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10.02.2012
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Ina Jahndel
Ina Jahndel möchte in der Internetseelsorge, ihren Glauben und ihr Leben mit anderen teilen.

Internetseelsorgerin Ina Jahndel

Katholisch zu sein ist Heimat

Münster. "In unserer Schulklasse waren wir nur zwei Katholiken, mein Zwillingsbruder und ich", erinnert sich Ina Jahndel. Die 41-jährige Diplomtheologin ist in einem Dorf in der Nähe von Hannover aufgewachsen. Katholisch zu sein, habe sie deshalb immer als Heimat empfunden. "In der Schule hatten wir keinen Religionsunterricht. Den hatten wir in unserer Freizeit." Mit neun Jahren wurde sie Mitglied in einer Kindergruppe der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) und war später die jüngste Diözesanleiterin.

"Mit 16 wusste ich schon, dass ich Theologie studieren möchte", sagt Jahndel. Und das tat sie dann auch. Zum Studieren verließ sie ihre Heimat und ging nach Münster. Neben ihrem "Traumfach Theologie" studierte sie im Zweitfach Jura. "Erst war ich noch unentschlossen, was ich später genau machen möchte." Dann habe sie sich aber klar für Theologie entschieden und ihr Jurastudium abgebrochen.

Sie wurde Delegierte beim Diözesanforum, und nach dem Abschluss ihres Studiums übernahm sie ehrenamtlich die Jugendarbeit in der St.-Laurentius-Gemeinde in Warendorf. 1997 wurde Jahndel Geistliche Leiterin der KJG. Diese Aufgabe übernahm sie sieben Jahre lang hauptberuflich. Neben den üblichen Vorstandsarbeiten war sie schon damals bei der KJG in der Jugendseelsorge tätig. Im Moment ist die Diplomtheologin arbeitslos.

Glauben und Leben mit anderen teilen

Von der Internetseelsorge habe sie das erste Mal 1999 gehört. "Ich konnte mir sehr gut vorstellen, dass das Erfolg hat. Schließlich habe ich durch den Kontakt mit Jugendlichen selber sehr intensiv mit dem Internet gearbeitet." Deshalb zögerte sie auch nicht, als sie einige Zeit später gefragt wurde, ob sie in der Internetseelsorge arbeiten möchte. "Damals wurden dringend Frauen gesucht, da die Internetseelsorge größtenteils von Männern gemacht wird," so Jahndel.

Seitdem arbeitet sie im "Haus der Seelsorge" auf "kirchensite.de". Dazu gehört sowohl der wöchentliche Chat (Mittwoch ab 21 Uhr), den sich die neun Seelsorger teilen, als auch die Beratung über E-Mail. "Die Beratung per E-Mail liegt mir sehr. Beim Chat muss man schnell reagieren und auf viele Personen gemeinsam eingehen. Das ist schwieriger", sagt Jahndel. Sie selbst mache die Internetseelsorge, um ihren Glauben und ihr Leben mit anderen zu teilen. Zudem möchte sie die Höhen und Tiefen im Leben andere Personen erfahren.

"Internetseelsorge wird zunehmen"

Die Bedeutung der Internetseelsorge stuft sie sehr hoch ein: "Das wird in Zukunft extrem zunehmen. Ich sehe ja in meinem Umfeld, wie viele Leute viele Stunden im Internet verbringen." Mit dem Internet könne man ganz andere Menschen erreichen. Skeptikern sage sie immer: "Die Leute, die den Schritt wagen, mir eine E-Mail zu schreiben, das sind nicht die Leute, die am Pfarrheim klingeln, um sich Hilfe zu holen."

Der Schritt zum Telefon oder zum persönlichen Gespräch sei viel größer als der anonyme übers Internet. "Bei vielen Problemen hilft es, sich das Ganze von der Seele zu schreiben. Schon dadurch werden die Probleme oft kleiner." Doch natürlich müsse man auch die Grenzen des Internets berücksichtigen. "Bei schwerwiegenden Problemen ist es wichtig, dass es nicht bei der Seelsorge über das Internet bleibt. Doch oft ist es nicht einfach, Leute davon zu überzeugen, den nächsten Schritt zu gehen." Man könne nur Telefonnummern und Adressen weitergeben, doch ob sich die Betroffenen wirklich an die jeweiligen Stellen richten, wisse man nicht. Diese Ungewissheit sei ein Problem.

Nicht nur Jugendliche schreiben E-Mails

Doch alles in allem sei das Internet für viele ein wichtiger Ort, und gerade deshalb müsse es auch dort ein Seelsorgeangebot geben. Überrascht war die 41-jährige vor allem darüber, dass nicht nur Jugendliche zu ihrem Klientel gehören. "Da habe ich mich wirklich total vertan. Ich habe natürlich keine genauen Altersangaben, aber anhand der Lebensgeschichte kann ich das Alter schon ungefähr schätzen." Demnach bekomme sie E-Mails von ungefähr 14- bis 70-Jährigen. Die Arbeit als Internetseelsorgerin macht der Diplomtheologin sehr viel Spaß. "In der Internetseelsorge sehe ich eine große Zukunft und Chance."

In ihrer Freizeit hört Ina Jahndel, die 1993 in Rom geheiratet hat, gern klassische Musik. Außerdem hat sie eine große Krimi-Sammlung. "Meine Lieblingskrimis sind von Martha Grimes. Alle die, die sich um Inspektor Jury drehen", verrät sie. Wenn sie in Ruhe nachdenken möchte, geht sie am liebsten spazieren. Ihr Leitmotto aus der Bibel: "Ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt."

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Text: Anika Hoepken | Foto: Michael Bönte
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