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25.05.2012
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Wandlung
Der Priester spricht die Wandlungsworte über Brot und Wein.

Die Substanz des Brotes und des Weines wird verwandelt

Wandlung

Im Zentrum der Heiligen Messe steht, eingebettet in das eucharistische Hochgebet, die Wandlung: Brot und Wein werden in Leib und Blut Christi, also in die Zeichen der wirklichen Gegenwart des ganzen und ungeteilten Christus, verwandelt. Die Theologen haben sich schon seit der Frühzeit der Kirche Gedanken darüber gemacht, wie diese Verwandlung zu erklären sei; seit Thomas von Aquin hat sich in der Kirche das Wort "Transsubstantiation" durchgesetzt, ein schwieriger Begriff.

Er bedeutet etwa: Die Substanz des Brotes (und entsprechend des Weines) wird verwandelt. Das Problem haben die Schweizer Bischöfe in einem Pastoralschreiben vor über zehn Jahren auf den Punkt gebracht: Substanz bedeutet bei Thomas und in seiner Zeit das, was "dem geistigen Erkennen als das eigentlich Wesentliche erscheint, also gerade das, was nicht sicht- und greifbar ist. Unser Sprachgebrauch hat sich unterdessen geradezu ins Gegenteil gewandelt. Heute verstehen wir unter Substanz eine vorhandene Masse, an der Physik und Chemie ihre Untersuchungen anstellen können."

Also: Früher verstand man unter "Substanz" das, was das Wesen ausmacht: Brot ist z.B. "dem Wesen nach" dazu da, den Körper zu sättigen und dadurch zu kräftigen. Das Aussehen, der Geruch, die Form, der Geschmack des Brotes waren Nebensache. Das Wesen des Brotes wurde verwandelt: Es wurde Jesu Gegenwart selbst. Die "Nebensächlichkeiten" blieben unverwandelt.

Heute, in der Sprache der Naturwissenschaft, ist es genau umgekehrt: "Substanz" als chemisch-physikalischer Begriff bedeutet gerade nicht das Wesen, sondern das Messbare, Sichtbare usw. Diese Art von "Substanz" wird aber gerade nicht verwandelt; es bleibt ja das Brot in seiner Form, Gestalt und Geschmack, Gewicht, Zusammensetzung so wie vorher. Verwandelt wird das Wesentliche, das aber unsichtbar ist. Deshalb Joseph Ratzinger: "Die eucharistische Verwandlung bezieht sich per definitionem nicht auf das, was erscheint, sondern auf das, was nie erscheinen kann."

Versuchen wir es etwas einfacher zu sagen: Verwandelt wird vom Brot das Wesentliche, aber Unsichtbare (also das, was man früher als Substanz bezeichnete!). Unverwandelt bleibt dagegen das Sichtbare, aber eigentlich Unwichtige (also das, was man heute als Substanz bezeichnet!): aus dem Wesen des Brotes, menschlicher Nahrungsmittel zu sein, wird durch die Verwandlung eine neue Wesentlichkeit: Jesu Gegenwart unter den Menschen zu verwirklichen. Oder: Das, worauf es ankommt (das "Eigentliche", das "Unsichtbare"), wird verwandelt; das worauf es nicht ankommt (das "Sichtbare") bleibt. Deswegen ist das Wort von der "Substanz-Verwandlung" heute leicht missverständlich.

Deshalb sagen die Schweizer Bischöfe, dass die alten Begriffe "in der Verkündigung und in der Katechese immer übersetzt werden müssen". Genau dies versuchen wir, indem wir alte Begriffe "für heute" erklären.

Medientipp:

Ulrich Zurkuhlen
Glaube im Wandel; 60 Schlüsselbegriffe erklärt
Kevelaer, Butzon und Bercker; Münster, Dialogverlag 1999
ISBN 3-933144-20-5
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Text: Öffnet internen Link im aktuellen FensterUrlich Zurkuhlen in "Glaube im Wandel" | Foto: Michael Bönte
Februar 2009

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