Anzeige:
Werbung

kirchensite.de | Online mit dem Bistum Münster: Nachrichten aus der Kirche, katholischer Glaube, Spiritualität, Heiligenlexikon, Veranstaltungen, Seelsorge, Fürbitte, Bibelarbeiten, Dossiers.

. . . . .
Seite: Fragen + Glauben  >  Impulse
04.02.2012
Artikel drucken
Logo kirchensite.
Zorn

"Mangel an Zorn ist ohne Zweifel Sünde", meint Thomas von Aquin.

Geistlicher Impuls zur Fastenzeit: Die sieben "Todsünden" (4)

Zorn und Trägheit

Ich bekenne: Ein Mal, ein einziges Mal habe ich allen Ernstes ein Glas quer durchs Wohnzimmer geschleudert. Und als es mit reichlich schrillem Geklirre an der Wand landete, erschreckte mich das so bis ins Mark, dass ich das Gefühl hatte, urplötzlich aus einem Wahn erwacht zu sein. Ich war geschockt – über mich selbst und darüber, wozu ich - jenseits aller Selbsteinschätzung – in der Lage war.

Zugegeben: Es war keine kleine Stichelei, es war ein tief verletzendes Stochern gewesen, das die Dämme hatte brechen lassen. Ich war provoziert worden. Das Glas flog im Affekt. – Kann das Sünde sein? Eine Todsünde sogar, wie die christliche Spiritualität über den Zorn sagt?

Kann es Sünde sein, wenn Menschen – wie etwa nach den letzten Parlamentswahlen im Iran – mit erhobenen Fäusten auf die Straße gehen und demonstrierend ihrem Zorn darüber Luft machen, dass ihnen von einem diktatorischen Regime ihre Freiheit genommen wird und sie ­um die Demokratie betrogen werden? Fehlt es demgegenüber hier bei uns womöglich sogar an Zorn – in unserer deutschen Gesellschaft? Fehlt es an öffentlicher, leidenschaftlicher Empörung über manche Selbstbediener-Mentalität in der Wirtschaft, über den wachsenden Vorrang des Profits vor dem Menschen, über mangelnde Zukunfts-Sicherheit für die ganz Jungen und die ganz Alten in unserem Land, über zu wenig Entschlossenheit zur Bekämpfung des Klimawandels, über immer mehr Einschränkungen unserer Freiheit zugunsten von vermeintlich mehr Sicherheit vor Terror?

Fehlt es an Zorn bei uns? An zornigen Demonstrationen, um die Verhältnisse wieder zu mehr Menschlichkeit, Ehrlichkeit, Anständigkeit und echtem Sozialgeist zu verändern? Haben Wohlstand, Rückzug ins Private und ein verständliches, aber dennoch auch gefährliches Gefühl von Ohnmacht angesichts der Kompliziertheit der Welt den urmenschlichen Zorn über Ungerechtigkeiten betäubt, uns "schmerzfrei" gemacht? Doch Vorsicht! Auch die "Trägheit", die nichts zustande bringt, jegliche Unruhe vermeiden und alles hübsch beim Alten belassen will, gilt als "Todsünde"!

Zorn ist nicht gleich Zorn. Bibel, Glaube und Kirche unterscheiden in der Tat. Der große mittelalterliche Theologe Thomas von Aquin sagt sogar: "Mangel an Zorn ist ohne Zweifel Sünde." Denn: "Die Leidenschaft Zorn ... dient dazu, dass der Mensch mit mehr Entschlossenheit das ausführe, was die Vernunft befiehlt." Thomas scheint den Menschen wirklich gut zu kennen, denn für ihn entspringt der Zorn in tiefster Tiefe der "Trauer, die im Gefolge zugefügten Unrechts entsteht".  Davon unterscheidet er den "Zorn aus Bosheit": Wo Zorn der Gerechtigkeit den Weg bahnt, ist er wortwörtlich not-wendig; wo Zorn jemandem aus Bosheit schaden will, ist er Sünde.

Gleichwohl: Im Kern geht es bei dieser wie bei jeder Sünde um die innere Haltung, der sie entspringt. Entsprechend radikalisiert Jesus die Zehn Gebote und stellt Zorn sogar in Beziehung zu Mord: "Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemanden tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein" (Mt 5,21). Stattdessen gilt: "Selig die Sanftmütigen!" Sanftmut – das ist weit mehr als Gewaltlosigkeit und auch weit mehr als Weicheierei und rosarote Schönfärberei. Ein sanftmütiger Mensch sieht sehr wohl, was falsch läuft, aber er gerät deshalb nicht in Zorn, sondern eher in Traurigkeit darüber, wie wenig der Liebe zugetraut wird. Sanftmut ist der Mut, sich und dem anderen Liebe zuzumuten. Wer mordet, wer hasst, wer zürnt, der unterstellt dem anderen allen Ernstes, nicht liebens-wert zu sein – und der traut sich selber tragischerweise nicht zu, lieben zu können. Der stellt sich gegen das, was jeden am Leben hält und hängen lässt: der stellt sich gegen die Liebe, der stört den liebevollen Blick auf den anderen, der doch wie er selber geliebtes Geschöpf Gottes und darum absolut liebenswert ist. Und weil Gott die Liebe selber ist, heißt Umkehr: Heimkehr zu Gott. Eben dahin ist die Sanftmut unterwegs: "Selig die Sanftmütigen; sie werden das Land erben."

