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10.02.2012
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Himmelfahrt
Viele Menschen tun sich heute schwer mit den alten Bildern, auf denen Jesus wie ein Weltraumfahrer von der Erde abhebt und in den Himmel entweicht.

Wo ist Gott?

Himmel

"Wo ist Jesus denn eigentlich hingefahren?" Diese Kinderfrage ist manchem von uns schon mal begegnet, und wir haben vielleicht ein wenig verlegen reagiert: Ja, wohin denn eigentlich? Das Weltbild unserer Vorfahren, das die klare Trennung zwischen "oben" und "unten" zwischen "Himmel" und "Erde" noch kannte, war eindeutig: Jesus ist nach oben in den Himmel entschwebt. Aber "oben", das ist für die Menschen auf der südlichen Erdhalbkugel genau die entgegen gesetzte Richtung wie für uns. Deshalb tun viele Menschen sich heute schwer mit den alten Bildern, auf denen Jesus wie ein Weltraumfahrer von der Erde abhebt und in den Himmel entweicht. In welchen Himmel?

Die Engländer haben für den Himmel zwei ganz verschiedene Begriffe: "heaven" und "sky". "Sky", das ist die manchmal blaue, klare, manchmal die wolkenverhangene, graue Luftschicht über uns. Wir können diesen Himmel sehen und mit dem Fernglas beobachten; und Astronauten, die in den "sky" fliegen, können von der Bodenstation aus jederzeit beobachtet und über Funk verständigt werden. Aber "heaven", das ist der Himmel als die Wirklichkeit Gottes, von dem man nicht sagen kann, er sei über uns oder fern von uns oder mit dem Fernglas zu beobachten, sondern er ist überall da, wo Gott ist.

Wenn wir also sagen: Jesus sei in den "Himmel" zurückgekehrt, dann meinen wir natürlich nicht "sky", wie es dem alten Weltbild und vielen mittelalterlichen Bildern entsprechen würde, sondern "heaven", also in die lebendige Wirklichkeit Gottes hinein, die Bibel nennt dies "Sitzen zur Rechten Gottes". Wenn Jesus zum "sky" zurückgekehrt wäre, wäre er wohl endgültig weg von uns. Weil er aber in den "heaven" zurückgekehrt ist, nämlich zu Gott, ist er uns ganz nahe, weil ja Gott uns ganz nahe ist, so nahe, dass Paulus sogar auf dem Areopag sagen kann "In Gott leben wir, bewegen wir uns und sind wir!" (Apg 17, 28). Denn wir Christen glauben ja, dass Gott nicht irgendwo hinter den Sternen wohnt, fern von uns und unerreichbar für uns, sondern, dass er überall dort ist, wo Menschen beten und leben, sich versöhnen und Frieden stiften, sein Wort hören und Gemeinde im Glauben werden, wo sie sich der Armen annehmen und die Hungernden speisen, wo sie Gott in ihrem eigenen Leben als gegenwärtig erfahren.

In einer alten Legende lautet auf die Frage: "Wo ist Gott?" die unerwartete Antwort: "Gott ist überall da, wo man ihn einlädt!" Deshalb geht der Auftrag Jesu an die Menschen, hier "unten" seine Gegenwart zu erfahren und in seinem Sinn zu handeln.

Wir können es noch einmal etwas anders sagen: Der Himmel, den wir über uns sehen, ist offen für die Forschung der Astronomen und Astronauten. Der Himmel in uns und mitten unter uns hat sich den Glaubenden und den Liebenden, den Betenden und den Hoffenden geöffnet. Und wenn wir hoffen, einmal "in den Himmel" zu kommen, dann sicher nicht in den "sky" der Weltraumfahrer, sondern in den "heaven" Gottes, also dorthin, wo Jesus bereits als erster ist, bei Gott!

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Ulrich Zurkuhlen
Glaube im Wandel; 60 Schlüsselbegriffe erklärt
Kevelaer, Butzon und Bercker; Münster, Dialogverlag 1999
ISBN 3-933144-20-5
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Text: Öffnet internen Link im aktuellen FensterUrlich Zurkuhlen in "Glaube im Wandel" | Foto: Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH
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