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Seite: Fragen + Glauben  >  Durch das Jahr  >  Schwienetüns: Lieblingsheiliger mit Schwein
17.10.2017
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Schwein
Der Festtag des heiligen Antonius wurde vielerorts für die Schweine zum Schlachttag.

"Schwienetüns":

"Lieblingsheiliger" mit Schwein

Bistum. Er ist einer der "Lieblingsheiligen" im Bistum Münster, denn wie sonst ist es zu erklären, dass 37 Kirchen in der Diözese seinen Namen tragen, zahlreiche Denkmäler und Statuen ihm geweiht sind. Im Münsterland gaben ihm die Menschen sogar einen Spitznamen: "Schwienetüns" - so nennen die Menschen dort den heiligen Abt Antonius.

Am 17. Januar ist sein Gedenktag, der in zahlreichen Gemeinden noch heute wie ein hoher Feiertag begangen wird, galt Antonius doch als letzte Hoffnung von Pestopfern sowie als Patron der Haustiere und vor allem der Schweine, weshalb ihm gerade die ländliche Bevölkerung große Verehrung zuteil werden ließ. Seit weit mehr als 1.000 Jahren wird Antonius hierzulande verehrt, das älteste Zeugnis stammt aus dem Jahr 861: Bischof Liudbert von Münster schenkte dem Stift in Freckenhorst Reliquien des Abtes, wie der 1996 verstorbene münsterische Kirchengeschichtler Professor Bernhard Kötting einmal erläuterte.

Nach seinen Worten kann man allein in Westfalen mehr als 500 Zeugnisse seines Kultes nachweisen: "Überall errichtete man ihm auf dem Lande Kapellen, um seine Hilfe möglichst nahe zu haben, wie die weithin bekannte in Tungerloh bei Gescher, holte ihn in die Burgkapellen wie in Herten, weihte ihm Kirchen wie in Dortmund." Die Gebeine des Heiligen kamen im Mittelalter nach Frankreich; sehr bald entstand in St. Didier in der Nähe von Lyon ein Wallfahrtszentrum. Der Sohn eines Edelmannes wurde dort von schwerer Krankheit, dem nunmehr sogenannten Antoniusfeuer geheilt. Ein nach dem Heiligen benannter Orden, die Antoniter oder auch Hospitaliter, kümmerten sich um die Pflege von Kranken und Armen. Wegen ihrer Sorge für diese erhielt die Ordensgemeinschaft die Erlaubnis, ihre Schweine frei herumlaufen zu lassen.

Darstellung des heiligen Antonius.

An machen Orten gab es einen Stall für die "Antoniusschweine" neben der Kirche. Die Leute brachten kostenlos Futter für die Borstenviecher. Der Festtag des Heiligen wurde für die Schweine zum Schlachttag - zur Ernährung der Armen. "Antonius erhielt nun auf den Bildern als kennzeichnendes Attribut neben der Fackel als dem Symbol des Fieberabwehrers das Schwein, wie das kostbare silberne Schwein der Antoniusgilde in Kalkar erweist", erläuterte Kötting. Den Beinamen "Schwienetüns" erhielt er zur Unterscheidung von seinem heiligen Namensbruder aus Padua, des Patrons der Vergesslichen, der daher "Klüngelanton" genannt wurde und wird. Seine Biographie berichtet, dass Antonius Mitte des dritten Jahrhunderts als Sohn reicher Eltern in Ägypten geboren wurde. Mit 20 Jahren verschenkte er nach dem Tod der Eltern das Vermögen und zog sich als Einsiedler zurück. Schnell wurde er berühmt und zog viele Nachahmer an.

In der Zeit der Verfolgung stärkte er seine Mitchristen. Antonius wurde in der Wüste zum gefragten Ratgeber; er korrespondierte mit Kaiser Konstantin und seinen Söhnen. Er soll 105 Jahre alt geworden sein. Im Osten verbreitete sich seine Verehrung schnell und kam von dort ins Abendland. Die Hochachtung hält: So werden die Mitglieder der Bauerschaft Gemen bei Schöppingen den Vortag des Namensfestes in Buße und Fasten "wie einen Karfreitag" begehen und den 17. Januar selbst als einen hohen Feiertag. Noch heute ist dies die Erfüllung eines Gelübdes, das die Gemener vor Jahrhunderten zur Beendigung der Pest ablegten.

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Text: Norbert Göckener | Fotos: Almud Schricke, Norbert Göckener
Januar 2003

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