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23.01.2017
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Kreuz
Jesus hat mit seinem Tod am Kreuz die Verantwortung für fremde Schuld auf sich genommen.

Ausgleich zwischen getanem und erlittenen Leid

Sühne

Sühne – Strafe – Rache – Vergeltung – Wiedergutmachung. . . Viele Worte unserer Sprache liegen inhaltlich eng beieinander und sind nicht immer scharf voneinander abzugrenzen. Da aber der Begriff "Sühne" im Zusammenhang mit dem Leben und Sterben Jesu eine besondere Bedeutung für uns Christen hat, wollen wir wenigstens versuchen, die Begriffe zu entschlüsseln.

Die Menschen früher hatten die Vorstellung, dass in der Harmonie des menschlichen Lebens – auch im Leben der Menschheit insgesamt – so etwas wie ein ständiger Ausgleich sein muss: Die Waage der Wirklichkeit muss im Gleichgewicht sein. Wo einer dem anderen ein Leid, einen Schmerz zufügt, muss das Leid des Opfers durch das Leid des Täters ausgeglichen werden; das wurde besonders deutlich bei der Todesstrafe. Natürlich wird der Gedanke eines solchen Ausgleichs besonders bitter, wenn ein Leidender fragte: Warum muss ich leiden, wenn ich doch niemandem ein ähnliches Leid zugefügt habe?

Dann kann – so ist der weitere Gedanke – das Leid vergeistigt, also umfunktioniert werden zur Sühne: Das Leid, das ich – ungerechterweise! – ertragen muss, kann ich einbringen zum Ausgleich der Waage, die zwischen getanem und erlittenem Leid das Gleichgewicht zu halten hat. Dann ist es auch verständlich, dass die Menschen früher meinten, das unschuldige Leiden Jesu sei, stellvertretend für eine keineswegs unschuldige Menschheit, der einzige angemessene Ausgleich für das Leid, das die Menschen Gott antun durch Sünde und Schuld. Vielleicht finden wir einen neuen Zugang zum Sühnegedanken von zwei Seiten her:

1. Die Aktion "Sühnezeichen" der evangelischen Kirche, in der sich vor allem junge Menschen in Israel engagieren, bedeutet, dass Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen für eine schreckliche Vergangenheit, in der sie selbst nicht in Schuld verstrickt waren.

Sühne bedeutet dann, dass Menschen Verantwortung auf sich nehmen für fremde Schuld. Der Gedanke der Verantwortung ist nämlich im heutigen Sühne-Verständnis ganz wichtig: Jemand übernimmt Verantwortung für fremde Schuld und zwar eine aktive, handfeste, tätige Verantwortung. Sühnen heißt dann: Sich nicht vor der Verantwortung drücken! Verantwortung nicht abschieben oder verdrängen, sondern in die Tat umsetzten! Da sind wir natürlich ganz dicht bei einer sinnvollen, heutigen Deutung des Sühnetodes Jesu.

2. Sühne hat mit Versöhnung zu tun, nicht nur sprachlich. Auch da hilft uns die Aktion "Sühnezeichen" zum Verständnis weiter. Die Sühne ist das Gegenteil von Rache; sie ist der Wiedergutmachung in etwa verwandt, aber sie ist vor allem eine versöhnende Tat. Deshalb kann man sie auch nicht nach Art der Waage, wie zu Anfang beschrieben, zum Ausgleich bringen. Man kann nie sagen: Jetzt ist genug gesühnt! Weil man nie sagen kann, welches Maß an Versöhnung nötig ist und wann genug Versöhnung geschehen ist.

Deshalb ist auch Jesu Sühnetod nicht messbar; er kann nicht auf die Waage gelegt werden. Aber er ist ein Zeichen der großen Versöhnung zwischen Gott und Menschheit, einer Versöhnung, die nie aufhört. Jesus übernimmt in seinem Sterben die Verantwortung für die Geschichte der Menschheit und macht versöhnend aus einer Unheilsgeschichte eine Heilsgeschichte. Jesu Tod ist unendliche, nie endende Versöhnung zwischen Gott und uns. Übrigens tut die Kirche von heute gut daran, in die sühnende Verantwortung für das einzutreten, was einmal im Lauf der Geschichte im Namen der Kirche passiert ist.

Da sind wir Heutigen gefordert; denn wir sind ja die Kirche. Indem wir Heutigen Verantwortung für Vergangenes übernehmen, treten wir in die sühnende Versöhnung ein.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterGlaubens-ABC: Schuld
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterGlaubens-ABC: Sünde

Medientipp:

Ulrich Zurkuhlen
Glaube im Wandel; 60 Schlüsselbegriffe erklärt
Kevelaer, Butzon und Bercker; Münster, Dialogverlag 1999
ISBN 3-933144-20-5
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Text: Öffnet internen Link im aktuellen FensterUrlich Zurkuhlen in "Glaube im Wandel" | Foto: Michael Bönte
Februar 2009

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