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23.01.2017
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Heilige Monika
Darstellung der heiligen Monika.

Vorbilder für die Lebenden

Heilig

"Du allein bist der Heilige", so beten wir im Gloria der Messe und meinen damit Gott. Nur Gott ist heilig. Wenn wir von Menschen sagen, dass sie Heilige sind, ist diese Heiligkeit nicht etwas, was ihnen persönlich zukommt oder was sie persönlich erworben haben, sondern es ist immer Teilhabe an der Heiligkeit Gottes.

Eine andere Art von Heiligkeit gibt es nicht. Allerdings ist der Begriff "heilig" im Laufe der Kirchengeschichte einigen Veränderungen unterworfen worden, jedenfalls im Glaubensverständnis des Volkes. Zunächst wurden in den ersten Jahrhunderten nur die Märtyrer als Heilige verehrt, indem man zu ihren Gräbern kam und oft dort auch Kirchen bzw. Altäre errichtete. Eine zentrale römische "Heiligsprechung" gab es nicht; Heilige wurden "von unten", also durch das Glaubensbewusstsein des Volkes, als Heilige verehrt. Durch die seit 1000 Jahren praktizierte offizielle Heiligsprechung haben sich natürlich zeitbedingte Kriterien von Heiligkeit entwickelt, die nicht immer ausschließlich an den Worten der Heiligen Schrift, besonders an den acht Selig(=Heilig)preisungen Jesu orientiert sind.

Viele Menschen wurden aufgrund ihrer tiefen christlichen Lebenspraxis heiliggesprochen, in manchen Fällen ist aber der Eindruck nicht ganz von der Hand zu weisen, dass auch politische und kirchenpolitische Überlegungen eine Rolle spielen konnten. Heilige sollen Vorbilder für die Lebenden  sein; insofern ändert sich durch die Heiligsprechung für den Heiligen selbst nichts, sondern für die Kirche, die hier ein neues Leitbild von christlichem Leben am konkreten Beispiel eines Menschen demonstriert.

Heute wird aber auch zu recht darauf hingewiesen, dass im Neuen Testament die Mitglieder einer christlichen Gemeinde als "Heilige" angesprochen werden; Paulus schreibt z.B. an die "Heiligen in Ephesus", an die "heiligen Brüder in Kolossä", an alle "Heiligen in Achaia" usw. Die getauften Christen werden als Heilige angesprochen, was bedeutet, dass der Mensch in der Taufe "geheiligt", also heilig wird. Natürlich ist diese Heiligkeit des irdischen Pilgerweges noch eine zerbrechliche, und sie wird erst mit dem Tod zu einer endgültigen werden. Aber Heiligwerden geschieht durch die Taufe. Insofern ist "Heiligsein" die Verbindung zwischen den "Heiligen hier" und den "Heiligen dort", was auch dadurch zum Ausdruck kommt, dass die "Heiligen hier" die Heiligen in der Vollendung bei Gott um ihre Fürsprache anrufen, mag es sich dabei um die großen Sorgen der Menschheit, etwa die Hoffung auf Frieden und Gerechtigkeit, oder die kleinen Alltags-Katastrophen, wie das Wiederfinden eines verlorenen Gegenstandes, handeln. Gerade in der Heiligenverehrung wird ja ein wichtiges Stück übergreifender Verbundenheit zwischen dem "Noch hier" und dem "Schon dort" deutlich.

Allerdings muss bei jeder Form des Bittgebetes das beachtet werden, was Gerhard Lohfink vor über zwanzig Jahren auf der Gemeinsamen Synode der deutschen Bistümer in Würzburg in einer Predigt über die Marienverehrung gesagt hat und was vergleichsweise für jedes Bittgebet gilt: " Für dieses Bittgebet sollte uns dann allerdings nicht das Bild eines Fürstenhofes vergangener Zeiten vor Augen stehen, wo man ohne Fürsprecher und ohne Beziehungen nicht durchkam, sondern das Bild einer großen Familie, wo alle im Gespräch miteinander sind und alle füreinander eintreten." Denn in unserem Beten geht es letztlich immer um Gott; zu ihm gehen alle Bitten und Wünsche; er ist auch der, in den alle Heiligenverehrung letztlich einmündet. Denn "er allein ist der Heilige".

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Medientipp:

Ulrich Zurkuhlen
Glaube im Wandel; 60 Schlüsselbegriffe erklärt
Kevelaer, Butzon und Bercker; Münster, Dialogverlag 1999
ISBN 3-933144-20-5
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Text: Öffnet internen Link im aktuellen FensterUrlich Zurkuhlen in "Glaube im Wandel" | Foto: Michael Bönte
Februar 2009

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