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11.02.2012
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Pfingsten
Seit der Barockzeit gilt die Taube als Symbol von Pfingsten.

Liturgie und Brauchtum zu Pfingsten

Ein wenig Geist und viel Frühling

Mehr als die Hälfte der Deutschen weiß nicht, welches religiöse Fest an Pfingsten gefeiert wird: Nach einer Umfrage von Meinungsforschern aus dem Jahr 2006 antworteten mehr als 50 Prozent der Befragten falsch oder konnten gar keine Angaben machen.

Die richtige Antwort kannten immerhin 47 Prozent der Befragten: Die Kirche erinnert sich an diesem Fest an die Ausgießung des Heiligen Geistes, wie er in der biblischen Apostelgeschichte (Apg 2) beschrieben wird. Der Heilige Geist ist nach kirchlicher Lehre dazu in die Welt gesandt, um Person, Leben und Werk Christi in der Geschichte lebendig zu halten.

50 Tage nach Ostern ist das Pfingstfest der feierliche Abschluss der Osterfestzeit. Der Name leitet sich her vom griechischen "Pentekoste", was 50. Tag bedeutet. In Deutschland erhielt das Fest wie auch Ostern und Weihnachten einen zweiten Feiertag. Das Pfingstbrauchtum und auch die Liturgie sind aber keineswegs so ausgeprägt wie dies im Advent und zu Weihnachten oder in der Fasten- und Osterzeit ist.

Jüdische Wurzeln

Bei den Juden war der 50. Tag nach dem Passah ein Dankfest für die Weizenernte und später für den Bundesschluss am Sinai sowie die Übergabe des Gesetzes. Nach dem jüdischen Philospophen Maimonides "lag der Sinn der Tage vom Auszug in Ägypten bis zur Feier des Empfangs der Gesetze auf dem Berg Sinai darin, den Gläubigen zu zeigen, dass Befreiung aus Knechtschaft allein nicht viel bedeutet und dass Freiheit ohne Gesetz ein zweifelhafter Segen ist", erläutert der katholische Theologe und Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti (Köln).

Die Apostelgeschichte beschreibt die Geistsendung, die 50 Tage nach der Auferstehung Jesu von den Toten in Jerusalem geschah: "Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab."

Novenen - neuntägige Andachten

Nach dem Vorbild der Apostel, die um die Sendung des Heiligen Geistes baten, entwickelten sich in der Volksfrömmigkeit neuntägige Andachten – so genannten "Novenen" – zur Vorbereitung auf ein wichtiges Ereignis oder zur Abwehr von Not und Gefahr. Seit der Neuordnung des Kirchenjahres in Folge des Konzils wurde die private Pfingstnovene in der offiziellen Liturgie beheimatet. Die Liturgie der Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten soll auf die Herabkunft des Heiligen Geistes vorbereiten.

Die Liturgie sieht am Pfingsttag die Sequenz "Veni Sancte Spiritus" (Komm, heilger Geist) vor. Dieser Zwischengesang gehört zu den vier Sequenzen (neben Pfingsten noch an Ostern, Fronleichnam und am Fest Mariä Schmerzen), die nach der Liturgiereform noch beibehalten wurden. Die Pfingstsequenz, die Stephan Langton (um 1150-1228) zugeschrieben wird, ist eine lateinische Dichtung, mit welcher die Gemeinde den Heiligen Geist um Beistand bittet.

Taube als Symboltier

Zum Symbol von Pfingsten wurde seit dem Barock verstärkt die Taube – ein Symboltier, dessen Ansehen bis heute sehr gelitten hat, wie Becker-Huberti meint: Der "Vogel der Könige" sei erst zur Brieftaube des kleinen Mannes und schließlich in unseren Großstädten zur "Ratte der Lüfte" geworden. Im Barock dagegen war die Taube als Symbol des Heiligen Geistes beliebt. Vor allem Hospize und Hospitäler wurden gerne "Zum Heiligen Geist" genannt. Die Taube galt als Erkennungszeichen praktizierter Nächstenliebe, wie Becker-Huberti deutlich macht. Auch in der Pfingstliturgie kam die Taube vor: Früher wurde eine lebende oder auch eine hölzerne Taube als Symbol des Heiligen Geistes in die Kirche beim Gottesdienst herabgelassen.

