
- Das Licht der vier Kerzen zeigt den stufenweisen Aufstieg zum vollen Licht der Weihnacht.
"Advent, Advent, ein Lichtlein brennt..."
Kränze und Kalender erleichtern Warten aufs Christkind
"Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier - schon steht das Christkind vor der Tür." Dieser Reim gehört zu einem Brauch, von dem viele meinen, dass er sehr alt sei, doch tatsächlich noch nicht einmal 160 Jahre alt ist. Zum Advent gehört für viele ein Adventskranz, dessen vier Kerzen das heranrückende Weihnachtsfest symbolisieren.
Am Ende der dreißiger Jahre des 18. Jahrhunderts war es der evangelische Pfarrer Johann Hinrich Wichern, der diesen Brauch begründete. In seiner "Rettungsanstalt für verwahrloste Kinder des Rauhen Hauses" in Hamburg ließ er einen Kranz (einige Quellen sprechen von einem Kronleuchter, andere von einem Wagenrad) mit 24 Kerzen schmücken.
"Mit jedem Tag ein Licht mehr"
Während einer täglichen Andacht wurde in den Dezembertagen jeweils eine Kerze entzündet. "Mit jedem Tag ein Licht mehr", so das Motto des Pastors. Erst später wurde der Kranz mit Tannengrün geschmückt. Vom "Rauhen Haus" aus fand der Adventskranz dann in seiner Version mit vier Kerzen für die vier Sonntage vor Weihnachten auch in katholischen Haushalten Nachahmung und Verbreitung.
Heidnisches und Christliches vermischen sich in diesem Symbol, denn bereits bei den "alten Germanen" galten grüne Kränze als Segensbringer. Irrlichter, Kobolde und Sturmgeister, deren Besuch nach allgemeiner Auffassung die Fruchtbarkeit der Felder für das kommende Jahr versprach, wollte man mit Lichtern den richtigen Weg weisen, so alte germanische Vorstellungen.
Ein Zeichen für Jesus Christus
Im christlichen Brauchtum erhält dies eine andere Deutung, wie es etwa in einem Segnungsbuch heißt: "Licht weist den Weg, vertreibt Angst und fördert Gemeinschaft. Licht ist ein Zeichen für Jesus Christus, das Licht der Welt. Das Licht der vier Kerzen zeigt den stufenweisen Aufstieg zum vollen Licht der Weihnacht. Der grüne Kranz bedeutet Leben und Gemeinschaft. Der Adventskranz ist ein Zeichen der Hoffnung, dass nicht Dunkel und Tod, sondern Licht und Leben siegen werden."
Kalender für jung und alt
Ein weiterer relativ junger Brauch ist der Adventskalender, der gerade für Kinder wohl der wichtigste Kalender der Welt ist. Der Münchner Verleger Gerhard Lang brachte 1908 den ersten seiner Art heraus: Er bestand aus zwei Blättern Papier; auf das eine waren Zahlen aufgedruckt, auf das andere 24 Bilder, die das Christkind mit vielen Engeln zeigten, wie es backte, Geschenke verpackte und den Tannenbaum schmückte. Diese Bilder konnten ausgeschnitten und auf das andere Blatt geklebt werden. Dieser 24-Tage-Plan sollte den Kleinen das Warten erleichtern.
Mit den Jahren wurde daraus vor allem ein mit Süßigkeiten versehener Dezemberkalender. Doch es gibt sie mittlerweile auch als Sammlung von Geschichten, Bastelanleitungen und Texten für jeden Dezembertag. Vielfältige Versionen erscheinen auch Jahr für Jahr für Erwachsene, die dazu animieren wollen, den Sinn der Adventszeit neu zu entdecken: die Vorbereitung auf die Geburt Jesu Christi.
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Text: Norbert Göckener | Fotos: Michael Bönte, Michaela Kiepe
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