
- In vielen Orten finden Martinsumzüge statt. Besonders fasziniert dieses Brauchtum die Kleinsten.
St. Martin:
Gänse, Pachtzahlungen, Lichterumzüge und Prinz Karneval
Bistum. Es kommt auf den Blickwinkel an: "Sankt Martin ist ein harter Mann für den, der nicht bezahlen kann." Der 11. November, der Martinstag, ist noch heute für viele Bauern der Tag der alljährlichen Pachtzahlungen. Die andere Sicht: Ein gutes Essen verbindet sich mit diesem Termin und so erhält der Heilige eine positive Deutung: "Sankt Martin ist ein guter Mann, er bringt die Bratgans uns heran."
Unübersehbar ist der Tag geprägt von Lichterumzügen der Kinder. Und nicht zuletzt im Auge des Narren: Der 11. 11. hat seinen Ursprung als Karnevalsauftakt vom Gedenken an den Heiligen, dessen Verehrung mehr als 1.600 Jahre alt ist.
Der Martinstag galt früher als Winteranfang und Tag der Zins- und Pachtzahlungen. Zu den fälligen Naturalabgaben gehörte auch die Martinsgans, die als Höhepunkt eines üppigen Festtagsessens verspeist wurde. In Gallien und auch in den Klöstern begann früher mit dem Martinstag die Adventszeit, die damals sechs Wochen dauerte und als Bußzeit mit dem Verzicht auf Fleischspeisen verbunden war.
Somit bot sich der Vorabend des Martinstages an, noch einmal richtig zuzulangen und zu feiern: der 11. 11. als Karnevalsbeginn, an dem heutzutage "Prinz Karneval" proklamiert wird. Erst später setzte sich die römische Gepflogenheit der vierwöchigen Adventszeit durch.
Von Gänsen verraten
Die Lebensgeschichte des Heiligen ist turbulent: Er war Soldat, Priester, Einsiedler und dann Bischof. Um 316/17 in Pannonien im heutigen Ungarn geboren, trat er als 15jähriger passend zu seinem Namen "Martinus" - nach dem Kriegsgott Mars - in Pavia in die römische Armee ein. Er gehörte einer Eliteeinheit an, die in Gallien eingesetzt war.
Dort spielte sich im Jahr 334 in Amiens der Legende nach jene Szene ab, die alljährlich bei den Martinszügen ihre Wiederholung findet: In einem strengen Winter begegnete er einem armen, unbekleideten Bettler, der um Hilfe bat. Martin teilte mit dem Schwert seinen Mantel und gab dem Frierenden eine Hälfte. In der Nacht darauf, so will es die Legende, sah der Heilige im Traum Christus bekleidet mit dem Mantelstück.
Martin ließ sich taufen. Er wurde Priester und zog sich als Einsiedler zurück, gründete später ein Kloster. Im Jahr 371 wurde er vom Volk zum Bischof von Tours ausgerufen. Damit verbunden ist die legendenhafte Erzählung, dass Martin sich in einem Gänsestall versteckte, um so diesem Amt zu entgehen, doch das Geschnatter des Federviehs verriet ihn.
Martin, der 397 starb, muss ein überzeugender und glaubwürdiger Bischof gewesen sein; er hinterließ nachhaltigen Eindruck, der so stark war, dass der Frankenkönig Chlodwig ihn nur gut 100 Jahre nach seinem Tod zum "Nationalheiligen" seines Reiches erkor.
Am Niederrhein ist das Martinsbrauchtum sehr lebendig, dort wird neben dem bekannten Umzug auch in vielen Gemeinden der "Stille Martinszug der Caritas" praktiziert. Viele Gemeindemitglieder legen in der Zeit vom 11. bis 19. November Lebensmittel- und Geldspenden zu Füßen einer Martinsstatue nieder, die dann für Bedürftige verwendet werden.
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Text: Norbert Göckener | Foto: Michael Bönte,
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