
- "Rorate-Messen" waren ursprünglich Gottesdienste zu Ehren der Gottesmutter Maria.
"Tauet Himmel, den Gerechten":
Altes und neues Brauchtum in der Zeit der Erwartung
Bistum. "'Tauet Himmel, den Gerechten: Wolken, regnet ihn herab!' rief das Volk in bangen Nächten, dem Gott die Verheißung gab." Lieder und Gebete voller Erwartung und Sehnsucht sind in den nächsten Wochen wieder in den Kirchen zu hören. Es ist Advent. Die Christen denken an die Ankunft (lateinisch: adventus) Jesu vor 2.000 Jahren und die Wiederkunft Christi am Ende der Zeit.
Keine andere Zeit ist derart stark im Brauchtum und Bewusstsein des Volkes verwurzelt wie die Advents- und Weihnachtszeit. Kaum ein anderes christliches Fest ist aber auch stärker verweltlicht als das Geburtsfest Christi: Denn was hat der weißbärtige, zum Teil trottelige "Weihnachtsmann" in den Kaufhäusern noch mit der christlichen Botschaft zu tun?
Adventskranz
Anders das Aufstellen des Adventskranzes - dies ist ein ursprünglich evangelischer Brauch: Der Hamburger Pfarrer Johann Hinrich Wichern stellte Mitte des vergangenen Jahrhunderts in dem von ihm gegründeten "Rauhen Haus", einer Anstalt zur Betreuung gefährdeter Jugendlicher in Hamburg-Horn, erstmals einen Kranz mit 24 Kerzen auf.
Heute finden sich vier Kerzen auf dem Kranz, die nacheinander an den vier Adventssonntagen entzündet werden, um so auf das näher rückende Weihnachtsfest hinzuweisen. In besinnlichen Gottesdiensten und Andachten werden sie in den Kirchen - manchmal so auch in den Familien - entzündet.
Heilige Barbara
Am Fest der heiligen Barbara am 4. Dezember stellt man sich Zweige von Sauerkirschen oder türkischem Flieder, manchmal auch von Kastanien oder anderen Bäumen oder Sträuchern, ins Wasser und an einen warmen Ort. Diese "Barbarazweige" blühen dann zu Weihnachten. Das vermeintliche Wunder der Natur (Blüten im Winter) soll das Wunder der heiligen Nacht verdeutlichen: In Jesus wird Gott Mensch - die (göttliche) Übernatur nimmt menschliches Fleisch an und erhöht damit die Schöpfung.
Heiliger Nikolaus
St. Nikolaus besucht am 6. Dezember die Kinder. Dieses Gedenken an den Bischof von Myra ist katholischen Ursprungs und wurde von Luther abgeschafft, gehört aber noch heute zum festen Brauchtum in katholischen Gebieten. Der Nikolaus kommt zu den Kleinen und befragt sie, ob sie denn "auch immer brav gewesen" sind.
Knecht Ruprecht, Begleiter des heiligen Mannes, wedelt bedrohlich mit einer Rute, aber letztlich bekommen die Kinder doch das, was sie sich erhoffen: Süßigkeiten und Geschenke. Früher war Nikolaus der Tag der Geschenke, ähnlich wie es noch heute weitgehend in Holland Brauch ist.
Seit dem beginnenden 19. Jahrhundert wird die Nikolausgestalt immer mehr verweltlicht zum "Weihnachtsmann", der als Überbleibsel germanischer Gottheiten oder als Personifizierung der Natur gedeutet wird, so wie er etwa im Osten als "Väterchen Frost" bekannt ist. Davon weitgehend unbeeinflusst findet das Nikolausbrauchtum in seiner christlichen Prägung in vielen Gemeinden am Niederrhein, im Münsterland und Oldenburger Land statt.
Früh- und Spätschichten
Großer Beliebtheit erfreuen sich in der Adventszeit die zahlreichen Früh- und Spätschichten, die in den katholischen Kirchen angeboten werden. Junge Christen treffen sich zu früher (ca. 6 Uhr) oder später Stunde (ca. 20 Uhr) zu Meditation, Gebet und Gesang. Symbole der Adventszeit wie etwa Kerzen oder Gestalten der Vorweihnachtszeit wie Propheten oder Maria stehen dabei im Mittelpunkt der Gebetsrunden.
Anschließend frühstücken die Teilnehmer gemeinsam oder lassen den Abend bei Tee und Gebäck ausklingen. Mit Basaren und Hungerbrotaktionen machen die Gemeinden auf die Situation in den Entwicklungsländern aufmerksam und sammeln Geld, um den Menschen helfen zu können.
Rorate-Messen
"In Mode" kommen seit einigen Jahren wieder die "Rorate-Messen". Ursprünglich waren dies Gottesdienste zu Ehren der Gottesmutter Maria. Statt elektrischem Licht beleuchten oft nur Kerzen die Kirchen; alte Gregorianische Gesänge sind bei den Messen oftmals zu hören. Der Name stammt von dem lateinischen Anfangswort des Eröffnungsverses "Tauet, ihr Himmel, von oben". Er ist dem alttestamentlichen Buch Jesaja (Jes 45,8) entnommen.
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Text: Norbert Göckener | Foto: Michael Bönte
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