
Suppenküche der Malteser für Obdachlose in Kaliningrad.
Perspektiven (5)
Unverdiente Liebe
In einer kindertherapeutischen Praxis hängt ein Schriftplakat. Darauf steht mit großen Buchstaben: Liebe mich, wenn ich es am wenigsten verdiene, denn dann brauche ich es am dringendsten.
Wie vielen Kindern mag dieser Satz aus der Seele gesprochen sein. Kindern, die sich in ihrer Traurigkeit oder Aggressivität selbst nicht verstehen und spüren, dass sie sich und anderen zur Last geworden sind. Kindern, die sich ausgegrenzt und wertlos fühlen und sich nach nichts mehr sehnen, als nach liebevoller Begleitung.
Liebe mich, wenn ich es am wenigsten verdiene, denn dann brauche ich es am dringendsten. Was kann geschehen, wenn ein in sich gekrümmter Mensch erfährt, dass er trotz seiner Verfahrenheit, trotz seiner Unvollkommenheit bedingungslos geliebt wird? Schutzschichten lösen sich auf. Licht fällt in den Panzer der Verstocktheit. Ein erster Boden gründet sich grün, auf dem weiter aufgebaut werden kann. Am dringendsten braucht der Mensch Liebe, der sich selbst nicht mehr lieben kann.
Genau solche Liebe bietet Gott uns Menschen an. Er fragt nicht nach unseren Leistungen. Er fragt nicht, ob wir seine Liebe verdient haben. Immer und immer wieder ist Gott derjenige, der uns entgegeneilt, wenn wir uns innerlich zu ihm auf den Weg begeben mit all unseren Zweifeln, Gekrümmtheiten und in aller Unvollkommenheit.
Von diesem Entgegenkommen Gottes zeugt die Bibel im Alten und Neuen Testament in überraschenden Bildern. Es liegt an uns, wachsam zu sein, um den verborgenen Gott in den Verkleidungen des Alltags zu entdecken. Suchend, fragend, staunend.
Zur Einübung in solch achtsame Lebensweise laden sogenannte "Exerzitien auf der Straße" ein. Seit dem Jahr 2000 vom Berliner Jesuiten Christian Herwartz entwickelt, bieten zehn Übungstage interessierten Menschen die Möglichkeit, unter einfachsten Bedingungen in Berlin-Kreuzberg zu leben und tagsüber in den Straßen der Stadt unterwegs zu sein. Dieses Unterwegssein wird der Führung Gottes unterstellt, d.h., dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Orten suchen, wo sie von ihren Gefühlen, ihrer Sehnsucht hingeführt werden.
Dort ziehen sie die Schuhe aus. Die Übung des Schuhe-Ausziehens geht auf die Mose-Geschichte im Alten Testament zurück. Es wird berichtet, dass Mose seine Sandalen ablegte, als er Gott im brennenden Dornbusch wahrnahm, denn Moses stand auf heiligem Boden. So bekunden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre eigenen brennenden Herzen, indem sie ihre Schuhe ausziehen, - tatsächlich oder als inneres Bild. Sie stehen auf kostbarem Boden bei Strichern und Prostituierten, an der Hinrichtungsstätte Plötzensee oder unter Drogenabhängigen und Obdachlosen.
Bei den "Exerzitien auf der Straße" in Berlin – inzwischen auch in anderen Städten – geht es nicht um karitative Hilfe, um Geldspenden, sondern darum, das, was bei anderen Menschen wahrgenommen wird, im eigenen Inneren aufzuspüren. Es geht darum, die persönliche Bedürftigkeit wahrzunehmen und das Erlebte auf die Bedeutung für die eigene Entwicklung zu befragen. Dies geschieht jeden Abend in der Herberge in der Gruppe. Anschließend werden vom begleitenden Team Impulse für den kommenden Tag gegeben.
Solche "Exerzitien auf der Straße" sind reale Übungen. Sie können in ihrem tiefsten Sinn dazu anleiten, Gott im eigenen Alltag wahrzunehmen und seinem liebevollen Entgegenkommen selbst in den schwierigsten Lebenslagen vertrauen zu lernen. - Selbst dann, wenn wir uns in keiner Weise mehr liebenswürdig fühlen. - Selbst dann, wenn wir erschrocken feststellen, dass unsere Sehnsucht nach bedingungslosem Angenommensein in den Äußerlichkeiten unseres Lebens untergegangen ist.
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Text: Petra Fietzek | Foto: Michael Bönte
08.01.2010
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Die Übersicht über Gebete und Bibelstellen lädt ein, die Seele atmen zu lassen.
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Heilige und Selige
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Wohnungsnotfallhilfe
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Erzbischof Robert Zollitsch setzt sich weiterhin dafür ein, dass Katholiken auch nach Scheidung und Wiederheirat die Kommunion empfangen können.
Dossier: Maria
Maria ist die Mutter Jesu Christi - und hat daher eine besondere Stellung im christlichen Glauben.
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