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27.04.2017
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Daniel Kotara
Daniel Kotara ist im Zivilberuf Niederlassungsleiter eines Unternehmens für Umweltwirtschaft und Umweltdienste.

Internetseelsorger Daniel Kotara

Ein ganz direkter Diakon

Hünxe/Twisteden. Er pflegt gern einmal das direkte Wort – offen, ehrlich, "nicht drei Mal umgedreht". Und vielleicht tue es dem ein oder anderen manchmal auch ein wenig weh, gibt er zu. "Aber nur so bekommt mein Gegenüber eine Chance, etwas zu ändern", sagt Daniel Kotara. Einfach wolle er die Menschen deshalb ansprechen. So wie Jesus es getan habe. "Die Leute damals haben ihn ja auch sofort verstanden."

Er wisse selbst, dass seine direkte Art nicht bei jedem ankomme. "Mein Problem liegt da weniger in meinem Arbeitsumfeld, sondern mehr im Gespräch mit den Menschen innerhalb der Kirche", sagt der ständige Diakon schmunzelnd. Die Wege dazwischen sind manchmal weit für ihn. Nicht nur geografisch, sondern auch von der Mentalität. Kotara ist im Zivilberuf Niederlassungsleiter eines mittelständischen Unternehmens für Umweltwirtschaft und Umweltdienste im niederrheinischen Hünxe. Die etwa 40 Mitarbeiter seines Standortes arbeiten in der Wiederverwertung von Abfall. Auch Kotara sitzt hin und wieder noch auf dem Bagger oder kümmert sich um den Abtransport von Containern. Als ständiger Diakon ist er Seelsorger in der St.-Quirinius-Gemeinde in seinem Heimatort Twisteden und in St. Antonius in Kevelaer.

Hier Diakon, da Arbeiter und Vorgesetzter – springt er zwischen den Welten? Sein "Nein" kommt entschieden: "Meine Gemeinde ist ein gutes Stück auch mein Arbeitsplatz." Um sich um Menschen zu sorgen und ihnen von Gott zu verkünden sei dies häufig sogar der viel wichtigere Ort. "Da liegt doch die besondere Chance im Wirken eines ständigen Diakons", sagt er. "Im Übersetzen des Evangeliums in das echte Leben." Er kenne die täglichen Sorgen und Ängste eines Familienvaters. Etwa um den Erfolg am Arbeitsplatz, um die Zukunft seiner zwei erwachsenen Söhne, um Stress und Hektik im Alltag. "Wenn ich vom Glauben erzähle, wissen die anderen, dass ich viele ihrer Probleme selbst erlebe."

Spürbare Sehnsucht

Dabei wolle er nicht offensiv missionieren, keinen Menschen zum Glaubenseifer verpflichten. "Ich kann den anderen Menschen auch gut mit seinem Nicht-Glauben leben lassen." Aber er registriere schon, dass er im Arbeitsalltag immer häufiger auch als Diakon angefragt werde, nicht nur zu den "klassischen Berührungspunkten Taufe, Hochzeit, Beerdigung". Die Anfragen seien manchmal oberflächlich, nicht selten unsicher, häufig aber von einer deutlichen Sehnsucht nach tieferen Antworten geprägt. Und dann werde er gern deutlich.

Natürlich "kitzele" er allein schon durch sein doppeltes Wirken als Vorgesetzter und Diakon solche Fragen hervor, sagt der 49-Jährige. Womit er gern spielt. Unter seine geschäftliche E-Mails etwa schreibt er den Gruß "Pax et Bonum" und erhält manche Rückfrage, was das wohl heiße. Viel wichtiger sei ihm aber, im Miteinander in der Arbeitswelt "reale Zeichen" zu setzen. "Es geht darum, die Liebe Gottes im eigenen Handeln rüberzubringen." Was nicht heiße, dass er nicht auch mal laut werden könne, wenn es im Betrieb nicht richtig laufe. "Aber fair, gerecht und mit einer neuen Chance muss es dabei zugehen."

Was eine Gratwanderung bleibe, das weiß er. Hier die Anforderungen eines modernen Unternehmens, dort der wichtige Wunsch, dem Gegenüber auch in seinen Schwächen "viel von Gottes Liebe und Gerechtigkeit" erfahren zu lassen. Einen "schwierigen Transfer" nennt Kotara das: "Denn, machen wir uns doch nichts vor, für die meisten Menschen, denen ich begegne, ist der Glaube an Gott gar nicht mehr vorhanden." Nicht einmal die Hälfte seiner Mitarbeiter seien Christen, vielleicht einer gehe noch am Sonntag in die Kirche. Trotzdem gelinge es, sie spüren zu lassen, was Glaube für die Menschen in Bewegung setzen könne. "Und zwar wenn Vertrauen und Gerechtigkeit im alltäglichen Handeln vorhanden sind."

Doppelte Belastung

Kotara gesteht, dass die doppelte Anforderung ihn auch doppelt belaste – emotional wie zeitlich. "Ich bin Diakon geworden, um zu zeigen, dass auch ein normaler Arbeiter in der Kirche einiges bewegen kann." Dass dies so viel an Energie einfordere, habe er sich aber nicht vorgestellt. Vor der Weihe habe man ihm gesagt, dass er darauf achten sollte, sich nicht zu übernehmen. "Aber wie soll ich Gottes Wort verkünden, wenn ich nicht brenne und mich ganz darauf einlasse." Einen gedrosselten Einsatz könne er sich deshalb nicht vorstellen.

Und so bleibe zwischen Heimfahrt von der Arbeit und Abendvesper in der Gemeinde oft kaum Zeit für das Abendbrot. Die Familie leide meist als erste unter der Doppelbelastung. "Zum Glück ist meine Frau vor sieben Jahren 'mitgeweiht' worden", sagt er augenzwinkernd. Sie sei auch in der Ausbildungszeit immer mit dabei gewesen. Wenn heute jemand anrufe und er selbst nicht daheim sei, spreche sie mit den Menschen. "Ohne die Unterstützung deiner Ehefrau brauchst zu als ständiger Diakon gar nicht erst loslaufen – das hätte keinen Sinn."

Im Gesprächen mit ihr hole er sich oft den Zuspruch und die Aufmunterung, die er für seinen Einsatz brauche, sagt Kotara. Wichtig sei ihm zudem die Rückmeldung von anderen Menschen. "Natürlich lebe ich auch von Lob und Dank." In seiner Gemeinde gebe es viele solcher Momente, die ihn ermutigten. "Kleine Dinge, die dich spüren lassen, dass das was du tust, o.k. ist." Eine Bestätigung erlebe er dabei als besonders stärkend: "Wenn ich von meinen Arbeitskollegen nicht nur als Vorgesetzter sondern auch als Mann der Kirche wahrgenommen werde." Ein deutliches Zeichen, dass seine direkte Art wichtige Gedanken anstoßen könne.

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Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte
02.04.2007

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