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Seite: Fragen + Glauben  >  Durch das Jahr  >  Teil 2 Österliche Wurzeln im jüdischen Pessach
11.02.2012
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Torarolle
"Ohne Kenntnis der alttestamentarischen, jüdischen Wurzeln sind Sinn und Botschaft von Ostern überhaupt nicht nachvollziehbar", meint Schwester Johanna Eichmann, Leiterin des Jüdischen Museums Dorsten.

Österliche Wurzeln im jüdischen Pessach (Teil 2)

Ein Gott, der rettet

"Elementarer Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses von Juden und Christen ist die alttestamentliche Gotteserfahrung: Gott ist ein Gott, der rettet", meint Schwester Johanna. Das sei die zentrale Botschaft in beiden Feiern, Ostern und Pessach. Deshalb sei – gerade auch für Christen – die Auseinandersetzung mit der Bibelstelle Exodus 14, der Flucht durchs Rote Meer, so ungemein wichtig.

"Man kann diesen Text nicht als historische Erzählung betrachten", sagt Schwester Johanna. "Es geht nicht um die ersaufenden Ägypter, um eine kriegerische Triumphgeschichte." Wichtiger sei die Gotteserfahrung, die zu diesem Bild gerinnt: Gott ist der Retter. Wer sich auf ihn verlässt, dem können die Feinde nichts anhaben.

"Das Wort ‚Ägypter’ gibt es übrigens im Hebräischen gar nicht", erklärt die Leiterin des Jüdischen Museums. "Die hebräische Bibel spricht von ‚Mizrajim’ und das bedeutet Beschränkung, Einengung." Der Bibeltext wende sich also nicht gegen ein bestimmtes Volk, sondern vielmehr gegen den Verfolger schlechthin, gegen alle Einengung und Beschränkung der Menschen.

Gegen alle Beschränkung

Diese Interpretation schafft eine weitere Verbindung zwischen Altem und Neuem Testament, eine Fortführung gleichermaßen: In der Osternacht überwindet Christus durch die Auferstehung die "Beschränkung" des Menschen durch den Tod.

Schwester Johanna ist es unverständlich, wie vor diesem Hintergrund manche Priester in der Osternacht die Exodus-Lesung unter den Tisch fallen lassen können. "Die ganze Heilstat Jesu ist nur in Rückbindung an diese Botschaft des Alten Testamentes verstehbar."

Weitere Ähnlichkeiten

Überdies gibt es weitere Ähnlichkeiten. Pessach und (österliche) Eucharistie – beides sind Mahlfeiern. Bei beiden stehen Brot und Wein im Mittelpunkt. Das Brechen des Brotes ist ein alter jüdischer Brauch. Es ist ein Verteilungsgestus mit einendem Charakter: Alle sollen an dem einen Brot teilhaben.

Ebenso verhält es sich mit dem Wein. Und just an dieser Stelle des Pessach-Ritus erneuert Jesus beim letzten Abendmahl den göttlichen Bund. In jeder Eucharistie feiern die Gläubigen heute unter Danksagung (griech. eucharistia) das Mahl zum Gedächtnis des Herrn im Sakrament von Brot und Wein.

Der Halleluja-Ruf

Die Pessach-Feier schließt traditionell mit den Hallel-Gesängen (Psalm 113-118). In der Osternachtsmesse ist der Halleluja-Ruf nicht minder wichtig. Ist er ja seit Aschermittwoch die ganze Fastenzeit hindurch nicht gesungen worden.

Doch in der Osternacht erklingt der aus dem jüdischen Gottesdienst stammende Jubelruf (hebr. "hallellu jah" = lobet Jahwe) wieder um so lauter. Halleluja, Jesus lebt! Christus wird als Sieger über den Tod begrüßt, bevor der Diakon das Evangelium verliest.

Gotteserfahrung des Alten Testamentes

Schwester Johanna betont, dass die parallelen Elemente im jüdischen Pessach-Fest und christlichen Ostern nicht deckungsgleich seien. "Aber es sind Verbindungen, die aufzeigen, wie sich in den wesentlichen Elementen der österlichen Heilsgeschichte die Gotteserfahrung des Alten Testamentes widerspiegelt."

Es sollte uns hellhörig machen, dass die christliche Kirche diese Verbindungen so bewahrt hat, meint die Leiterin des Jüdischen Museums.

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Text: Karin Wollschläger | Foto: Karin Wollschläger
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