
- 1950 wurde das Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel verkündet.
Lehre der Kirche
Dogma
Unter einem "Dogma" versteht man, jedenfalls im kirchlichen Sprachgebrauch, einen Glaubenssatz, der ausdrücklich als Lehre der Kirche formuliert und als geoffenbarte göttliche Wahrheit von der Kirche verkündet wird. Das war zuletzt am 1. November 1950 bei der Verkündigung des Dogmas von der leiblichen Aufnahme Mariens so, als ein schon lange geglaubter und seit dem 5. Jahrhundert liturgisch gefeierter Glaubeninhalt feierlich und offiziell "dogmatisiert" wurde; das Beispiel zeigt übrigens, dass solche feierlichen Dogmatisierungen heute sehr selten vorkommen. Dass übrigens Privatoffenbarungen in keiner Weise unter den Begriff einer dogmatisch formulierten und deshalb zu glaubenden kirchlichen Lehre fallen, ist selbstverständlich. An der Berechtigung eines kirchlichen Dogmas als einer formulierten Glaubenswahrheit kann es ernsthaft keinen Zweifel geben.
Alle Glaubensbekenntnisse sind ja formulierte Glaubenswahrheiten, schon im Neuen Testament. Das ist wichtig und nötig, weil man ja sagen können muss, was die kirchliche Gemeinschaft, zu der jemand gehört, als Grundlage ihrer Glaubens-Identität formuliert hat. Das Konzil hat allerdings auch darauf hingewiesen, dass es eine "Dogmen-Entwicklung" gibt: Ein formulierter Glaubenssatz fällt ja nicht einfach vom Himmel, sondern steht am Ende eines langen ernsthaften gläubigen Nachdenkens über das, was Christen als ihren gemeinsamen Glauben aussprechen können. Viel schwieriger ist die Tatsache, dass Worte, Sätze und Formulierungen ihre Bedeutung ändern können; darüber denken wir ja in diesen kurzen theologischen Impulsen ständig nach. Solche Veränderungen gelten natürlich auch für die Formulierungen eines Dogmas.
Das Problem ist mit besonderer Schärfe zutage getreten, als im Umfeld der Synode der deutschen Bistümer in Würzburg vor einigen Jahrzehnten die beiden großen Theologen Kardinal Höffner und Professor Karl Rahner in einem Briefwechsel die Frage nach der formulierten Glaubensaussage von der Gottessohnschaft stellten; andere Theologen wie Hans Küng haben in den Disput eingegriffen. Es ging dabei um die Frage: Genügt es letztlich zu bekennen, dass Jesus Gottes Sohn ist, "wahrer Gott vom wahren Gott" (Höffner), oder muss nicht immer auch erklärt werden, was mit dem vieldeutigen Begriff "Sohn Gottes" gemeint ist (Rahner) angesichts der Tatsache, dass sich die Könige Israels als Gottessöhne bezeichneten, auch das Volk Israel als Ganzes, und dass es in der griechischen Mythologie von Göttersöhnen geradezu wimmelte.
Das Dogma muss gegen viele Missverständnisse geschützt werden, was "Gottessohn" meint, wenn wir bekennen: "Jesus ist Gottessohn". Nicht, dass auch Jesus neben vielen anderen als Gottessohn geglaubt und bekannt wird, ist der Inhalt des Dogmas, sondern dass gerade Jesus in einem unverwechselbaren Sinn, ganz anders als die anderen, zu recht Gottessohn genannt werden muss. Deshalb ist immer neu zu klären, ob der unveränderliche Wortlaut eines Dogmas auch heute noch aussagt, war er vom Glauben her tatsächlich und unmissverständlich meint.
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Medientipp:
Ulrich Zurkuhlen
Glaube im Wandel; 60 Schlüsselbegriffe erklärt
Kevelaer, Butzon und Bercker; Münster, Dialogverlag 1999
ISBN 3-933144-20-5
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Text:
Urlich Zurkuhlen in "Glaube im Wandel" | Foto:
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