
Christen sind der Überzeugung, dass Menschen, die in Freiheit und Verantwortung leben, entsprechend gebildet sein müssen
Weihbischof Overbeck zur Wirtschaftskrise
Verantwortung
Seit gut einem Jahr machen die wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Entwicklungen der Finanz- und Wirtschaftskrise deutlich, dass Freiheit und Verantwortung zusammen gehören, dass ethisch bestimmte, verlässliche Regeln notwendig sind. Ob als Unternehmer, Politiker, Arbeitnehmer oder Konsument: jeder trägt für sein Handeln persönlich und für das Gemeinwohl Verantwortung. Jeder von uns kann an seiner Stelle wichtiges zu einer gerechteren Welt beitragen, die jedem das Seine zukommen lässt. Es zeigt sich gerade aus christlicher Perspektive, dass in unseren jeweiligen Verantwortungsbereichen ein unerschrockenes Glaubenszeugnis gefragt ist, weil die Würde des Menschen von Gott her bestimmt wird und Freiheit wie Verantwortung von hierher Gestalt gewinnen. Echte Verantwortung braucht den freien Menschen, der Verantwortung übernimmt. Darum bekennen wir Christen uns zu Werten und zu Tugenden, die ihren Ausdruck in einer Kultur der Wachsamkeit und der Solidarität, in einer Kultur der Anerkennung und Mitverantwortung, in einer Kultur der ökologischen Verantwortung und der Familienfreundlichkeit finden.
So sehr heute die Politik als Gestalterin des entsprechenden Ordnungsrahmens gefragt ist, so sehr ist diese Ausrichtung an die Haltung und an das Verhalten Einzelner und von Gemeinschaften gebunden. Der christliche Glaube als Handlungsleitlinie geht davon aus, dass die Bereitschaft zur Verantwortung alle prägt, die mit uns leben und unsere Gesellschaft mitgestalten. Wer darum, aus welchem Grund auch immer, ein Risiko eingeht, der muss es auch tragen können und für die entstehenden Verluste haften. Wegen der großen Bedeutung der Verantwortung für das Gemeinwohl müssen alle Handlungen im Rahmen einer Risikoabschätzung und Risikohaftung abgewogen werden und transparent sein.
Bildung und Tugenden
Aus diesem Grund sind wir Christen der Überzeugung, dass Menschen, die in Freiheit und Verantwortung leben, entsprechend gebildet sein müssen. Die seit langer Zeit geführte Bildungsdebatte zeigt gerade angesichts der alle umtreibenden Krise, wie wichtig es ist, Menschen zu bilden; und zwar lebenslang. Offenbar sind Elternhaus, Kindergarten und Schule – auch wir als Kirche für unseren Teil – häufig nicht mehr in der Lage, Kindern und Jugendlichen das erforderliche Wissen, grundlegende Kompetenzen, notwendige soziale Verhaltensweisen, aber auch Tugenden wie Fleiß, Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit und Anstand zu vermitteln.
Wir haben in Deutschland zwar viele wirtschaftliche und politische Probleme zu lösen, aber noch viel mehr müssen wir uns der jungen Menschen annehmen. Die Zahl derjenigen, die auf ihrem Bildungsweg "verloren" gehen, weil sie die Schule abbrechen oder ohne Berufsausbildung bleiben, ist erschreckend hoch. Nachhaltig möchte ich darum zur Wahrnehmung von Verantwortung ermutigen, Jugendlichen, gerade auch den Benachteiligten, eine Chance zu Bildung und Ausbildung zu geben. Gute und solide Bildung ermutigt, Verantwortung zu übernehmen und zu tragen.
Aus christlicher Perspektive ist darauf zu achten, dass Bildung das Wissen um die Herkunft und Tradition unseres Denkens und Wissens neu würdigt; dass sie Haltung und Halt, Wahrhaftigkeit und Mäßigung vermittelt; dass Gottvertrauen und Glaubenskultur vorgelebt werden. Bildung geschieht vielfach durch konkretes Vorleben und durch das Vorbild, das andere prägt. Bildung zu ermöglichen, gehört zu den wichtigsten Beiträgen, um ein Leben in Freiheit und Verantwortung zu gestalten.
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