besuch in Sarajewo unmittelbar nach dem Waffenstillstand von 1996, wie sich die Bauerngärten ans Keimen und Blühen machten wie in jedem Frühjahr. "Überall blühten Kirschbäume, schöne, riesige alte Bäume. Die blühenden Bäume, die zerschossenen Häuser ... Das passte alles überhaupt nicht zusammen."(29) "Was auffiel: Es gab nirgendwo Tiere. Bauerngärten ohne Tiere hatte ich noch nie gesehen, nichts bewegte sich. Kein Huhn... Kein Hund am Tor, keine Katze... Nur Stille und überall leuchtende Armeen von Narzissen."(30) Nicht zu übersehen: Tausende von Gräbern. Unübersehbar aber auch die Gärten. Sind sie "ein Schatten, den der Paradiesgarten auf die Erde wirft? Jedenfalls erscheinen sie mir als Versprechen, als Hoffnung, dass das Zivile siegen würde oder wenigstens das Nützliche."(36)

Garten Eden

Gärten sind Orte der Sehnsucht. Sie erinnern an das Paradies, das in der Bibel keineswegs als bloßes Schlaraffenland vorgestellt wird, denn der Mensch muss im Garten Eden arbeiten (Gen 2,15). Die Arbeit geht ihm leicht von der Hand. Der Ackerboden, Symbol der Welt, sträubt sich nicht. Bäume und Wasser gibt es reichlich. Zwischen Tieren und Mensch herrscht Frieden. Der Garten Eden ist das Paradies der Nomaden, die durch die trockene Steppe ziehen, kümmerlich ernährt und vom Durst geplagt werden. Sie suchen Schatten, frisches Wasser und gute Nahrung. Der Garten Eden ist eine menschliche Welt, in der die Menschen zueinander freundlich sind und miteinander wirken, in der Mensch und Natur im Einklang sind und Gott den Mensch nahe ist.

Jeder Garten ist eine Erinnerung an das verlorene Paradies. Jeder Garten ist ein Einspruch gegen die Ruinen und Verwüstungen, welche die Kriege und die rücksichtslose Ausbeutung der Natur hinterlassen. Jeder Garten zeigt, dass das Paradies nicht nur verloren ist, sondern wenigstens stückweise auch heute möglich ist. Nicht als wäre es einfach vorhanden, und wir brauchten es nur betreten, um glücklich zu sein. Das Paradies kann dort erneuert werden, wo Trümmer beseitigt und Häuser gebaut werden, wo die Natur sorgsam bearbeitet wird und wo Menschen kooperieren und sich nicht scheuen, Hand anzulegen, sich zu plagen, zu säen und zu pflanzen, den Wildwuchs zu beschneiden und dem Chaos einen menschliche Ordnung abzuringen.

Gärten sind nicht nur Orte der Arbeit, sondern ebenso der Muße, ein Augentrost. Gärten wollen angeschaut werden, mit Augen für seine Schönheit. In der warmen Jahreszeit sind Gärten ein idealer Ort, sich mit Freunden zu treffen, bei einem Glas Rotwein zu entspannen und zwanglos miteinander zu reden und bei zunehmender Müdigkeit den Sonnenuntergang, das Verschwinden der Farben und die Ankunft der Nacht zu beobachten und das Schöne dankbar zu genießen.

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Text: Ferdinand Schumacher | Foto: Michael Bönte
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