
- Schutzengel auf dem Schöppinger Berg.
Engel und Engelfeste
Kleine beflügelte Begleiter ganz groß
Gerade in der vorweihnachtlichen Zeit sind sie überall präsent: Engel. Die kleinen beflügelten Begleiter begegnen den Menschen heute in fast jedem Dokorationsgeschäft. Sie verzieren Karten, werden als kleine Figuren und Anhänger verkauft und so manch einer hat sogar eine Engelsbüste in seiner Wohnung oder im Garten stehen. Aber was ist eigentlich dran an den Engeln?
Engel sind "rein geistige, körperlose, unsichtbare und unsterbliche Wesen" heißt es im Katechismus der katholischen Kirche. Weiter heißt es dort: Sie sind Diener und Boten Gottes und schauen ihn von Angesicht zu Angesicht. Mit Verstand und Willen ausgestattet sind sie Mittler zwischen Gott und den Menschen. Zentrum ihres Lobgesanges im Himmel ist Christus. Vor der Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi stimmen alle Gläubigen im Sanktus in diesen Lobgesang der Engel mit ein.
Engel in der Bibel
Der Glaube an Engel ist in der Bibel begründet: Insgesamt 305-mal kommt das Wort "Engel" dort vor. Die körperlosen Wesen sind in der Geschichte Gottes mit den Menschen immer präsent. Angefangen im Buch Genesis, wo die Engel die Aufgabe haben, den Eingang zum Paradies zu bewachen (Genesis 3, 24) bis hin zur Offenbarung des Johannes. Dort wird die Aufgabe der Engel als Vollstrecker des göttlichen Strafgerichts geschildert (Offbarund 15, 6).
Im Alten Testament tauchen Engel besonders als Beschützer und Begleiter auf. So heißt es beispielsweise in Psalm 91: "Dir begegnet kein Unheil, kein Unglück naht deinem Zelt. Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt; du schreitest über Löwen und Nattern, trittst auf Löwen und Drachen."
Im Neuen Testament verkörpern sie die Boten Gottes: Ein Engel des Herrn bringt Maria die Botschaft vom kommenden Heil (Lk 1,26-28), den Hirten verkünden Engel die große Freude von der Geburt Jesu (Lk, 2,1-20) und nach seinem Tod findet Maria aus Magdala dort wo Jesus gelegen hatte zwei Engel vor, die in weißen Gewändern in der Grabkammer sitzen (Johannes 20, 11-18).
Schutzengel
Die biblische Überlieferung von der Existenz der Engel ist auch Grundlage für den Glauben an Schutzengel: So hat der heilige Blasius der Große, der im 3. Jahrhundert gelebt hat, einmal gesagt: "Jedem Gläubigen steht ein Engel als Beschützer und Hirte zur Seite, um ihn zum Leben zu führen." Auch in der heutigen Zeit ist häufig von Schutzengeln die Rede, die einen jeden Menschen auf seinem Lebensweg beschützen und begleiten – bis hin zur Werbung, die das Bild vom Schutzengel für ihre Zwecke benutzt. Ein eigenes Schutzengelfest gibt es jedoch erst seit dem 16. Jahrhundert. Durch Papst Pius X. wurde der Festtermin auf den 2. Oktober festgelegt.
Erzengel
Die Feste einzelner Engel wurden in der Kirche jedoch traditionell zunächst gar nicht gefeiert. Eine eigene Verehrung entwickelte sich zuerst für den Erzengel Michael, dem schon zu Anfang des 5. Jahrhunderts zahlreiche Kapellen und Kirchen geweiht worden sind. Einen besonderen Aufschwung nahm die Verehrung durch die Erscheinung Michaels auf dem Berg Gargano in Süditalien im Jahr 492, wo ihm ein Heiligtum errichtet wurde. In Rom war es vor allem die Michaelskirche an der Via Salaria, deren Weihegedächtnis für den 29. September festgehalten war. So kommt es auch, dass bis heute das Fest der Erzengel Michael, Gabriel und Rafael am 29. September in der Kirche begangen wird.
Der Teufel - ein gefallener Engel
Aber was ist eigentlich mit den gefallenen Engeln, von denen die Heilige Schrift berichtet? Engel besitzen Verstand und Willen und obwohl Gott alle Geschöpfe gut erschaffen hat, haben sich einige Engel für das Böse entschieden, so die Überlieferung. Gott hat diese Engel aus dem Himmel verbannt; unter der Führerschaft des Teufels richten sie eine Herrschaft der Gewalt und Lüge auf. Diese Engel bezeichnet die Kirche als gefallene Engel oder Dämonen, zu denen auch der Teufel zählt. Dieser Sturz ist auch in einigen Bildern in der Kunst dargestellt.
Engel in der Kunst
Allgemein treten Engeldarstellungen bald nach Beginn einer eigenständigen Kunst des Christentums auf. Dabei werden Engel in ihren verschiedenen Aufgaben dargestellt, wie etwa bei der Verkündigung oder beim Lobgesang Gottes. Seit dem 13. Jahrhundert sind Engel zeitgenössischen Idealen angenähert. Vorher wurden Engel, wie beispielsweise im 9.und 10. Jahrhundert, übrigens ohne Flügel dargestellt.
Im Hochmittelalter treten knabenhafte "Kinderengel" auf, die singen und musizieren. Für die Erzengel haben sich in der Spätgotik eigene Traditionen gebildet: Michael wird in Gerichtsverhandlungen dargestellt. Gabriel als Engel der Verkündigung im Diakonengewand und Raphael in Pilgerkleidung als Begleiter und Beschützer. Seit der Barockzeit gewinnen die Engeldarstellungen immer mehr an dekorativem Charakter, den sie bis heute haben.
So ziehen sich die Engel durch die ganze Geschichte. Das Vertrauen, das viele Menschen ihnen zu allen Zeiten geschenkt haben, zeigt sich in einem Gebet der heiligen Therese von Lisieux die im 19. Jahrhundert gelebt hat:
Ruhmreicher Hüter meiner Seele,
der du im schönen Himmel erstrahlst
wie eine reine, milde Flamme
am Thron des Ewigen;
du kommst für mich auf diese Erde,
schöner Engel, und indem du mich
mit deinem Glanz erleuchtest,
wirst du mir Bruder, Freund und Tröster.
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Text: Franzis Rewer | Fotos: Michael Bönte
13.11.2007
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