Anzeige:
Werbung

kirchensite.de | Online mit dem Bistum Münster: Nachrichten aus der Kirche, katholischer Glaube, Spiritualität, Heiligenlexikon, Veranstaltungen, Seelsorge, Fürbitte, Bibelarbeiten, Dossiers.

. . . . .
Seite: Fragen + Glauben  >  Durch das Jahr  >  Kein Scherz: Päpstliche Steuer für den Karneval
26.08.2016
Artikel drucken
Logo kirchensite.
Karneval
Verkleidungen und Kostüme gehören für viele Menschen zum Karneval.

Kein Scherz:

Päpstliche Steuer für den Karneval

Die Steuer würde sicher auch heute begrüßt: Papst Sixtus IV. (1471-1484) ließ die Gehälter der Universitäts-Lektoren mit drei Prozent besteuern, um Karnevalsfeiern zu finanzieren. Die "längere Zeit gesteigerten Lebensgenusses" vor der strengen vorösterlichen Fastenzeit hatte und hat ihre Befürworter und Mitfeiernden in der katholischen Kirche. So lehnte es etwa auch Benedikt XIV. (1740-1758) ab, den Karneval zu verbieten. Und dies, obwohl die protestantische Praxis bewiesen hatte, dass es durchaus möglich war.

Die Reformatoren hatten das vorösterliche Fasten abgeschafft und wollten daher auch nicht das vorangehende "äußerst unfromme Spektakel" dulden, wie Martin Luther es bezeichnete. Die Katholiken hingegen hielten an der inneren Verbindung zwischen Fastnacht und Christentum fest. Das zeigen noch heute auch zahlreiche Feiern im Bistum Münster: Da empfängt der Bischof die Narren, da steigt der Kaplan beim Kolping-Karneval in die Bütt, und die Pfarrjugend beteiligt sich an närrischen Umzügen in der "fünften Jahreszeit".

Variantenreich ist die Herleitung des Wortes Karneval: "Domenica ante carnes tollendas" nannte die Kirche früher den "Sonntag vor der Fleischenthaltung". Die italienische Kurzfassung davon ist "carne vale" und bedeutet "Fleisch lebe wohl". Das Lateinische "carrus navalis" meint übersetzt einen Schiffskarren: Nach alten Sagen fährt die Frühlingsgöttin durch die Lüfte und auf dem Wasser und lässt den Frühling beginnen.

Mit öffentlichen Feiern, mit Tanz, Spiel, Verkleidungen und Umzügen setzt der Narr in der Karnevalszeit die bestehende Ordnung außer Kraft und verspottet sie.

Gastmähler, Trinkgelage, Reiterspiele und Tänzereien gehörten im 13. und 14. Jahrhundert zu den Fastnachtsbräuchen. Im Spätmittelalter kamen Maskenumzüge hinzu. Bedeutend für die Entwicklung des närrischen Treibens war, dass die Kirche selbst - besonders in Klöstern - das "carnelevamen", die "Fleischwegnahme", zuvor mit Festmählern und Unterhaltungen beging. Die Geistlichkeit billigte so den Wunsch der Laien nach "leiblichen Genüssen" vor der harten Fastenzeit und unterstützte die Entfaltung des Festes.

Einfluss übte auch der venezianische Karneval aus: In der Barockzeit fanden an den Fürstenhöfen prunkvolle Kostümfeste statt. Aus dem Italienischen wurde schließlich im 17. Jahrhundert die Bezeichnung "Karneval" übernommen.

Mit öffentlichen Feiern, mit Tanz, Spiel, Verkleidungen und Umzügen setzt der Narr in der Karnevalszeit die bestehende Ordnung außer Kraft und verspottet sie. Darauf deuten der Elferrat als "Gegenregierung" und die Übergabe der Rathausschlüssel. In satirischen Formen leisteten seit jeher die Karnevalisten Widerstand oder nahmen den Alltag "des kleinen Mannes von der Straße" aufs Korn.

Im 15. Jahrhundert richtete sich etwa der Spott gegen kirchliche Institutionen, und die Bürger verlachten die Bauern. Im 19. Jahrhundert verhöhnten die Jecken die französischen Besatzer im Westen Deutschlands. Und so gehören noch heute zeitkritische Elemente zu Prunksitzungen und Rosenmontagsumzügen.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Durch das Jahr
  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDurch das Jahr: "Wüstes und unsittliches Fastnachtstreiben"
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDurch das Jahr: Vierzigstündiges Gebet zur Fastenzeit
  3. Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche von A bis Z: Karneval

Text: Norbert Göckener | Fotos: Norbert Ortmanns, Archiv
Februar 2003

Kirche von A bis Z

Imprimatur: Kirchliche Druckerlaubnis.

Durch das Jahr

Das Erste Gebot – Bibelarbeit zu Deuteronomium 6, 4-9.

Mit der Bibel leben

Lass leuchten dein Angesicht!

Glaubens-ABC

Gedanken zum Thema Krankheit.

Heiligenlexikon

28. August: Der heiliger Augustinus ist unter anderem Patron der Theologen und Bierbrauer.

Geistlicher Impuls

Weltraum.

VIDEO-Tipp ...

Bistumsbilanz: "Weltjugendtag geht morgen weiter".

Bibelarbeiten

Die Bibelarbeiten befassen sich mit Schriftstellen aus dem Alten und Neuen Testament und eignen sich für die Gemeindearbeit und für die persönliche Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift.

Dossier Wallfahrt

Seit Jahrhunderten machen sich Christen auf den Weg, um unterwegs Gott ein Stück näher zu kommen.

Gebet für Verstorbene

Für den verstorbenen Ehepartner.

Studie

Einer von 20 Schülern verlässt im nordrhein-westfälischen Teil des Bistums Münster die Schule ohne jeden Abschluss.

Olympia

Im Interview zieht Diakon Rolf Faymonville Bilanz der Olympischen Spielen in Rio de Janeiro.

Pilgerstelle

Wer das Ziel der eigenen Glaubensfindung in den Vordergrund einer Reise rückt, kann seinen Weg auf einer Pilgerreise finden.

Notfallseelorge

Die Notfallseelsorge soll Betroffene nach Unglücken begleiten und stützen.

Glaubenswissen

Fegefeuer: Gerettet - aber noch in der Läuterung.

Heiligenkalender

28. August: Selige Adelinde.

Das Evangelium hören

Service für Sie

Facebook

RSS-Feed Topnews

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNewsticker für Ihr Web


Anzeigen-Sonderthema


Heiligenlexikon in "kirchensite.de"

im Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:

 

Kontakt

  kirchensite-Redaktion:
  redaktionkirchensite.de

  Technik:
  technikdialogverlag.de

Dialogversand