Liturgienahes religiöses Brauchtum zu Pfingsten hat sich nach Angaben von Becker-Huberti kaum ausgebildet. Das Brauchtum hat eher jahreszeitliche Bezüge als Frühlings- oder Maienbrauchtum.

Tanz um den "Pfingstenkranz"

"Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab."

In Oelde gibt es Tänze um den "Pfingstenkranz". Dieser Brauch ist wohl viele Jahrhunderte alt, schreibt die Pfingstenkranzgemeinschaft St. Joseph in Oelde auf ihrer Internetseite. Wie der Brauch in Oelde entstanden sein könne und sich entwickelt habe, darüber gebe es allenfalls Vermutungen: Es soll sich um ein germanisches "Mai- und Blumenfest" handeln.

Am den beiden Pfingsttagen tanzen nachmittags vor allem die Kinder im Reigen um den Pfingstenkranz und singen Lieder, die sonst weithin unbekannt sind. Oelder Kinder lernen diese Lieder bereits in Kindergarten und Grundschule. Abends beteiligen sich auch die Erwachsenen an diesem Fest.

Die Pfingstbraut

Im westlichen Münsterland ist ein pfingstlicher Heischebrauch (Brauch zum Erbitten von Gaben) noch lebendig: die Pfingstbraut. "Die älteren Jugendlichen sind morgens an dem Feiertag fleißig damit beschäftigt, einen Bollerwagen mit Birkengrün zu schmücken, 'denn Brutwagen'" (der Brautwagen), so wird dies auf der Internetseite von Stadtlohn-Estern beschrieben. Danach werden in den Nachbarschaften ein Mädchen und ein Junge von den älteren Kindern auserwählt und gekleidet, um mit ihnen als "Pingsterbrut un Brütigam" (Pfingstbraut und –bräutigam) durch die Nachbarschaft zu ziehen. Die größeren Kinder ziehen den Bollerwagen und alle laufen von Haus zu Haus, um ein Lied zu singen.

Dafür bekommen die Kinder dann ein paar Eier und Geld zur Finanzierung des Festes, wie es auf der Webseite heißt. Auch eine Handvoll Süßigkeiten nehmen sie gerne an. Nachdem sie von Haus zu Haus gelaufen sind, wird jährlich abwechselnd bei einer Familie das Fest gefeiert. Hier warten dann schon Kuchen, Saft und Sprudel auf die Kinder. Dann wird gespielt, gerannt und getobt, so beschreibt die Seite diesen Brauch.

Pfingstbaumpflanzen im Oldenburgischen

Das Pfingstbaumpflanzen ist eine alte Tradition, die zu Pfingsten im Oldenburger Münsterland praktiziert wird, wie im Online-Lexikon Wikipedia zu lesen ist. Zentraler Punkt ist die Einbindung von Birkenbäumen und aus Laub geflochtenen Girlanden: Die eigentlichen so genannten Pfingstbäume sind frisch geschlagene junge Birke, die üblicherweise vor Haustüren befestigt werden.

In vergangener Zeit sollen laut Wikipedia junge unverheiratete Männer den Brauch des Pfingstbaumpflanzens gepflegt haben, um sich den ebenfalls noch unverheirateten Jungfrauen vorzustellen. Dazu gingen sie von Haus zu aus und platzierten vor den Türen von Familien mit ledigen Töchtern eine junge Birke. In einigen Orten, wie beispielsweise im Landkreis Vechta, ist es auch heute noch üblich, dass junge Männer Pfingstbäume an das Zimmerfenster unverheirateter Mädchen und Frauen stellen.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

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  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterGebet: Komm, Schöpfer Geist
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  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche von A bis Z: Pfingsten
  3. Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche von A bis Z: Heiliger Geist

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem FensterVorschlag zur Gestaltung einer Pfingstnovene

Text: Norbert Göckener | Fotos: Michael Bönte, Archiv
05.05.2008

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