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25.05.2012
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Roger Schutz

Roger Schutz kam es darauf an, Menschen zum Einklang mit Gott einzuladen.

Perspektiven (2)

Verweilen in der Gegenwart Gottes

Im westlichen Kulturbereich erfährt der aus Estland stammende, 1935 geborene Komponist Arvo Pärt seit Jahren hohe Beachtung. Auszeichnungen im In- und Ausland heben hervor, dass Arvo Pärt in seinen Werken die Auseinandersetzung mit christlicher Spiritualität sucht. Der Komponist sensibilisiert mit seinen künstlerischen Beiträgen für religiöse Themen, die vom modernen Zeitgeist den Bereichen von Politik und Wirtschaft hinten angestellt werden.

Auch durch den besonderen Klang seiner Musik lässt Arvo Pärt aufhorchen. Der Komponist sagt: Ich habe entdeckt, dass es genügt, wenn ein einziger Ton schön gespielt wird. Dieser Ton, die Stille oder das Schweigen beruhigen mich. Ich arbeite mit wenig Material, mit einer Stimme, mit zwei Stimmen. Ich baue aus primitivem Stoff, aus einem Dreiklang.

Dieses Stilprinzip, das Arvo Pärt in den 70er Jahren schuf, bestimmt sein Werk bis heute. Es genügt, wenn ein einziger Ton schön gespielt wird. Ich arbeite mit wenig Material. Was bewirkt solch eine Musik?

Sie setzt unserer in den eigenen Lärm verstrickten Welt akustische Einfachheit entgegen. Als Einladung, das hektische Rotieren im Hamsterrad zu unterbrechen, sich dem Kreislauf von Terminen und äußeren Zwängen wenigstens zeitweise zu entziehen. Solche Musik weist darauf hin, im überfüllten Alltag die Sehnsucht nach Ruhe, nach Einkehr in den eigenen Innenraum ernst zu nehmen.

Im eigenen Innenraum, in der Seele kann Beziehung zum lebendigen Gott wachsen. Nicht in großartiger Sprache, sondern suchend, stammelnd, in schlichter Einfachheit. Wir erhalten Erkenntnisse über Gott aus der Bibel, aus Überlieferungen, doch bleibt Gott letztlich unfassbares Geheimnis. Diesen Schwebegrad gilt es in seiner Unschärfe auszuhalten. Er steht unserem Bedürfnis nach sicheren Informationen und genauen Handlungsanweisungen entgegen und bringt uns auf den Weg der Stille, des Lernens und Hörens. Genau darin liegt die Wirkung der Musik Arvo Pärts. Es geht nicht um fertige Antworten, sondern um Verweilen in der Gegenwart des lebendigen Gottes Jesu Christi.

Diese Haltung verkörperte Frère Roger Schutz, Begründer der Geistlichen Communität in Taizé. Ich sehe ihn noch sitzen inmitten seiner Mitbrüder im schlichten, weißen Gewand in der zeltförmigen Kirche der Versöhnung. Wenn er zum Mikrofon griff, füllte sich der Kirchenraum vom warmen Klang seiner Stimme. Frère Roger sprach nie viel. Seine Worte waren einfach und klar. Eine zentrale Botschaft seines geistlichen Lebens lautete: Glücklich, wer vom Zweifel zum schlichten Vertrauen geht.

Roger Schutz wusste, wovon er sprach. Sein Weg des Glaubens verlief nicht gradlinig. Ihm war das Ringen um den unfassbaren Gott ebenso bekannt, wie das Glück der Geborgenheit in Gottes lebendiger Gegenwart. Immer führen Zweifel in die verschiedensten Richtungen, wie es im Wort Zweifel anklingt. Mindestens zwei Perspektiven ringen miteinander.

Roger Schutz kam es darauf an, Menschen zum Einklang mit Gott einzuladen. Menschen zu ermutigen, nach dem einen Ton zu suchen, den Gott in ihr Leben gelegt hat und der sich entfalten will. Dieser eine Ton kann sich auf verschiedene Weise Gehör verschaffen: im Mut, Neuland zu wagen, in der achtsamen Haltung gegenüber der Schöpfung, in einer persönlichen Begabung, im liebevollen Miteinander.

Es genügt, wenn ein einziger Ton schön gespielt wird. Ich arbeite mit wenig Material, sagt der Komponist Arvo Pärt über seine Musik. Mitten im Lärm des Alltags, in der Überfülle von Sorgen kann uns Gottes Angebot erreichen, im schlichten Vertrauen auf seine Begleitung innezuhalten. Vielleicht erfahren wir dann vom Glück, uns mit Gott und mit uns selbst im Einklang zu spüren in der Schönheit eines einfachen Moments.

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