
Der Mensch: Person ist mit einer unverwechselbaren Würde.
Weihbischof Overbeck zur Wirtschaftskrise
Personalität
Zu den grundlegenden Überzeugungen der Kirche gehört die Aussage: Der Mensch ist Person. Die Würde des Personseins gehört vom Anfang seines biologischen Lebens bis zu seinem menschlichen Ende zu ihm. Die Würde des Menschen als Person ist unantastbar. Diese Überzeugung, die im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in seinem ersten Artikel zum Ausdruck kommt, ist unübersehbar auf dem Mutterboden christlicher Tradition und Wertevorstellung gewachsen.
Weil der Mensch Person von Anfang an ist, ist ihm von Gott her eine Würde gegeben, die sich seiner freien Verfügbarkeit über sich und andere vollkommen entzieht. Daraus erwachsen bestimmte Vorstellungen vom Umgang mit dem Menschen. Gerade angesichts der Bioethik, den vielen Fragen am Anfang des menschlichen Lebens und an seinem Ende, wird dies greifbar. Personalität bedeutet Einmaligkeit. Der Mensch ist er selbst, mit diesem Leib und dieser Seele, unterschieden und abgegrenzt von jedem anderen Wesen, nie wiederholbar und nie wiederholt. Der Mensch als Person wird als Original geboren, wenn er auch, wie so manche sagen, als Kopie endet. Der Mensch hat als Person Selbststand. Jeder von uns besteht in sich selbst. Eigentlich haben wir nicht einen Leib und eine Seele, sondern wir sind als Personen Leib und Seele in einer nicht trennbaren Einheit.
Kind Gottes
Eng verbunden ist damit die Möglichkeit von Freiheit. Der Mensch hat einen freien Willen und ist darum fähig, sich zwischen verschiedenen Möglichkeiten im Leben zu entscheiden. Weil dem so ist, erwächst daraus seine Verantwortung und sein Gewissen. Der Mensch, der seine eigene Existenz nicht verantworten muss, sondern sich schenken lässt, lebt aus dem Bewusstsein des Fremdursprungs. Von seinem Ursprung her nämlich ist der Mensch zum Dialog mit Gott gerufen. Der Mensch als Person ist immer ein Kind Gottes.
Als solcher lebt der Mensch als Person in Gemeinschaft. Zwei der nur dem Menschen gegebene Verhaltensweisen machen dies besonders deutlich, nämlich die Fähigkeit zur Sprache und die Fähigkeit zur Liebe. Wie wichtig es ist, eine Sprache zu sprechen, die verstanden wird, die den Verstand erleuchtet und das Herz ergreift, ergibt sich im Alltag von selbst. Ähnliches gilt für die Liebe. Ein Mensch, der keine Liebe erfährt, entwickelt sich nicht. Ein liebevoll umsorgter Mensch gibt Liebe weiter.
So frage ich mich, ob nicht eine verdorbene Sprachkultur ein Ausweis dafür ist, dass der Mensch als Person nicht ernst und angenommen wird. Und führt nicht die Banalisierung all dessen, was mit der Tiefe der Liebe gemeint ist, dazu dass viele Menschen sich in ihrer Personenwürde nicht mehr an- und ernst genommen wissen? Wie viele Menschen leben heute sprichwörtlich sprach- und lieblos, und damit beziehungslos.
Darum wünsche ich mir heute viel klarere gesellschaftlichere und politischere Strukturen, die den Familienzusammenhalt stärken. Entgegen dem Trend zu immer mehr Individualismus ist gerade die Familie der Ort, an dem junge, ältere und alte Menschen die Möglichkeit haben, Verantwortung füreinander zu üben und miteinander die Realitäten des menschlichen Lebens, die damit einhergehenden Konfrontationen und Grenzerfahrungen zu gestalten. In der Familie erfährt der Mensch: Ich bin als Person einmalig und zugleich in Gemeinschaft eingebunden.
Wieviel Gutes bedeutet es zudem für junge Menschen, wenn sie in der häuslichen Pflege von Verwandten erleben, dass der Mensch Person ist mit einer unverwechselbaren Würde im Alter, im Sterben und im Tod? Und welche Bereicherung bedeutet es für ältere und alte Menschen, wenn sie erfahren, dass Kinder und Jugendliche ganz selbstverständlich mit ihnen leben. Dieses gemeinsame Leben ist ein Reichtum, der ihnen die Gewissheit gibt, dass der Mensch eine Würde hat, die ihm keiner nehmen kann.
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