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedDie sieben "Todsünden": Das Ende des "Unschuldswahns" (1)
  2. undefinedDie sieben "Todsünden": Hochmut und Neid - Demut und Gelassenheit (2)
  3. undefinedDie sieben "Todsünden": Geiz und Völlerei (3)
  4. Öffnet internen Link im aktuellen FensterGeistliche Impulse von Markus Nolte
  5. Öffnet internen Link im aktuellen FensterGeistliche Impulse zum Kirchenjahr
  6. Öffnet internen Link im aktuellen FensterGlaubens ABC: Sünde
  7. undefinedDie "Sieben Todsünden": Ausgewogen?
  8. undefinedDie Schuld in Bibel und Kirchengeschichte: Vom "Sündenfall" bis zu den "Todsünden"

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem FensterBuchhinweis: Die sieben Todsünden - Sondern erlöse uns von dem Bösen

Text: Markus Nolte | Foto: Michael Bönte
04.03.2010

Impulse verschiedener Autoren

In die Tiefe gehen: Übersicht mit verschiedenen geistlichen Impulsen und Texten unterschiedlicher Autoren.

Impulse von Dr. Silberberg

Einhaken: Geistliche Impulse von Dr. Hermann-Josef Silberberg.

Gebete und Bibeltexte

Die Übersicht über Gebete und Bibelstellen lädt ein, die Seele atmen zu lassen.

Impulse zum Kirchenjahr

Die Geistlichen Impulse, die Sie in dieser Übersicht finden, führen Sie durch das Kirchenjahr.

Impulse von Reinhard Lettmann

Christliche Gestaltung des Alltags.

Mit der Bibel leben

Psalm 1: Die beiden Wege

Glaubens-ABC

Engel: Gottes Bote.

Mittwoch ist Chatzeit

Am Mittwoch zwischen 20.30 und 21.30 Uhr im Chat: Pastoralreferent Ludger Picker.

Geistlicher Impuls

Das fünfte Evangelium: Erfahrungen im Heiligen Land.

Kirche von A bis Z

Vergänglichkeit allen Lebens: "Bedenke, Mensch, dass Du Staub bist und wieder zum Staube zurückkehrst."

Heiligenlexikon

26. Februar: Seliger Adalbert und Seliger Ottokar von Tegernsee.

Fastenzeit

"Bedenke Mensch, dass du Staub bist".

Glaubenswissen

Gott! - Kein Name sei so besudelt und missbraucht wie dieser Name; so ähnlich hat es Karl Rahner, formuliert, man wird dieser Beobachtung nur zustimmen können - mit Bedauern.

Regionen des Bistums

Kleve / Wesel.

Ministrantenwallfahrt

"Ich glaub an dich!" – unter diesem Motto findet am 16. Juni 2012 die zweite Ministrantenwallfahrt der acht nordwestdeutschen Bistümer statt.

Kirchenmusik-Tagung

Mit der Zukunft der Kirchenmusik beschäftigte sich eine Fachtagung für Organisten und Chorleiter aus dem ganzen Bistum.

Veranstaltungskalender

Terminhinweise aus dem Bistum.

Heiligenkalender

5. Februar: Heilige Agatha.

Bischof Felix Genn

Sein Leben – sein Wirken – seine Texte.

Missbrauchsskandal

Der Missbrauchsskandal wurde vor zwei Jahren publik. Was hat sich seither getan?

Bibelarbeit

"Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde" (Gen 1).

Wir beten für Sie!

KLOSTERFÜRBITTE im Monat Februar: Klarissen-Kloster in Kevelaer.

Service für Sie

RSS-Feed Topnews

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNewsticker für Ihr Web

Spruch des Tages

Zu glauben ist schwer, nichts zu glauben ist unmöglich.
Victor Hugo

Reden, Fragen, Antworten finden

im "Haus der Seelsorge" hat man ein offenes Ohr für Sie

Seelsorger im Februar:
Diakon Werner Fusenig

Seelsorger/-innen

Haus der SeelsorgeHaus der Seelsorge

Heiligenlexikon in "kirchensite.de"

im Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:

 

Kontakt

  kirchensite-Redaktion:
  redaktionkirchensite.de

  Lebenshilfe+Seelsorge: 
  Werner Fusenig
  fusenigkirchensite.de

  Technik:
  technikdialogverlag.de

Dialogversand