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25.05.2012
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Darstellung des heiligen Petrus am See Gennesareth

Darstellung des heiligen Petrus am See Gennesareth.

Grenzübertritte - Szenen aus der Apostelgeschichte (4)

Maria gewährt Petrus Asyl

Das Urchristentum kennt viele starke Frauen. Eine, über die selten geredet wird, heißt Maria und ist die Mutter des Johannes Markus, dem die Tradition der Kirche eines der vier Evangelien zuschreibt.

Aber auch die Mutter des Johannes Markus hat Format. Sie ist "tough". In einer brenzligen Situation ist sie da. Sie besitzt ein Haus in Jerusalem und gewährt Petrus Asyl, als man ihm nach dem Leben trachtet.

Lukas erzählt die Story in der Apostelgeschichte des Neuen Testaments, nicht ohne Humor, aber mit einem ernsten Hintergrund. Petrus war Berufsverbot erteilt worden; er sollte den Mund halten und ja nicht von Jesus zu reden beginnen. Er hält sich nicht daran: "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!" (Apg 5,29).

Die Lage verschärft sich, als ein kleiner König, Herodes Agrippa, ein übler Populist, ein Enkel des Kindermörders von Bethlehem, mit Duldung der Römer für ein paar Jahre in Jerusalem das Sagen hat. Erst bringt er Jakobus um, den Bruder des Johannes Zebedäus (Apg 12,1f.). Dann, als er merkt, dass der Pöbel Beifall klatscht, streckt er seine Hand nach Petrus aus und lässt ihn ohne Grund verhaften, um ihn gleichfalls öffentlich vorzuführen und hinzurichten (Apg 12,3ff.).

Aber es kommt anders. Wie im Traum wird Petrus, der mit Ketten gefesselt war, von einem Engel aus dem Gefängnis befreit (Apg 12,6-10). Auf der Straße kommt er zu sich und läuft durchs nächtliche Jerusalem. Lukas schreibt: "Zur Besinnung gekommen, eilte Petrus zum Haus der Maria, der Mutter des Johannes alias Markus, wo viele zum Gebet versammelt waren. Als er an die Tür klopfte, kam eine Magd namens Rhode, um zu horchen. Und als sie die Stimme des Petrus erkannte, freute sie sich so sehr, dass sie vergaß, die Tür zu öffnen, und lief ins Haus zurück und meldete, Petrus stünde vor der Tür. Da sagten sie: 'Du bist verrückt!' Doch sie bestand darauf. Da redeten sie: 'Es ist vielleicht sein Schutzengel!' Petrus aber klopfte und klopfte. Da öffneten sie schließlich und sahen ihn und konnten es nicht fassen. Er aber gab ihnen mit der Hand ein Zeichen, dass sie endlich schwiegen, und erzählte ihnen, wie der Herr ihn aus dem Gefängnis befreit hatte." (Apg 12,12-17)

Man kann sich die Situation leicht vorstellen: Petrus ist auf der Flucht und steht draußen vor der Tür, drinnen herrscht eine Stimmung zwischen Angst und ungläubigem Staunen. Draußen pocht Petrus verzweifelt ans verschlossene Tor, und drinnen wird heiß diskutiert, was wohl vor dem Haus passiert sei.

Bis die Tür sich endlich öffnet und Petrus in Sicherheit ist und die Gemeinde, die so inbrünstig um die Befreiung des Petrus gebetet hat, keine Angst mehr hat, dass ihre Bitte erhört worden ist. Ohne Maria, der Mutter des Johannes Markus, und ihr Haus in Jerusalem hätte es kein happy end gegeben.

Wer in den Gassen der Jerusalemer Altstadt nahe des Jaffatores umherstreift, muss ein wenig suchen, um eine kleine syrisch-orthodoxe Kirche zu finden, die Johannes Markus geweiht wird. Sie liegt ziemlich versteckt. Als ich das erste Mal dort war, erzählte mir eine Frau ganz genau und voller Inbrunst die Begebenheit aus der Apostelgeschichte: Hier war es, hier stand das Haus der Maria, hier hat Petrus Zuflucht gefunden, hier ist das Markusevangelium geschrieben worden. Sollte ich zu diskutieren anfangen? Viel besser war es, zuzuhören und zu hoffen, dass es möglichst viele solcher Frauen wie jene Maria aus Jerusalem und ihre Nachfolgerin heute gibt, die ihr Haus nicht nur für Passanten, sondern auch für Verfolgte öffnen, um ihnen Asyl zu gewähren – und wenn sie dann nicht nur ein Dach über dem Kopf bieten, sondern auch einen Raum des Gebetes aufschließen, an dem Gott zu sprechen ist: dann kann es so schnell keinen besseren Grenzübergang geben, an dem eine Flucht gelingen und eine Rettung geschehen kann.

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Text: Thomas Söding | Foto: Michael Bönte
29.10.2009

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