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10.02.2012
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Freiheit
Die Freiheit im Blick.

Grenzen überschreiten

Freiheit

Als vor einigen Jahren die Berliner Mauer fiel und unzählige Menschen aus der früheren DDR die traditionellen Feriengebiete Westeuropas besuchten, meinten manche Zyniker, hier würde wohl "Freiheit" mit "Reisefreiheit" verwechselt. Aber das ist falsch; denn erstens ist es ja tatsächlich ein starker Ausdruck von Freiheit, die Sehnsucht nach Ferne verwirklichen und dabei die eigenen engen Grenzen überschreiten zu können. Und außerdem wurde sehr schnell deutlich, wie begrenzt diese Art von Freiheit ist; denn die "freie Fahrt für freie Bürger" endete häufig im nächsten Stau, spätestens aber an überfüllten Stränden.

Freiheit bedeutet jedenfalls nicht, frei von allen Einschränkungen und Begrenzung zu sein; alles tun zu können, was man möchte; Grenzenlosigkeit auszukosten, das ist nur ein sehr eingeschränkter Begriff von Freiheit.

Freiheit ist vielmehr die einzige menschen- und gottesgemäße Art des menschlichen Wesens: Gott hat den Mensch als einen freien Menschen erschaffen. Natürlich hätte Gott auch eine andere Art Menschen schaffen können: Marionetten, die man willenlos an Fäden bewegt. Gott hätte es mit solchen Marionetten-Menschen wahrscheinlich viel leichter gehabt, aber Gott hatte eben ein anderes Bild vom Menschen, er sollte sein Ebenbild sein: frei und schöpferisch in seiner Zustimmung zu Gott und seiner Welt.

Freiheit ist also die einzig wirklich menschengerechte Art, sich für Gott entscheiden zu können: nicht gezwungenermaßen, sondern aus Einsicht und aus Liebe. Sicher ist diese Freiheit oft eingeschränkt durch viele belastende, angstmachende, zwanghafte Einflüsse, nennen wir sie nun Veranlagung, Beeinflussung, Verführung oder ähnlich.

Die Frage ist berechtigt, ob es denn in dieser Weltzeit die absolute Freiheit schon geben kann, genauso, wie es wahrscheinlich das absolut Gute auch noch nicht gibt. Aber das Größte ist trotz allem, sich nicht gezwungenermaßen, sondern aus sich selbst heraus für Gott zu entscheiden.

Dann bedeutet Freiheit nicht, zwischen Gut und Böse entscheiden zu können, als ob es sich dabei um gleichgewichtige Werte handeln würde. Genau das ist Freiheit nicht, sondern vielmehr: Sich aus eigenen Stücken und ohne jeden Zwang auf die Seite des Guten schlagen!

"Zur Freiheit hat uns Christus befreit", so wird in einem der neuen Lieder gesungen. Das bedeutet: Christus hat uns befreit von den Ängsten und Zwängen eines eingeschränkten Lebens, und er hat uns befreit für die Entscheidung zum Guten. Der Mensch ist frei, weil er durch Christus befreit ist. Der erlöste Mensch ist der freie Mensch.

Medientipp:

Ulrich Zurkuhlen
Glaube im Wandel; 60 Schlüsselbegriffe erklärt
Kevelaer, Butzon und Bercker; Münster, Dialogverlag 1999
ISBN 3-933144-20-5
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Text: Öffnet internen Link im aktuellen FensterUrlich Zurkuhlen in "Glaube im Wandel" | Foto: Michael Bönte
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