
- Anderen von der Freude an Gott erzählen.
Gedanken zum Thema Berufung
Jeder ist berufen - fragt sich nur wozu...
Angenommen, Jesus würde heute durch die Straßen ihrer Stadt, ihres Ortes gehen und zu Ihnen sagen "Komm, folge mir nach!" - wie würden Sie reagieren?
Viele würden sich vermutlich zunächst einmal umschauen, um sich zu vergewissern, ob da nicht eventuell jemand hinter einem steht, der gemeint sein könnte. Sollte dem nicht so sein, dann würden die meisten mit großer Wahrscheinlichkeit sagen: Da muss ein Irrtum vorliegen. Ich will weder Priester werden, noch habe ich die Absicht, in einen Orden zu gehen; folglich kann ich gar nicht gemeint sein. So oder zumindest ähnlich reagieren viele, wenn jemand auf die Idee kommt, ihnen zu sagen, dass sie berufen sind und damit ist das Thema dann für sie beendet.
"Komm, folge mir nach", gilt dieser Ruf wirklich nur Priestern und Ordensleuten?
Jesus ruft in die Lebensgemeinschaft mit sich, damit wir das Leben haben, und es in Fülle haben. Er ist das Leben, und wer sich auf seinen Lebensstil einlässt, der findet "wie er" die wahre Freude. Das ist der eigentliche Kern dessen, was Berufung meint. Dazu sind nicht nur Priester und Ordenschristen berufen wie viele fälschlicher Weise meinen, sondern ein jeder von uns. Auch uns ruft er, bei ihm zu sein, seine Nähe zu erfahren Tag für Tag, durch Menschen, im Gebet oder aber im Gottesdienst.
Darüber hinaus jedoch, ruft Gott auch Menschen in seinen besonderen Dienst. Diesen Ruf scheinen in unserer Zeit nur noch wenige zu hören, bzw. wollen ihn nicht hören. Meines Erachtens hängt diese Tatsache sehr damit zusammen, dass wir als Christen vergessen haben, dass wir alle Berufene sind und damit, dass wir uns nur noch selten fragen, was Gott eigentlich von uns will.
Vor einiger Zeit ist eine Gruppe von 60 Messdienern in Münster gewesen. Nach der Besichtigung des Domes und einer kurzen Begegnung mit unserem Bischof Dr. Reinhard Lettmann, ist die Gruppe ins Collegium Borromaeum gegangen, um sich dort mit einigen Priesteramtskandidaten zu treffen. Im abschließenden Gottesdienst haben zwei Studenten davon erzählt, warum sie Priester werden wollen. Es war beeindruckend ihnen zuzuhören, vor allem weil beide Studenten, bevor sie auf die Idee gekommen sind, ins Borromaeum zu gehen, bereits einen Beruf erlernt hatten. Wieder Zuhause angekommen, hat ein Junge seiner Mutter voll Freude erzählt: "Mama ich will Priester werden."
Junge Menschen erzählen von ihrer Freude an Gott, von ihrer Berufung und ein anderer lässt sich anstecken. Wo geschieht so etwas in ihrer Gemeinde, wo erzählen sie anderen von ihrer Freude an Gott?
Im Evangelium werden Menschen von Gott berufen, Menschen wie du und ich. Sie zeichnen sich nicht aus durch irgendeine besondere Begabung oder durch Vollkommenheit, eher das Gegenteil ist der Fall. Sie alle wissen um ihre Begrenztheit und genau das ist es, was sie für Gott interessant macht. Nicht ihre Fähigkeiten sind es, die dazu führen, dass sie berufen werden, sondern, dass sie in ihrer Schwäche die Größe Gottes erkennen.
Des Weiteren wird deutlich, dass es bei der Berufung nicht in erster Linie um die Erfüllung von Aufgaben geht, sondern um eine Beziehung zu dem, der ruft. Für Priester und Hauptamtlich bedeutet das, dass sie nicht in erster Linie Manager der Gemeinde sind, wie viele fälschlicher Weise fordern, sondern zuallererst Freunde Jesu. Dieser Freundschaft widmen sie ihr Leben und folglich auch einen Großteil ihrer Zeit.
Auch in ihrer Gemeinde gibt es Menschen, die Gott heute ruft ihm zu folgen, sei es in einem kirchlichen Beruf, oder auch nicht. Die Frage ist nur, wer ihnen hilft ihre Berufung zu entdecken und zu bejahen?
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Text:
Christoph Winkeler | Foto: Michael Bönte
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