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11.02.2012
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"Himmlische Wohnungen?" (Dresden).

"Himmlische Wohnungen?" (Dresden).

Geistliche Impulse von Hermann-Josef Silberberg zur Fastenzeit: Nachfolge (4)

In den Bürgerlisten des Himmels

Antike Städte führten Bürgerlisten. Dort eingetragen zu sein, war in vieler Hinsicht von Vorteil. Die ersten Christen wussten sich eingetragen in den "Bürgerlisten des Himmels" oder im "Buch des Lebens". Sie beriefen sich auf Jesus:

Freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind, entgegnet Jesus den 72 zurückkehrenden Jüngern, die begeistert von Missionserfolgen berichteten (Lk 10,20).

Jünger (innen) sind nicht von Natur aus optimistisch und auch nicht nur irgendwie fröhlich beisammen. "Positives Denken" und Freude sind ein Grundzug unseres Glaubens, Zeichen des Glücksgefühls, zu Christus zu gehören und zum "ewigen Leben" bestimmt zu sein.

Ausgestattet mit einer stillen Würde

Vielleicht sind wir uns dessen manchmal zu wenig bewusst: Unser innerstes Lebensskript ist positiv gefasst. Auch als "Elendszelle" ist ein Mensch Geschöpf Gottes und als Jammergestalt noch "Ort seiner Herrlichkeit". Es klingt paradox, aber er bleibt ausgestattet mit dieser stillen Würde.

Der Auserwählte Gottes hat es uns zugerufen: "Freut euch!" Der Glutkern unserer Hoffnung ist begründet, auch dort, wo manches hoffnungslos erscheint. Für jeden gilt: Du bist größer als alles, was du von dir aus wissen oder sein kannst. Du bist Bürger einer umfassenderen Wirklichkeit. Du stehst im Lebensbuch des Himmels. Du bist "mehr wert als die Vögel" (Lk 12,24). Du bist in Gottes Hand, und "niemand kann dich seiner Hand entreißen" (s. Joh 10,27-30). Paulus: "Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes" (s. Röm 8,38 f.).

Willkommen! "Freut euch, wir sind Gottes Volk, erwählt durch seine Gnade", singt die Gemeinde (GL 646).

Bei so viel Glaubensjubel bleiben skeptische Fragen nicht aus. Denn auch viele Gläubige können diese Freude nicht teilen. Ihre Lebenswelt ist zu dunkel gefärbt. Sie fühlen sich als Bürger zweiter Klasse, keineswegs willkommen, sondern ungleichwertig, benachteiligt oder von sozialem Abstieg bedroht.

Jedes Menschenhaus ist einsturzgefährdet, und auch Gläubige mögen zusehen, dass sie im Glauben gefestigt sind und nicht "fallen", wenn sie zu stehen meinen, sagt die Schrift. Von außen oder innen bedroht, vielleicht zu unbekümmert und sorglos dahingelebt, am Ende sind wir oft hilflos gegenüber den "Mächten und Gewalten" (so Paulus). Uns alle verbindet jedoch ein unsichtbares spirituelles Band, ein Halt und Rettungsanker in vielerlei Bedrängnis. Dazu zählt auch eine Qualifikation, die uns nicht jeden Tag bewusst ist:

Dankt dem Vater mit Freude! Er hat uns fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Lichte sind. (Kol 1,12)

Wir sind in allem von Gott geführt, getragen und gehen auf ein wunderbares Ziel zu.

Leben mit einem, der lebt

Wenn wir betend und feiernd auf das Leben und die Botschaft Jesu schauen, wächst uns die Gewissheit zu: Er lebt! Und wir ahnen, was Erlösung heißt, ist und sein wird. Dasein bei Gott ist nicht identisch mit unseren Traumvorstellungen, sondern ein Glück anderer Art. In einer guten Eucharistiefeier kann es manchmal schon aufleuchten.

Viel Unkenntnis, Hochmut und Häme begegnet uns allerdings bei denen, die ihren Glauben unterwegs - wie sie sagen - verloren haben oder ihre "religiöse Haut" mühelos abstreifen konnten. Für sie erscheint die Kirche als bloße "Fun-Cooperation" für seelisch Heimatlose, sozial Isolierte und Insolvente jedweder Art.

Eine Zufluchtsstätte für gläubige Sünder und vor allem als Vorzimmer zur jenseitigen Welt. Die Distanzierten fühlen sich zwar frei, aber wissen nicht, wohin sie gehören. Mit Recht fliehen sie vor "frommen Wortteppichen" und selbstgewisser theologischer Fertigteilsprache (leicht "geföhnt", wie Flüssigseife, wie vom Fließband). Sie fliehen auch vor so genannten "fröhlichen Christen" oder hoffnungsfrohen Gemütern, die selten glaubwürdig erklären können, was "Leben in Christus" meint.

