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Seite: Fragen + Glauben  >  Durch das Jahr  >  Kein Scherz: Päpstliche Steuer für den Karneval
01.06.2016
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Karneval
Verkleidungen und Kostüme gehören für viele Menschen zum Karneval.

Kein Scherz:

Päpstliche Steuer für den Karneval

Die Steuer würde sicher auch heute begrüßt: Papst Sixtus IV. (1471-1484) ließ die Gehälter der Universitäts-Lektoren mit drei Prozent besteuern, um Karnevalsfeiern zu finanzieren. Die "längere Zeit gesteigerten Lebensgenusses" vor der strengen vorösterlichen Fastenzeit hatte und hat ihre Befürworter und Mitfeiernden in der katholischen Kirche. So lehnte es etwa auch Benedikt XIV. (1740-1758) ab, den Karneval zu verbieten. Und dies, obwohl die protestantische Praxis bewiesen hatte, dass es durchaus möglich war.

Die Reformatoren hatten das vorösterliche Fasten abgeschafft und wollten daher auch nicht das vorangehende "äußerst unfromme Spektakel" dulden, wie Martin Luther es bezeichnete. Die Katholiken hingegen hielten an der inneren Verbindung zwischen Fastnacht und Christentum fest. Das zeigen noch heute auch zahlreiche Feiern im Bistum Münster: Da empfängt der Bischof die Narren, da steigt der Kaplan beim Kolping-Karneval in die Bütt, und die Pfarrjugend beteiligt sich an närrischen Umzügen in der "fünften Jahreszeit".

Variantenreich ist die Herleitung des Wortes Karneval: "Domenica ante carnes tollendas" nannte die Kirche früher den "Sonntag vor der Fleischenthaltung". Die italienische Kurzfassung davon ist "carne vale" und bedeutet "Fleisch lebe wohl". Das Lateinische "carrus navalis" meint übersetzt einen Schiffskarren: Nach alten Sagen fährt die Frühlingsgöttin durch die Lüfte und auf dem Wasser und lässt den Frühling beginnen.

Mit öffentlichen Feiern, mit Tanz, Spiel, Verkleidungen und Umzügen setzt der Narr in der Karnevalszeit die bestehende Ordnung außer Kraft und verspottet sie.

Gastmähler, Trinkgelage, Reiterspiele und Tänzereien gehörten im 13. und 14. Jahrhundert zu den Fastnachtsbräuchen. Im Spätmittelalter kamen Maskenumzüge hinzu. Bedeutend für die Entwicklung des närrischen Treibens war, dass die Kirche selbst - besonders in Klöstern - das "carnelevamen", die "Fleischwegnahme", zuvor mit Festmählern und Unterhaltungen beging. Die Geistlichkeit billigte so den Wunsch der Laien nach "leiblichen Genüssen" vor der harten Fastenzeit und unterstützte die Entfaltung des Festes.

Einfluss übte auch der venezianische Karneval aus: In der Barockzeit fanden an den Fürstenhöfen prunkvolle Kostümfeste statt. Aus dem Italienischen wurde schließlich im 17. Jahrhundert die Bezeichnung "Karneval" übernommen.

Mit öffentlichen Feiern, mit Tanz, Spiel, Verkleidungen und Umzügen setzt der Narr in der Karnevalszeit die bestehende Ordnung außer Kraft und verspottet sie. Darauf deuten der Elferrat als "Gegenregierung" und die Übergabe der Rathausschlüssel. In satirischen Formen leisteten seit jeher die Karnevalisten Widerstand oder nahmen den Alltag "des kleinen Mannes von der Straße" aufs Korn.

Im 15. Jahrhundert richtete sich etwa der Spott gegen kirchliche Institutionen, und die Bürger verlachten die Bauern. Im 19. Jahrhundert verhöhnten die Jecken die französischen Besatzer im Westen Deutschlands. Und so gehören noch heute zeitkritische Elemente zu Prunksitzungen und Rosenmontagsumzügen.

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Text: Norbert Göckener | Fotos: Norbert Ortmanns, Archiv
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