
- Es gibt kein einheitliches Engelbild in der Bibel.
Gottes Bote
Engel
Gut, dass die vor Jahren heftig geführte Debatte, ob es denn nun eigentlich Engel gebe, zu Ende ist: Zu eindeutig und vielfältig ist das Zeugnis der Heiligen Schrift über das Wirken der Engel.
Allerdings sind manche Darstellungen von Engeln für den Glauben von Christen nicht gerade hilfreich gewesen: Während in den ältesten christlichen Engel-Darstellungen, z. B. in den römischen Katakomben, Engel sehr menschenähnlich abgebildet wurden, haben die Maler später eine ungute Anleihe bei den Statuen der heidnischen römischen Siegesgöttin Victoria gemacht: junge, hübsche Frauen mit langen Haaren und breiten Flügeln. Auch die kleinen nackten Kinder mit kleinen Flügeln stammen aus den antiken heidnischen Sargdekorationen; die Barockzeit hat solche Modelle gern für ihre Engeldarstellung genommen, die Engelvorstellungen der Christen ist dadurch nicht gerade hilfreich beeinflusst worden.
Die Bibel spricht in einer solchen Vielfalt und Unterschiedlichkeit von Engeln, dass man daraus kaum ein einheitliches "Engelbild" zusammenstellen kann. Deshalb soll, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, auf drei biblische Engelgeschichten hingewiesen werden:
1. Es verwundert ein wenig, dass in alten Texten des Ersten Testamentes zwischen "Gott" und "Engel" offenbar kein Unterschied gemacht wird: In der berühmten Dornbusch-Erzählung (2 Mos 2) heißt es zunächst "Ein Engel des Herrn erschien dem Mose in einer Flamme" und gleich danach "Gott rief aus dem Dornbusch: Mose, Mose!" Auch die Geschichte von den drei Männern bei Abraham zeigt eine ähnliche Vermischung von "Gott" und "Engel"; sollten die Engel in diesen Texten vielleicht als die dem Menschen zugewandte Seite Gottes verstanden werden?
2. In den Evangelien gibt es deutliche Unterschiede in der Rede von Engeln. Während bei Lukas die Engel direkt und unmittelbar dem Menschen begegnen - ein Engel steht dem Zacharias im Tempel gegenüber; bei Maria tritt ein Engel in den Raum; der Engel des Herrn kommt zu den Hirten -, sind die Engelbegegnungen bei Matthäus nächtliche Traumgeschichte: Dreimal erscheint dem Josef ein Engel im Traum: vor der Geburt Jesu; nach der Geburt Jesu, als er den Auftrag erhält, zur Rettung des Kindes nach Ägypten zu fliehen; und später, als ihm die Rückkehr aufgetragen wird.
Übrigens ist, entgegen vielen Abbildungen der Kunstgeschichte, bei der Heimkehr der "Magier" kein Engel im Spiel; da ist es nur der Traum an sich, der ihnen die Botschaft "von den anderen Wegen" mitteilt.
3. Eine der schönsten Engelgeschichten der Bibel ist die Erzählung von Tobias, dem sich Rafael für seine schwere Reise als Begleiter anbietet, "einer von den Brüdern aus deinem Stamm". Erst am Ende offenbart er sich als "Engel Gottes", vielleicht ein Appell an uns, füreinander "Engel Gottes" zu sein; Engel kommt ja vom lateinischen Wort "angelus" = "Bote" und meint "Gottes Bote". Jedenfalls geht die verstorbene Mutter Teresa als "Engel von Kalkutta" und "Engel der Sterbenden" in die Geschichte ein.
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Medientipp:
Ulrich Zurkuhlen
Glaube im Wandel; 60 Schlüsselbegriffe erklärt
Kevelaer, Butzon und Bercker; Münster, Dialogverlag 1999
ISBN 3-933144-20-5
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Text:
Urlich Zurkuhlen in "Glaube im Wandel" | Foto: Michaela Kiepe
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