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25.05.2012
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Feuer.

Feuer.

Impuls von Hermann-Josef Silberberg: Würdigung

Dreimal brennend vom Himmel gefallen

Nur eine bildhafte Rede? Immer wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet? Feuer gefangen an Utopien und Idealen und dann unsanft ins konkrete Leben zurückgeholt? Zurück aus dem "Himmel voller Geigen" bei der ersten Beziehungskrise?

Nein! Buchstäblich: Der Jagdflieger Jörg Zink (geb. 1922) wurde dreimal über dem Atlantik abgeschossen und hat überlebt; dazu wegen Fahnenflucht auch einmal zum Tode verurteilt.

Binde deinen Karren an einen Stern

Leitmotiv seines Lebens als evangelischer Theologe, Publizist und religiöser Schriftsteller. Ein geistlicher Mensch, spirituell für mehrere Generationen maßgebend geworden. Ein biblisch fundierter, beschaulicher Mensch und genialer "Mediator" des Wortes Gottes.

Er lebt in einem "Haus aus Sprache" und übersetzte das Neue Testament: "Die Kunst der Sprache gibt uns auf Erden die Chance, etwas auszusprechen, das wir ahnen und von dem wir wissen, dass wir es nicht wissen. Es ist seine Gottesahnung von Kindsbeinen an und "das Gesetz Christi: Erbarmen mit den Unfähigen".

Jörg Zink pflegt eine leise Sprache, geformt, direkt und schnörkelfrei, nur scheinbar einfach. Daran hat er ein Leben lang gearbeitet, seine vielen Bücher bis zu sieben Mal neu geschrieben, das Wort zum Sonntag (ein Jahrzehnt im Fernsehen) manchmal 25 Mal komplett umformuliert.

"Beim Schreiben und Predigen versetze ich mich immer zuerst in irgendwelche anderen Menschen." Und: "Ich darf nie etwas sagen, was meiner eigenen Überzeugung nicht entspricht." Vor Augen die vielen trauernden, leidenden und zerstrittenen Menschen: verlassen, einsam, hinsiechend, überforderte Zeitgenossen. "Menschen, die im Grunde gesegnet werden möchten, bevor sie ihren eigenen Gedanken wieder ausgeliefert sind."

Vom Mutterleib an bist du mein Gott

Der Psalm 22 beschreibt die gläubige Grundmelodie seines Lebens: Jörg Zink hatte schon als kleiner Junge das Gefühl, "dass hinter allen Dingen dieser Erde eine geistige Wirklichkeit ist". Er spürte überall in seinem Leben "eine höhere Hand". In dieser Welt aus Farbe, Licht und Energie, dass "dort der Sinn von allem lag, was sich im Vordergrund abspielte".

Schon als Schüler schüttelte er den Kopf über "naive Lehrer, die meinten, die Naturwissenschaft beschreibe die Welt, wie sie sei". Er spürte "das Übergewicht der Unendlichkeit" (Marie Noel). Auf ihn drang jeden Tag mehr ein, als er bewältigen konnte. Eines stand fest: sein Urvertrauen auf eine umgreifende Wirklichkeit sagte ihm, "dass irgendwo ein Gott sei". – "Stehvermögen und Freiheit!" – "Daran habe ich nie ernsthaft gezweifelt."

Herausforderung durch den Ernstfall

Die religiöse Grundausstattung   "das Brot der frühen Jahre" (H. Böll)   war durch Studium und persönliche Herausforderungen im Kern nicht zu erschüttern. Jörg Zink sieht sich von Gott "bei seinem Namen gerufen" und gewinnt   wie er schreibt "Stehvermögen und Freiheit", weil er selbst "die Kraft hat, vor IHM anwesend zu sein,   vor Gott zu sein, ohne zu reden".

Peter Handke spricht demgegenüber von "einer alten, tödlichen Unfreiheit aus frühen Zeiten". Und beschreibt damit seine kindliche   religiöse   Erziehung. Gott war für Jörg Zink von Anfang an "der Grund und Zusammenhang seines Daseins und der Welt insgesamt". Für heutige Ohren eine fast märchenhafte Glaubensfestigkeit. Aber auch diese musste noch ihre Feuertaufe bestehen.

Dreimal brennend zwischen Himmel und Erde erfuhr der junge Jagdflieger Jörg Zink den Ernstfall seines Glaubens. Dem Tod ausgeliefert und wunderbar gerettet   wie einst Israel mehrfach in seiner Geschichte: Jahwe ist der, "der da ist", wenn es um Leben und Tod geht. "Israel hat immer wieder vor den Toren des Todes gestanden, aber Gott öffnete ihm die Tore des Lebens" (Alfons Deissler).

Es sind Tore der Reinigung, Verwandlung und Heiligung. Jeder Mensch muss hindurch, jetzt schon oder in der Stunde seines Todes. Die Evangelien sprechen von der "engen Pforte" als dem Tor zum Leben Gottes.

Jörg Zink durchlebte die biblische Wahrheit fast buchstäblich: "Wir gingen durch Feuer und Wasser, doch du hast uns in die Freiheit hinausgeführt" (Ps 66,12). Eine Verwandlungsgeschichte wie im Märchen: "Hinreise und Rückreise!" In der Mystik ist die Rede von Leidenshitze und mystischem Sterben. Danach ändert sich das Leben fundamental: "Ab heute lebst du anders" (Jörg Zink)! Er kam durch, ist wieder "aufgestanden", "gerettet, wie durch Feuer" (1 Kor 3,15).

Die letzten Reste von Selbstkraftbewusstsein und Selbstherrlichkeit verbrannten   vorübergehend. Jörg Zink ist bibelnaher Realist. Er verweist auf das Evangelium. "Jesus sagt: Unterschätze das Böse nicht!"

Der selbstverständliche Hintergrund seines Denkens

Von Anfang an der feste Glaube, von dem getragen zu sein, "der uns Zuflucht war von Geschlecht zu Geschlecht" (Ps 90,1) oder: "Gott ist da, wo auch immer wir sind!" Dem korrespondiert der andere Brennpunkt seiner Lebens-Ellipse: "Für mich ist heute die Auferstehung der Toten, die Auferstehung des Christus, meine eigene Auferstehung sozusagen der selbstverständliche Hintergrund meines Denkens."

Ohne Ostern hätten alle Passionsgeschichten keinen Sinn. Die vielen Gestalten des Kreuzes sind nicht das Letzte. Es gibt eine Gegenkraft gegen das Grauenhafte und Sinnlose: die belebende und verwandelnde Kraft Gottes!

Jörg Zink besitzt eine besondere Sensibilität für alle Leiden bei Menschen und in der Natur   offen für ihre Wunder und Wunden. Weil er innere Kraft hat   von Innen  herkommt, kann er aus sich herausgehen und für andere eintreten, auch für das Heilwerden in Natur und Gesellschaft (Ökologie, Friedensbewegung). Weil er Gottes Stimme hört und von seiner "Herrlichkeit" erfasst ist, kann er "seine Wunder erzählen", bild- und wortmächtig, nicht wortgewaltig, den Menschen nah und im Evangelium verankert.

Irgendwann gibt Gott jedem von uns einen Hinweis. Mir hat er viele gegeben. Ich fand als Kind und als junger Mensch immer wieder zu einem tiefen, im Grunde unbegreiflichen Vertrauen, das Leben sei etwas, das bestanden werden könne, es habe auf irgendeine Weise einen verlässlichen Hinter- und Untergrund. (Jörg Zink)

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