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10.02.2012
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Paradies
Die Schlange im Paradies verführte Eva zur Sünde.

"Sich-Absondern"

Sünde

Bei der Feier der Eucharistie, kurz vor der Kommunion, betet die Gemeinde "Agnus Dei, qui tollis peccata mundi...", das wurde früher wörtlich übersetzt: "Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt..." Im Messbuch der Liturgiereform steht die veränderte und von den Gemeinden auch so gebetete Übersetzung: "Du nimmst hinweg die Sünde der Welt." Das ist eine erstaunliche Änderung: Die lateinische Mehrzahl "peccata" wird jetzt durch die deutsche Einzahl "Sünde" übersetzt. Werden damit nun die vielen Sünden, die der reuige Sünder im Bußsakrament möglichst lückenlos aufzuzählen hatte (hat?), auf eine einzige reduziert?

"Sündigen" hat sprachlich eine enge Verwandtschaft mit dem Wort "absondern", das bedeutet auch: sich trennen, sich lossagen. Also bedeutet dann die Sünde, dass ein Mensch sich von Gott als dem Grund und dem Ziel seines Lebens "absondert". Der Mensch sondert sich auch von den guten Plänen ab, die Gott mit der Menschheit und mit der Welt hat. Im schlimmsten Fall trennt sich der Mensch sogar von Gott. Sündigen ist dann zunächst nicht das, was der Mensch an einzelnen mehr oder weniger schwerwiegenden bösen Taten tut, sondern es ist eine Grundentscheidung, die der Mensch im Inneren vollzieht. Sündigen ist ein Bewusstsein, das solange andauert, wie der Mensch nicht den Rückweg zu einer guten Grundentscheidung findet.

Man kann das mit den zwischenmenschlichen Beziehungen vergleichen: Nicht erst "der große Knall" trennt zerstrittene Partner, sondern schon die innerliche Grundentscheidung, sich vom Partner absondern zu wollen. Jesus hat recht, wenn er sagt, dass solche bösen Grundentscheidungen nicht von außen an den Menschen herangetragen werden, sondern im eigenen Inneren entstehen. Deshalb gilt auch nicht, sich "zu entschuldigen" – das Wort ist ja schon entlarvend – damit, dass man unter schlechtem Einfluss stehe und außerdem ungünstige Erbanlagen habe; der Mensch ist für sich selbst verantwortlich, weil er in seinem Innersten, in seinem "Herzen", diese grundsätzliche Entscheidung trifft.

Dabei soll nicht bestritten werden, dass jeder Mensch im Zusammenhang einer sündigen Welt lebt; und weil jeder Mensch Teil einer gebrochenen Welt ist, ist jeder auch ein Sünder. Und weil jeder Mensch auch in der Schöpfungs- und Heilsordnung Gottes lebt, ist er auch ein Erlöster: "simul iustus et peccator", zugleich sündig und gerecht.

Natürlich wirkt sich die Grundentscheidung des Sich-Absonderns in kleinen oder großen bösen Taten aus, wobei schlimmer noch als die bösen Taten das Unterlassen des Guten ist: Was könnte der Mensch alles zur Heilung einer kranken Welt tun, wenn er es nur täte?

Der "Katholische Erwachsenen-Katechismus" weist darauf hin, dass wir allerdings kein Recht haben, vorschnell über andere zu urteilen oder sie zu verurteilen: "Letztlich sieht nur Gott ins Herz des Menschen. Er aber will nicht verurteilen, sondern vergeben. Erst im Wissen um die Vergebung ist das Eingeständnis der Sünde möglich."

Das ist ein gutes Wort: Weil nur Gott ins Herz des Menschen sieht, wo die Sünde des Sich-Absonderns geschieht, entzieht sich das Sünder-Sein anderer unserer Kenntnis. Wir können zwar die sündigen Taten eines Menschen zur Kenntnis nehmen, aber seine Sünde, also sein "Sich-Absondern", können wir nicht durchschauen.

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Medientipp:

Ulrich Zurkuhlen
Glaube im Wandel; 60 Schlüsselbegriffe erklärt
Kevelaer, Butzon und Bercker; Münster, Dialogverlag 1999
ISBN 3-933144-20-5
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Text: Öffnet internen Link im aktuellen FensterUrlich Zurkuhlen in "Glaube im Wandel" | Foto: Michael Bönte
Februar 2009

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