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Seite: Fragen + Glauben  >  Durch das Jahr  >  Advent 1 in den orthodoxen Kirchen
01.10.2014
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Tempelgang Marias
Ein Engel reicht Maria täglich Nahrung: das göttliche Wort in Form einer Schriftrolle.

Advent in den orthodoxen Kirchen (Teil 1):

"Bereite dich, Betlehem"

Der Advent in den Ostkirchen ist eine 40-tägige Fastenzeit. Damit tritt der Bußgedanke sehr viel deutlicher hervor als im Westen. Hier erinnern nur das Violett in der Liturgie und der Verzicht auf das Gloria in der Messe daran. Auch mehr als im Westen blickt der Osten auf die großen Zusammenhänge des Heilsgeschehens und trennt weniger scharf den Advent von der Weihnachtszeit.

Gleich am Anfang des orthodoxen Advents steht ein Marienfest, das zu den zwölf orthodoxen Hochfesten gehört, die sich um das Osterfest reihen. Am 21. November gedenken die Ostkirchen des Eintritts Mariens in den Tempel. Ihre Eltern, Anna und Joachim, bringen sie in das Heiligtum in Jerusalem zu den Tempeljungfrauen, wo sie bis zum zwölften Lebensjahr bleibt.

Ein Engel reicht Maria täglich Nahrung 

Ikonen stellen diese Szene dar. Sie zeigen überdies die dann im Tempel sitzende Maria und wie ihr ein Engel täglich Nahrung reicht: das göttliche Wort in Form einer Schriftrolle. Soll sagen: Maria ist beheimatet in den Schriften und Verheißungen ihres Volkes. Davon kann sie später im Magnifikat ein Lied singen.

"Der angenommene historische Hintergrund ist insofern abwegig, als es in Israel, anders als in heidnischen Kulturen, keine Tempeljungfrauen gab", schreibt der münstersche Geistliche Lothar Heiser in seinem Buch "Quellen der Freude" zu den Hochfesten der orthodoxen Christen.

Geistlich aber zeigt das Fest etwas, was jedem Menschen als Aufgabe gegeben ist: Jeder muss seine Rolle, seine Aufgabe, seinen Sinn im Leben finden. So auch Maria: Sie wird dem Tempel und damit Gott übergeben. Sie steht im Dienst Gottes, so sagt es dieses Fest, das in der westlichen Kirche als "Gedenktag Unserer Lieben Frau von Jerusalem" begangen wird.

Die Trennung verschwindet

Maria im Tempel – dahinter steckt aber noch dieser Gedanke: Der Tempel war der Ort der Gottesverehrung und Gottesbegegnung für die Juden. Das Allerheiligste mit der Bundeslade, das sich hinter einem Vorhang verbarg, durfte nur einmal im Jahr vom Hohenpriester betreten werden. Gott war nach jüdischem Glauben dort gegenwärtig; aber letztlich war er doch unnahbar. Die Kirche sieht in Maria den neuen Tempel, wie es auch die Ikone "Madonna des Zeichens" zeigt; die Prophezeiung des Jesaja (7,14) erfüllt sich: Emmanuel – Gott ist mit uns.

Seinen Glanz erhält dieses Fest in der Ostkirche somit von Weihnachten her, wie Pfarrer Heiser deutlich macht. Die Trennung zwischen Gott und Mensch, wie sie die Bibel als Folge des Sündenfalls der ersten Menschen beschreibt, löst sich auf. Folgerichtig, dass gerade Lukas, der zu Beginn seines Evangeliums beschreibt, wie der Vater des Täufers Johannes Dienst im Tempel tut, beim Tod Jesu erklärt (23,45): "Der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei."

Die Botschaft: Am Kreuz endet vollends die Trennung von göttlicher und menschlicher Welt. An Weihnachten wird es deutlich: Gott beschließt, die Welt zu sich heimzuholen – darum schickt er seinen Sohn.

Eine weitere Sicht auf das Heilsgeschehen

Am 21. November gedenken die Ostkirchen des Eintritts Mariens in den Tempel.

Diese weitere Sicht auf das Heilsgeschehen hat die orthodoxe Kirche auch im Advent. Darum trennt sie, anders als die lateinische Kirche, nicht so scharf zwischen Vor-, Haupt- und Nachfeier des Weihnachtsfestes. Schon am Hochfest Mariä Tempelgang sind weihnachtliche Klänge zu hören: "Christ wird geboren; rühmt ihn! Christus aus dem Himmel; geht ihm entgegen! Christus auf der Erde; erhebt euch! Singe dem Herrn, du Erde insgesamt, und mit Frohlocken preist ihn, ihr Völker, da er sich verherrlicht hat!" Maria wird also vorbereitet für ihre Mission: Mutter Gottes zu werden. Und die Ikone zeigt, auf welche Weise – durch Gebet und die "Speise" der Heiligen Schrift.

Das steht am Beginn des orthodoxen Advents. "Christus wird geboren, jauchzt und singt" klingt es darum ab dem 21. November in den Gottesdiensten. Wie im Westen sind Lieder der Sehnsucht und der Erwartung an den Sonn- und Feiertagen des Advents zu hören: "Bereite dich, Betlehem, öffne dich allen, du Garten Eden, schmücke dich Ephrata, denn der Lebensbaum entspross in der Höhle aus der Jungfrau: Ihr Leib nämlich erschien als geistiges Paradies darinnen die göttliche Frucht, von der wir essen und leben, nicht wie Adam sterben: Christ wird geboren, um das gefallene Bild wieder aufzurichten."

"Wir selbst sind Betlehem"

Archimandrit Irenäus Totzke, Benediktinermönch der niederbayerischen Abtei Niederaltaich, verdeutlicht: "Wir selbst sind Betlehem, unser eigenes Herz ist die Krippe, die zum Empfang des Herrn, zur erwarteten Gottesgeburt in uns bereitet werden soll."

In der Ostkirche ist der Advent aber auch eine Fastenzeit, die 40 Tage vor dem Weihnachtsfest beginnt und mit dem Aufstrahlen des ersten Sterns am Abend des 24. Dezember endet. Der Vortag von Weihnachten ist sogar ein strenger Fasttag, wie es im Orthodoxen Glaubensbuch heißt. Je mehr das Fest der Geburt Christi naht, um so stärker und intensiver wird die Erwartung. "So geht man mit der heiligen Jungfrau gewissermaßen zusammen Schritt für Schritt nach Betlehem, um zu erfahren, dass sie den urewigen Logos in der Höhle gebiert", erläutert Archimandrit Totzke.

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  1. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster2. Teil: Die besondere Stellung Mariens im Kirchenjahr und wenig idyllische Weihnachts-Darstellungen in der Osterkirche
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  3. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster Adventliche Ikone: Muttergottes des Zeichens
  4. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Advent und Weihnachten

Text: Norbert Göckener | Foto: Archiv
05.12.2007

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