
- Jesus hat Petrus dazu beauftragt, die Brüder im Glauben zu stärken, und damit dem Petrusamt einen besonderen Auftrag gegeben.
Der Papst ist der "Mund" der Kirche
Unfehlbar
Die Frage, ob der Papst unfehlbar sei, hat seit über 100 Jahren die Gemüter erhitzt und manchen Christen ernste Glaubensschwierigkeiten bereitet. Kann das denn sein, dass ein Mensch unfehlbar ist? Wird dem Papst nicht eine übermenschliche Fähigkeit aufgebürdet? Als Papst Johannes Paul II. vor einigen Jahren seine polnische Heimat besuchte und sich wohl mit dem Wetter verkalkuliert hatte, so dass er bei brüllender Hitze nur mit Winterkleidung ausgestattet war, sagte er scherzend: "Ich bin schließlich nicht unfehlbar!" Ist er nun unfehlbar, oder ist er es nicht?
Das Erste Vatikanische Konzil 1870 hat die "Infallibilität" des Papstes verkündet – die Übersetzung "Irrtumslosigkeit" ist besser als "Unfehlbarkeit" –, und zwar nach langer heftiger Debatte, bei der sich vor allem eine Anzahl deutscher Bischöfe gegen diese Dogmatisierung ausgesprochen hat, allerdings weniger aus theologischen als aus praktischen Erwägungen: Ist es nicht möglicherweise für die Kirche kontraproduktiv, in einer so schwierigen und bewegten Zeit eine solche verbindliche Glaubensaussage, die den Papst betrifft, zu machen?
Sie hatten recht; denn besonders im deutschen Kulturkampf war das Dogma von der "Unfehlbarkeit des Papstes" eher eine Belastung. In der Folgezeit hat sich dann eine Gruppe von der Kirche abgespalten, die das Dogma nicht akzeptieren konnte, und sich dann als "altkatholische Kirche" bezeichnet. Aber was ist da eigentlich formuliert und verkündet worden? Wenn der Papst feierlich – "ex cathedra", also auch in einem liturgischen Feier-Akt – eine Glaubens- und Sittenlehre als allgemein verbindliche Lehre erklärt, dann ist er irrtumsfrei. Das war am 18. Juli 1870. Dieser Fall ist seitdem ein einziges Mal eingetreten, als im Jahre 1950, also achtzig Jahre später, Papst Pius XII. die Lehre von der leiblichen Aufnahme Mariens als Glaubenslehre feierlich verkündete.
Aber gerade dieses Beispiel zeigt, was das konkret bedeutet: Erstens wurde diese Glaubenswahrheit von der Aufnahme Mariens schon seit über 1500 Jahren in der Kirche geglaubt und in einem eigenen Fest gefeiert. Und zweitens hatte der Papst alle Bischöfe der Weltkirche befragt und überwältigende Zustimmung zu der beabsichtigten Dogmatisierung der leiblichen Aufnahme Mariens bekommen, also geradezu ein demokratisches Verfahren.
Jesus hat der Kirche den Beistand des Heiligen Geistes versprochen; und wo der Geist Gottes ist, da ist Wahrheit. Diese Wahrheit ist in vielfältiger Weise in der Kirche vorhanden, z.B. in den Entscheidungen eines Konzils, bzw. der Gesamtheit der Bischöfe in Gemeinschaft mit dem Papst, dem Bischof von Rom; natürlich auch im Glauben der Gesamtkirche. Und hat nicht Jesus gerade den Petrus dazu beauftragt, die Brüder im Glauben zu stärken, und damit dem Petrusamt einen besonderen Auftrag gegeben? Der Papst ist der "Mund" der Kirche, der den Glauben nicht an der Kirche vorbei, sondern in der Mitte der Kirche verkündet, nicht der Papst als Individuum, sondern als Träger eines Amtes. Das Zweite Vaticanum hat die Aussage des Ersten Vaticanums in einen größeren kirchlichen Zusammenhang gestellt, wie wir vorher deutlich zu machen versucht haben.
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Medientipp:
Ulrich Zurkuhlen
Glaube im Wandel; 60 Schlüsselbegriffe erklärt
Kevelaer, Butzon und Bercker; Münster, Dialogverlag 1999
ISBN 3-933144-20-5
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Text:
Urlich Zurkuhlen in "Glaube im Wandel" | Foto: Michael Bönte
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