
Simeon und Hannah, die beiden alten Propheten, begegnen Maria und Josef, als diese in den Tempel kommen und sie erkennen in dem neugeborenen Kind Gottes Ja zu dieser Welt.
Geistlicher Impuls zum Fest der Darstellung des Herrn (2)
Die verborgene Ordnung
Am 2. Februar feiern viele christliche Kirchen das Fest der Darstellung des Herrn (Mariä Lichtmess). Es geht auf die biblische Geschichte zurück, in der Maria und Josef acht Tage nach der Geburt Jesus in den Tempel bringen und dort auf die Propheten Simeon und Hannah treffen. Diese stimmungsvolle Erzählung lädt ein, das Leben mit anderen Augen zu sehen. Im Licht Gottes wird mein Leben hell und zu einem stimmigen Geschenk. Gottes rettende Tat schenkt Frieden und stärkt das Vertrauen.
Heute feiern Christen das Fest der Darstellung des Herrn, das im Volksmund auch Mariä Lichtmess heißt. Für mich war dieser Tag als Kind immer etwas besonderes. Meine Mutter schleppte eine große Tasche mit Kerzen in die Kirche. Die Kerzen wurden im Gottesdienst gesegnet. Das ganze Jahr über brannten dann bei uns auf dem Esstisch gesegnete Kerzen.
Der Ursprung des Festes liegt in der Zahl 40. Heute ist der 40. Tag nach Weihnachten. Bis zum ausgehenden Mittelalter waren den Menschen Zahlen äußerst wichtig. Die Welt war für sie "nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet", wie es im Buch der Weisheit heißt. (11,20). Der Kosmos war eine von Gott geordnete Welt. Die Zahl 40 war die Zahl der Vollendung.
Mit dem 40. Tag endet das Weihnachtsfest. Im 5. Jahrhundert begann man, an diesem Tag im Gottesdienst die Geschichte von Maria und Josef vorzulesen, die nach der Geburt mit Jesus zum Tempel nach Jerusalem gingen, wo auch der Prophet Simeon und die Prophetin Hannah häufig waren. Weil in der Geschichte der greise Simeon sagt, Jesus sei das Licht der Welt, segnete man zu diesem Fest die Kerzen, die man das Jahr über brauchte. Der Glanz von Weihnachten fand so ganz konkret Eingang in den Alltag des Jahres. Mit diesem Tag ging eine heilige Zeit zu Ende und bald folgten die 40 Tage der Vorbereitung auf Ostern.
Heute haben solche alten Zeitvorstellungen kaum noch eine Bedeutung. Wir leben zwar in einer unglaublich geordneten Welt. Es gibt nichts, für das es nicht irgendeine Verordnung gibt. Unsere Ordnung ist aber immer weniger von dem Bewusstsein geprägt, dass es eine tiefere, verborgenen Ordnung gibt, die in heiligen Zeiten ihren Ausdruck findet.
Das heutige Fest erinnert daran, dass Gott dieser Welt und dem Leben jedes Menschen eine verborgene Ordnung geschenkt hat – die Ordnung der Liebe und des Erbarmens. Wo Liebe und Erbarmen sind, da kommt die Welt zu sich und da findet mein eigenes Leben seinen Weg. Die Dichterin Ruth Schaumann hat einmal zu einem Neugeborenen gesagt: "Schönes Kindlein, neuer Christ, weißt Du, was das Leben ist? Liebe und Erbarmen." (Ruth Schaumann, Lorenz und Elisabeth, München 1936, 14)
Simeon und Hannah, die beiden alten Propheten, begegnen Maria und Josef, als diese in den Tempel kommen und sie erkennen in dem neugeborenen Kind Gottes Ja zu dieser Welt. Beide finden angesichts des Kindes Ruhe und Frieden.
Das Fest Mariä Lichtmess, der 40. Tag nach Weihnachten, lädt mich ein, diese Welt und mein eigenes Leben mit neuen Augen zu sehen. Mit den Augen der Liebe und des Erbarmens können wir die verborgene Ordnung unseres Lebens neu entdecken, auch wenn der Alltag noch so chaotisch sein mag.
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