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23.01.2017
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Apokalypse
Die Texte der Apokalypse zeigen auch Schreckensbilder.

Geheime Offenbarung

Apokalypse

Kaum ein Buch des Neuen Testamentes ist den meisten Christen so unbekannt wie das letzte der biblischen Bücher, die Apokalypse; kaum ein Buch wird bei einer Zeitenwende wie beim Wechsel der Jahrtausende so intensiv gelesen – und missdeutet – wie dieses Buch, das man früher ziemlich ungenau als "Geheime Offenbarung" bezeichnete. Der Verfasser ist ein uns sonst unbekannter Johannes, der wohl in der Kirche Kleinasiens eine Autorität war und dieses Buch um die Wende vom 1. zum 2. Jahrhundert geschrieben hat.

Die Apokalypse ist keine Beschreibung einer düsteren Zukunft; sie ist nicht die prophetische Vorhersage vom Weltende, mit der den Menschen Schrecken eingejagt werden sollte. Sie ist kein Geheimbuch für wenige Eingeweihte, sondern Wort Gottes und Offenbarung der Menschenfreundlichkeit Gottes. Diese Güte Gottes verkündet der Verfasser den bedrängten Christen, die unter den inneren Problemen von Spaltung und Irrlehren und unter äußerer Verfolgung zu leiden haben; in manchen jungen Gemeinden in Kleinasien gibt es schon Märtyrer, also Gemeindemitglieder, die für ihre Glaubensfestigkeit sterben mussten. Natürlich fragen die Christen, wohin das alles führen soll, etwa mit der Macht des heidnischen Kaisers und mit der Gewalttätigkeit auch der jüdischen Mitbürger. Im Mittelpunkt ihres Fragens steht die Gerechtigkeit Gottes: Wann wird sich Gott als der Gütige erweisen?

Darauf gibt der Verfasser Johannes eine ganz ausführliche Antwort. Er tut es nicht in der Weise einer intellektuellen Darlegung, sondern bedient sich der Bilder und Gleichnisse des Alten Testamentes, das den Lesern ja vertraut war.

Und da findet der geschulte Bibelkenner viele apokalyptische Aussagen; das Buch "Daniel" etwa ist weitgehend eine Apokalypse; auch dieser Teil der Bibel war ja als Trostbuch für bedrängte Menschen, im Alten Testament natürlich Menschen des Volkes Israel, bestimmt. Auch im Neuen Testament gibt es kleinere Apokalypsen, z.B. das 25. Kapitel des Matthäus-Evangeliums mit dem anschaulichen Bild des Weltgerichtes, das ja von vielen mittelalterlichen Künstlern in Stein gehauen oder in Bücher gemalt wurde. Und viele Apokalypsen stehen nicht in der Bibel, sondern in außerbiblischen Büchern, z.B. in den "Apokryphen". Apokalypsen – das Wort Apokalypse bedeutet einfach "Offenbarung", "Entschlüsselung" usw. – wurden in Krisenzeiten geschrieben; sie schilderten eine dunkle, bedrohliche Situation, wie die Menschen sie erlebten, aber eben in anschaulichen, oft sehr dunklen Bildern. Vor allem aber wollten die Apokalypsen den bedrängten Menschen die Hoffnung darauf erschließen, dass alles ein gutes Ende nimmt und dass Gott siegreich sein wird. Auch das wurde illustriert, z.B. in dem wunderbaren Bild vom "neuen Jerusalem". Christen durften die begründete Hoffnung haben, dass Gott selbst der Baumeister einer guten Zukunft sein wird; dass Gerechtigkeit sein wird; dass das Gute siegen wird.

In der Johannes-Apokalypse spielt besonders das "Lamm, das geschlachtet ist" eine überragende Rolle; es steht symbolisch für den getöteten und auferweckten Jesus Christus. Das unterscheidet diese neutestamentliche Apokalypse von anderen.

Insofern ist es völlig falsch, in der Apokalypse die bedrohliche Situations-Beschreibungen zu verselbstständigen und nur die Düsterkeit dieser Bilder zu beschwören. Daher kommt es ja übrigens, dass man in unserem Sprachgebrauch immer etwas Negatives, eine Katastrophe, ein Unglücks-Szenario meint, wenn man von "apokalyptischen Ereignissen" spricht. Schade; denn nicht die Schreckensbilder sind der eigentliche Inhalt einer Apokalypse, sondern die großen Zukunfts-Verheißungen, die freilich nie abgehoben sind von der Gegenwart, sondern ganz im Gegenteil den Menschen Mut machen wollen, in der Gegenwart, auch in Zeiten der Bedrängnis, die Hoffnung nicht zu verlieren.

Das neue Jerusalem, in der Johannes-Apokalyse im 21. Kapitel nachzulesen, ist eines der großartigsten Bilder für Gottes liebevolle Zuwendung zu den Menschen und für Gottes unerschütterliche Treue.

Zitat:

Die Gotteserfahrung, die aus dieser Schrift spricht, will die Welt nicht nur "erklären"; das heißt: Eine lebendige Aneignung des Textes wird nur dann erfolgen, wenn wir bereit sind, in die faszinierende Bewegung des gesamten Textgefüges einzutreten. Wenn wir die spannungsgeladenen Entstehungsverhältnisse des Textes kennen, werden wir die Richtung der Lebenspraxis verstehen, die uns aus diesen Texten anspricht: Wir werden hier nicht Menschen begegnen, die resigniert unter der Last ihrer Schmerzen erdrückt werden; im Gegenteil: Wir werden mit Christen konfrontiert, die ihr ganzes Leben auf die begründete Hoffnung setzen: Das Heil ist einzig und allein von Gott in Jesus Christus zu erwarten!
(Hubert Ritt)

Medientipp:

Ulrich Zurkuhlen
Glaube im Wandel; 60 Schlüsselbegriffe erklärt
Kevelaer, Butzon und Bercker; Münster, Dialogverlag 1999
ISBN 3-933144-20-5
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Text: Öffnet internen Link im aktuellen FensterUrlich Zurkuhlen in "Glaube im Wandel" | Foto: Archiv
Februar 2009

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