Vielleicht hilft nur eine Einladung zu einer "überzeugenden" Eucharistiefeier, die spüren lässt: Wir leben mit einem, der lebt, dem auferstandenen Christus. Und diese "Freude im Herrn" bestimmt untergründig auch unseren Alltag. Wir leben von der Hoffnung auf eine grenzenlose, vollkommene, endzeitliche Freude, eine himmlische Seligkeit, die noch aussteht. Dieses "Leben in Fülle" ist jenseits unserer Vorstellungen von Schlaraffenland, Lottoglück und Urlaubsparadies anzusiedeln, auch wenn es immer wieder für die Vision irdischen Glücks und prallen Lebens in Predigten missbraucht wird.

In dieser Hinsicht scheint es schon zur Zeit des Johannesevangeliums Missverständnisse gegeben zu haben. Es stellt heraus: "In ihm war das Leben" (Joh 1,14)! Er verkörperte das göttliche, endzeitliche Leben, das er als Gabe Gottes zugleich verkündigte. Viele wollten das nicht wahrhaben. Sie verweigerten sich Jesus: "Ihr wollt nicht zu mir kommen, um das Leben zu haben" (Joh 5,40).

Auch ihr werdet leben

Nach johanneischer Auffassung sind Menschen, die sich der Lebensfülle Jesu verweigern, wie tot (unwissend, blind, taub, gelähmt, ohne wahre Freude, unfrei). Aber auch die Erfahrung des "Noch-nicht" kann Christen schwer zu schaffen machen.

Ob "Vorfreude" genannt oder "Angeld" (Paulus) oder Früchte des Gelobten Landes, die Sprache signalisiert auch das Ungewisse oder Unreale, die "Verschiebung" ins Jenseitige. Tröstlich bleibt vor allem die Zusage Jesu an die Jünger(innen), dass ihre Namen im Himmel verzeichnet sind, auserwählt und bestimmt zu einem Leben in "göttlicher Herrlichkeit".

Ihr seid nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes (Eph 2,19).

Nach der Beerdigung eines Freundes bemerkte jemand:

Der hat intensiv gelebt

Wir fragen: Das Leben in vollen Zügen genossen? Seine vitalen, sozialen und kreativen Potenzen entfaltet und ausgelebt? Hat Jesus nicht auch gern gefeiert? – Ein modernes Missverständnis! Denn alles was er sagte und tat, stand im Zeichen seiner göttlichen Sendung.

In seiner Nähe wird einigen auch das Lachen vergangen sein, andere jubelten laut und priesen Gott. Wir können uns Jesus nicht als einen Mann mit bodenständigem Humor vorstellen. Seine Lebensquellen haben einen anderen Ursprung.

Er verheißt denen "intensives Leben", die "durch den Glauben das Leben haben in seinem Namen" (Joh 20,31). Denn: "Dazu bin ich in die Welt gekommen, dass sie das Leben haben, und es in Fülle haben" (Joh 10,10). Diese Art Leben (Freude, Friede, Freiheit, Vergebung) kommt von Gott.

Ausschnitthafte oder senfkornhafte Erfahrungen in diesem Leben verlängern wir gern "ins Unendliche", als ob der Himmel "auf unserer Linie liegen" müsste oder gar die vollkommene Steigerung von Wohlfahrt und Wellness wäre. Wo die Gottesfülle bei einzelnen jetzt schon in dieses Leben hineinleuchtet, bekommen wir eine Ahnung des "Ganz-Anderen".

Christenglaube unterscheidet sich von allen (esoterischen) Lebensentwürfen, die ein "Leben in Fülle" aufzeigen, das ganz auf Eigenkraft und Machbarkeit baut. Ich bin Christ, weil Christus dieses ganz andere Leben Gottes sichtbar machte, uns in das größere Dasein hineinzuholen versprochen und es durch sein eigenes beglaubigt hat.

Seitdem wissen Jünger(innen): Der Grabstein ist nicht der Stein des Weisen, nicht der Schlussstein unserer Existenz. Wir wissen auch, dass mit dem Glauben nicht jeder Stein von unseren Herzen fällt, aber "das ewige Leben zieht unser ganzes Dasein zu Gott hin" (Romano Guardini).

Bis heute ist für uns der dringende Appell Pauli an die Thessalonicher programmatisch geblieben:

Freut euch zu jeder Zeit!
Betet ohne Unterlass!
Dankt für alles!
Denn das will Gott von euch, die ihr Christus Jesus gehört.
(1 Thess 5, 16-18)

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Text: Öffnet internen Link im aktuellen FensterHermann-Josef Silberberg | Foto: Hermann-Josef Silberberg
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