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11.02.2012
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Immer weiter, hoch und höher.

Immer weiter, hoch und höher.

Geistlicher Impuls zur Fastenzeit: Die sieben "Todsünden" (2)

Hochmut und Neid - Demut und Gelassenheit

Volker Kauder, Vorsitzender der Unions-Fraktion im Bundestag, hat einen Lieblingsspruch, und der geht so: "Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit und nicht mit dem, wie man sich's gern malen würde." Unlängst, in einem plaudrigen Interview im ZDF-Morgenmagazin, hat er diesen Spruch wieder einmal gesagt – und durfte danach spielerisch mal über die Wirklichkeit hinausschauen und sich ausmalen, welche Figur der Augsburger Puppenkiste er gern wäre. Und Kauder antwortete: "Dann wäre ich gern Lukas, der Lokomotivführer. Der fährt mit dem Zug voran und zieht die anderen mit."

So weit, so hübsch - und lassen wir auch einfach mal den Kommentar einer Satiresendung dazu beiseite, bei Betrachtung der Wirklichkeit sei Lukas, der Lokomotivführer, nichts anderes sei als eine Marionette, die im Kreis fährt. Bleiben wir lieber noch ein bisschen in Lummerland, der Insel mit zwei Bergen: Kennen Sie noch Turtur, den Scheinriesen, der umso größer wird, je weiter er sich entfernt – und immer kleiner, je näher man ihm kommt? Dieses bei vielen prominenten Riesen verbreitete Phänomen nennt die christliche Spiritualität "Eitelkeit", "Ruhmsucht" oder "Hochmut". Etwas zeitgemäßer ausgedrückt: Überheblichkeit, Arroganz, gnadenlose Selbstüberschätzung.

Obwohl das alles wahrlich nicht schmeichelhaft klingt, zieht es uns Menschen in diese Richtung: Immer weiter, hoch und höher, nach oben, nach oben – koste es, was es wolle -, als gäbe es Anerkennung erst, wenn die Luft möglichst dünn wird. Anstatt sich oben auf dem Gipfel verantwortungsvoll vom faszinierenden Weitblick anstecken zu lassen, sieht der Hochmütige nur sich selbst: Wie er da oben steht und auf alle anderen da unten hinabblickt. Und eh man sich versieht, ist "oben" da, wo ich bin – zum Beispiel im Fernsehen. Denn wohin diese "Sucht nach oben" führen kann, sieht man ziemlich gut in den Niederungen jener TV-Casting-Shows, die menschenverachtend vermeintliche Superstars oder Topmodels erschaffen wollen.

Um es klar zu sagen: Hochmut ist grundsätzlich etwas anderes als der berechtigte Stolz darauf, seine Begabungen und Fähigkeiten fruchtbar gemacht zu haben. Und: Hochmut ist nicht nur eine Gefährdung für Chefs, Stars und Sternchen und solche, die sich dafür halten. Hochmut ist scheinbare Größe, die sich mehr auf sich einbildet als dass sie echte, innere Größe zeigte. Denn: Innere Größe lässt auch andere groß sein. So wie auf der anderen Seite der Neid aus eingebildeter Kleinheit giftig wird. Hochmut hier – Neid da: Beide nennt die christliche Spiritualität "Todsünden" oder "Wurzelsünden". Warum? Weil sich sowohl ein hochmütiger als auch ein neidischer Mensch im wahrsten Sinn des Wortes verrannt hat, den Weg seines ihm zugedachten, ihm entsprechenden Lebens aus welchen Gründen auch immer verlassen hat. Dies ist sein "Vergehen": dass er meint, mehr aus sich machen zu müssen, als "drin" ist; auch dass er weniger aus sich macht, als drin ist. Beides  schadet mir – und schadet den anderen. Und beleidigt im Übrigen Gott. Warum das?

Weil weder ein neidischer noch ein hochmütiger Mensch aus der Gelassenheit der Demut lebt. Demut nämlich heißt im Lateinischen "humilitas". Darin steckt "humus", der fruchtbare Erdboden. Darin steckt aber auch "homo", der Mensch. Im Hebräischen ist es interessanterweise genauso: Der Mensch ist der "Adam", der von der "Adamah", von der Erde genommen ist...  Demut also heißt: Sich als Mensch wahrnehmen, der aus dem fruchtbaren Erdboden geschaffen ist – von Gott. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Ein demütiger Mensch ist einer, der es nicht nötig hat, "hochmütig" zu sein oder sich im Neid selber zu demütigen; der es nicht nötig hat, sich etwas einzubilden auf sich, weil er darauf vertraut, nach Gottes Bild geschaffen zu sein...

Und das ist keine Geschichte aus Lummerland, sondern urbiblische, urmenschliche Erfahrung. Ein Blick auf diese Wirklichkeit macht gelassen und verantwortungsbewusst. Wer aufrecht und aufrichtig durchs Leben geht, hat immer noch die beste Luft zum Atmen.

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