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25.05.2012
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Freiheit.

"Es braucht die Sorge um die, die stärker benachteiligt und bisher außen vor geblieben sind oder am Rand des sozialen und wirtschaftlichen Fortschritts stehen."

Weihbischof Overbeck zur Wirtschaftskrise

Freiheit

Seit dem Spätsommer 2008 beschäftigt die Finanz- und Wirtschaftskrise und ihre vielen Folgen unsere Gesellschaft, die Politik und alle Verantwortungsträger. Dies gilt nicht nur für unser Land, sondern für die ganze Welt. Diese Krise hat alle Menschen erschüttert und fordert alle Kräfte in Wirtschaft und Politik heraus. Viel ist davon die Rede, dass die Gier von Wenigen, maßlose Renditeziele und Gewinnvorgaben Ungezählte ins Unglück gestürzt hätten und in die Mittellosigkeit und sogar in die Arbeitslosigkeit führten.

Bei der Analyse und Bewertung der Geschehnisse wird nicht selten das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, der Markt und die Verantwortungsträger geradezu verteufelt und verdächtigt. Auf ungewöhnliche Weise sind der Staat und die sie tragenden Kräfte herausgefordert, wirksame Maßnahmen einzuleiten. Zur Zeit wird deutlich: das Vertrauen in das Wirtschaftssystem und in die Politik hängt eng mit dem Vertrauen in seine führenden Akteure zusammen. Jedes lokale Handeln hat globale Folgen. Wo auch immer: Wer Verantwortung trägt und Führungsaufgaben übernimmt, der wird an seinen Taten gemessen, mehr als an seinen Worten. Wie kann diese Verantwortung wahrgenommen werden, leben wir doch in einer Gesellschaft, die die Freiheit hoch schätzt?

Freiheit hat für viele einen guten und herausfordernden Klang. Gerade in der jetzigen Lage wissen sich viele durch die missbrauchte Freiheit anderer um ihre gerechten Lebenschancen gebracht. Der Ruf nach dem Staat und der notwendigen Intervention der Politik lässt wachsam nach dem Wert und der Art von Freiheit fragen, die wir in unserem politischen und wirtschaftlichen System brauchen. Papst Johannes Paul II. hat in seiner Sozialenzyklika "Centesimus annus" im Jahr 2001 deutlich gemacht: "Der freie Markt scheint das wirksamste Instrument für die Anlage der Ressourcen und für die beste Befriedigung der Bedürfnisse zu sein" (vgl. CA 4).

Sorge um Benachteiligte

Die Kirche bejaht ein Wirtschaftssystem und politische Zustände, die, auch um der Freiheit willen, die grundlegende und positive Rolle des Marktes, des Privateigentums und der Kreativität des Menschen anerkennt und fördert. Der wirtschaftliche wie der politische Wettbewerb ist die Grundlage für unseren heutigen Wohlstand; er ist Anreiz zu Kreativität und Innovation. Doch die Soziallehre der Kirche übersieht nicht die damit verbundenen Nachteile. Der freie Markt praktiziert von sich aus keine ausgleichende Gerechtigkeit, er sorgt nicht für die Bedürfnisse derer, die – aus welchen Gründen auch immer – benachteiligt und auf die Unterstützung der größeren Gemeinschaft angewiesen sind. Darum sagt Papst Johannes Paul II.: Es braucht die Sorge um die, die "stärker benachteiligt und bisher außen vor geblieben sind oder am Rand des sozialen und wirtschaftlichen Fortschritts stehen. Die Herausforderung besteht darin, eine Globalisierung in Solidarität, eine Globalisierung ohne Ausgrenzung zu sichern" (CA 5). Die soziale Gerechtigkeit ist in ihren weltweiten Dimensionen neu zu denken und umzusetzen.

Soziale Gerechtigkeit zielt auf den Ausgleich zwischen sozialer Verantwortung und den freien Kräften des Marktes, zwischen Eigenverantwortung des Einzelnen und subsidiärer Unterstützung durch die Gemeinschaft. Es braucht also eine Ordnung, die den vernünftigen Ausgleich zwischen freiem Markt und sozialer Verantwortung zum Ziel hat, die tragbare Eigenverantwortung und solidarische Verantwortung füreinander um des Gemeinwohls willen miteinander vermittelt. Wer Freiheit will, muss Gerechtigkeit praktizieren. Wer Gerechtigkeit fordert, muss die Freiheit fördern.

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