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19.12.2014
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Zweites Vatikanisches Konzil
In der Theologie des Zweiten Vatikanischen Konzils ist ein uralter Gedanke wieder neu ins Bewusstsein gekommen: Die Kirche, das ist zunächst die "Ortskirche".

Buntheit und Vielfalt

Kirche

Wenn "die Kirche" ins Gespräch kommt, meinen viele Leute, die universale, weltweite Institution, die von Rom aus gelenkt und verwaltet wird, aber zu den Menschen oft in einer gewissen Distanz steht. "Die Kirche", das ist dann auch für viele, vor allem kirchendistanzierte Menschen, die anonyme Macht, deren Wirken in der Geschichte manchen Missverständnissen ausgesetzt ist; auf der man seinen Frust abladen kann. Mancher spricht vom "Versagen der Kirche", von der "Schuld der Kirche" und denkt dabei an das große Ganze oder sogar nur an die kirchlichen Amtsträger. Besser sollte man daran denken, dass ein Christ, der von "der Kirche" spricht, immer auch von sich selber spricht: "Die Kirche", das ist die Summe aller Mitglieder, wir alle sind Kirche.

In der Theologie des Zweiten Vatikanischen Konzils ist ein uralter Gedanke wieder neu ins Bewusstsein gekommen: Die Kirche, das ist zunächst die "Ortskirche", in der sich christliches Leben mit seinen Höhen und Tiefen, mit Glauben und Zweifeln, mit Weltnähe und Weltdistanz abspielt.

Die Ortskirche steht unter der Leitung des Bischofs in der Nachfolge der Apostel, zusammen mit seinen Mitbischöfen, steht er für die von den Aposteln damals bis zu uns heute überlieferte Botschaft. Die Ortskirche ist für den einzelnen Christen die konkret erlebbare Gestalt von Kirche.

Und die ist wiederum zusammengesetzt aus vielen "Pfarrgemeinden", deren eigentlicher Leiter eben der Bischof ist, der aber sein Leitungsamt natürlich an seine Mitarbeiter im Priesteramt delegiert, anders geht es ja auch nicht. Die "Kirche von Münster" ist also nicht ein Verwaltungsbezirk der Kirche von Rom, sondern "Kirche vor Ort" "Kirche konkret".

Die Ortskirche enthält die wichtigsten Merkmale von "Kirche-Sein". Sie ist eins, weil sie in der Einheit des Glaubens und in der Einheit der Sakramente und des Amtes lebt; diese Einheit verpflichtet sie zur äußeren und inneren Einigkeit. Sie ist heilig, weil sie sich nicht an den Regeln dieser Welt, sondern an den Weisungen des menschenfreundlichen Gottes orientiert. Sie ist apostolisch, weil sie in der Person des Bischofs in der ungebrochenen Überlieferung seit der Zeit der Apostel steht. Sie ist katholisch, weil sie nicht nur auf sich selbst und ihr kleines Innenleben fixiert ist, sondern weil sie vernetzt ist mit allen Ortskirchen der Welt, also ein Stück Weltkirche, die unter der Leitung des Papstes als des Garanten der Einheit steht; "katholisch" heißt ja "über den ganzen Erdkreis" und ist nicht konfessionell zu verstehen.

Deshalb ist sie nicht wie ein unbeweglicher Felsen, sondern wie ein aus vielen bunten Steinchen zusammengesetzter Mosaik, das uns das Bild Jesu Christi zeigt. Die Buntheit und Vielfalt, die "Pluralität" der "Kirche der vielen Ortskirchen" ist Ausdruck ihres Wesens selbst.

Und wer die Kirche täglich unmittelbar erfahren will, kann es in der Ortskirche, sogar in der Pfarrgemeinde tun, da lebt sie konkret.

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Medientipp:

Ulrich Zurkuhlen
Glaube im Wandel; 60 Schlüsselbegriffe erklärt
Kevelaer, Butzon und Bercker; Münster, Dialogverlag 1999
ISBN 3-933144-20-5
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Text: Öffnet internen Link im aktuellen FensterUrlich Zurkuhlen in "Glaube im Wandel" | Foto: Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH
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