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Seite: Fragen + Glauben  >  Durch das Jahr  >  Hochfest Unbefleckte Empfängnis am 8. Dezember
11.02.2012
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Paradies
Darstellung des Sündenfalls am Nordeingang des Domes zu Münster.

Hochfest "Unbefleckte Empfängnis" am 8. Dezember

Auf den ersten Blick sperrig – auf den zweiten kernig

Man soll die Feste feiern wie sie fallen, sagt der Volksmund. Und doch gibt es Feste, die im Kalender stehen, mit denen viele aber ihre Probleme haben. Das "Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria" am 8. Dezember ist solch ein Fest.

Warum? Zahlreiche Christen haben ihre Schwierigkeiten mit der Marienverehrung, dies rührt sicher her von früheren frömmlerischen Übertreibungen. Die Lehre von der Erbschuld ist ebenfalls ein Problemfall für viele Gläubige. Am Fest der "Unbefleckten Empfängnis" kommt beides zusammen...

Schatten-Dasein eines Festes

Und so fristet dieses adventliche Marienfest im Bewusstsein vieler Katholiken ein Schatten-Dasein, obgleich es gerade in der Zeit vor Weihnachten eine große Botschaft verkündet: Gott rettet die Menschen aus ihrer Schuld – siehe Maria, "voll der Gnade".

Missverständnisse verbinden sich mit dem Fest: Mancher meint etwa, dass die Fest-Aussage beinhalte, dass Maria – so wie Jesus – von einer Jungfrau geboren wurde. Dagegen hat die Kirche stets festgehalten, dass Maria auf natürliche Weise als Kind ihrer Eltern gebo­ren wurde. Der Legende nach hießen sie Anna und Joachim.

Maria nicht erlösungsbedürftig?

Ein weiteres Missverständnis: Maria hätte nicht – wie alle anderen Menschen – der Erlösung bedurft. Doch auch hier hält die katholische Kirche dem entgegen, dass auch die Gottesmutter alle Gnade durch Jesus Christus, durch seinen Kreuzestod, empfangen hat.

Allerdings ist die theologische Aussage des Festes, dass Maria vom ersten Augenblick ihres Lebens an von aller Erbschuld frei war, in dieser Weise nicht ausdrücklich in der Heiligen Schrift ausgesprochen. Jedoch wurden einige Aussagen der Bibel schon früh in dem Sinn verstanden, "dass Maria das reinste, in einmaliger Weise von Gott bevorzugte Geschöpf war, die neue Eva, die ohne Sünde blieb und so zur 'Mutter aller Lebenden' werden konnte", wie es im Schott-Messbuch heißt.

Dogma von 1854

Was ist der Kern dieses Festes?  Papst Pius IX. verkündete am 8. Dezember 1854 im Aposto­lischen Schreiben "Ineffabilis Deus" (Der unbegreifliche Gott) als Dogma: "Zu Ehren der Heiligen und Ungeteilten Dreifaltigkeit, zu Schmuck und Zierde der jungfräulichen Gottesmutter, zur Erhö­hung des katholischen Glaubens und zur Mehrung der christlichen Religion, in der Autorität unseres Herrn Jesus Christus, der seligen Apostel Petrus und Paulus und der Unseren erklären, verkünden und definieren Wir: Die Lehre, dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadenprivileg des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erretters des Menschengeschlechtes, von jedem Schaden der Erb­sünde unversehrt bewahrt wurde, ist von Gott geoffenbart und darum von allen Gläubigen fest und beständig zu glauben."

Grotte in Lourdes.

Besondere Bedeutung gewann das Dogma der unbefleckten Empfängnis in der katholischen Kirche durch die Marienerscheinungen von Lourdes im Jahr 1858. Der Bernadette Soubirous offenbarte sich nach eigenen Aussagen mehrfach eine weiß gekleideten Frau, die Mutter Gottes, als die "unbefleckte Empfängnis".

Die Fest-Liturgie vom 8. Dezember erläutert die heilsgeschichtlichen Zusammenhänge. Im Tagesgebet betet der Priester: "Großer und heiliger Gott, im Hinblick auf den Erlösertod Christi hast du die selige Jungfrau Maria schon im ersten Augenblick ihres Daseins vor jeder Sünde bewahrt, um deinem Sohn eine würdige Wohnung zu bereiten."

Und in der Präfation heißt es: "Du hast Maria vor der Erbschuld bewahrt, du hast sie mit der Fülle der Gnade beschenkt, da sie erwählt war, die Mutter deines Sohnes zu werden."

Das Problem der Erbsünde

Und die Aussage des Festes? Die Bibel erzählt auf ihren ersten Seiten, dass mit Adam und Eva und mit ihnen die ganze Menschheit schuldig geworden ist. Kirchlicherseits spricht man von Erbsünde. Obgleich manche damit ihre Probleme haben ("Wie kann denn ein Neugeborenes schuldig werden?"), so ist doch zweifelsfrei, dass die Menschen in Strukturen der Schuld und Sünde leben und ihnen doch letztlich nicht entfliehen können.

Ein Vergleich: Die Weltwirtschaftsordnung sorgt dafür, dass die Menschen in den reichen Industriestaaten auf Kosten der Entwicklungsländer leben. Doch wer in den Industriestaaten könnte dem entgehen?

Pfarrer Ulrich Zurkuhlen, theologischer Berater der münsterschen Bistumszeitung Kirche+Leben hat die Ursünde einmal so erklärt: "Die Wurzel alles Bösen in der Welt ist die panische Angst des Menschen um sich selbst; die Angst, sich selber absichern zu müssen gegen alle und alles, was als Bedrohung oder Beschränkung der eigenen Existenz angesehen wird. Solche Angst um Leben und Gesundheit, Anerkennung und Prestige, Erfolg und Einfluss kennen wir aus dem eigenen Leben und dem unserer Zeitgenossen nur allzu gut." Vor dieser Angst habe Gott Maria von Anfang an bewahrt.

Jesus - außerhalb des Teufelskreises der Sünde

Aus diesem Teufelskreisen der Sünde hat Jesus Christus die Menschen nach christlichem Verständnis erlöst. Und damit er selbst – der Schuldlose – nicht in diesen Schuld-Kreislauf eingebunden wurde, bekennt die Kirche, dass Maria vom "ersten Augenblick ihrer Empfängnis" im Vorgriff auf die Erlösungstat Jesu Christi "von jedem Schaden der Erb­sünde" bewahrt wurde.

Der Kirchenlehrer Augustinus sagte über Jesus: "Denn er allein wird als Lamm bezeichnet, weil er allein ohne Makel, ohne Sünde ist. Nicht weil seine Makel abgewaschen worden wären, sondern weil kein Makel an ihm war. Er allein ist das Lamm Gottes, weil allein durch das Blut dieses Lammes die Menschen gerettet werden konnten."

Auf den Kern der Botschaft gerichtet

Damit zielt das "Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria" am 8. Dezember auf den Kern der christlichen Botschaft.

Zitat:

"Sei gegrüßt, der Wunder Christi bist du der Anbeginn;
sei gegrüßt, der Inbegriff von allen seinen Lehren bist du."
(Aus der ostkirchlichen Mariendichtung "Hymnos Akathistos")

"So sehr hast du die Welt geliebt, heiliger Vater,
dass du deinen eingeborenen Sohn als Retter gesandt hast,
nachdem die Fülle der Zeiten gekommen war.
Er ist Mensch geworden durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria.
Er hat wie wir als Mensch gelebt,
in allem uns gleich außer der Sünde."
(Aus dem 4. Hochgebet)

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Text: Norbert Göckener | Fotos: Michael Bönte
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