
- Andenkenbilder an die Erstkommunion.
Interview mit Bischof Lettmann aus Anlass des Festes
"Herz-Jesu-Verehrung ist sehr konkret"
Bistum. Pius IX. führte 1856 ein Herz-Jesu-Fest für die ganze Kirche ein, das am zweiten Freitag nach Fronleichnam begangen wird. Leo XIII. weihte 1899 die Welt dem Herzen Jesu. Viele verbinden mit der Herz-Jesu-Verehrung Darstellungen aus dem vergangenen oder dem 19. Jahrhundert, die nicht selten als süßlich oder kitschig bewertet werden. Zur Bedeutung dieser Frömmigkeitsform befragte "kirchensite.de" Bischof em. Reinhard Lettmann.
"kirchensite.de": Ist Herz-Jesu-Verehrung eigentlich noch zeitgemäß?
Bischof Reinhard Lettmann: Mir fiel in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf, wie der damalige Bundeskanzler Willy Brandt von Barmherzigkeit sprach. Da war auf einmal dieses Wort wieder da: Barmherzigkeit. Und das ist genau das, worum es eigentlich in der Herz-Jesu-Verehrung geht.
"kirchensite.de": Warum ist Ihnen der Gedanke der Barmherzigkeit so wichtig?
Lettmann: Wir sagen schnell "Das tut er ja bloß aus Gnade und Barmherzigkeit" und vergessen dabei, dass Menschen davon leben. Wir leben von Barmherzigkeit.
"kirchensite.de": Woher rührt die Herz-Jesu-Verehrung theologisch?
Lettmann: In der Bibel gibt es verschiedene Stellen, die sagen, dass Jesus im Herzen berührt war: Er sieht, dass Menschen Hunger haben. Ein zweites Mal wird dieses Wort verwendet, als Jesus erkennt, dass da Menschen sind, die keine Orientierung haben, keinen Sinn für ihr Leben finden. Dann kommt es im Gleichnis vom verlorenen Sohn vor: Der Vater ist im Herzen berührt, als der Sohn zurückkommt.
"kirchensite.de": Was bedeutet das für die Herz-Jesu-Verehrung?
Lettmann: Das sind urmenschliche Situationen, die uns Jesus zeigen. Damit sind es Situationen, wie wir sie selber kennen und in denen wir in besonderer Weise gefragt sind: Der Hunger in der Welt oder die Beratung von Orientierungslosen – nicht nur in Beratungsstellen, sondern auch im persönlichen Umgang mit anderen. Oder die Sorge um die Kranken, nicht nur in Krankenhäusern, sondern überall – bis hin zum Sterben. Da erschließt sich dann der eigentliche Sinn der Herz-Jesu-Verehrung, indem wir sagen "Bilde unser Herz nach deinem Herzen".
"kirchensite.de": Geht es also darum, das Grundgefühl, das Jesus für die Menschen hatte, nachzuempfinden?
Lettmann: Gott hat ein Herz für die Menschen. Das erkennen wir im offenen Herzen seines Sohnes – das offene Herz Jesu in all diesen Situationen, von denen die Bibel berichtet, aber eben auch das offene Herz Jesu am Kreuz. Deshalb ist das Kreuz das eigentliche Herz-Jesu-Bild.
"kirchensite.de": Wie lässt sich heute Herz-Jesu-Verehrung praktizieren?
Lettmann: Man muss sich ein bisschen frei machen davon, dass man das Herz Jesu als körperliches Organ sieht. Wir sollten die ganze Person im Blick haben: die Person Jesu Christi, eine Person mit einem Herzen für den Menschen. Wir haben allen Grund, in unserer Zeit darauf zu achten, dass unsere Welt nicht kälter wird. Bei aller Technisierung darf die Mitmenschlichkeit nicht verloren gehen. Das ist das Herz, das wir einbringen müssen ins Zusammenleben der Menschen. Und das können wir von Jesus in der Herz-Jesu-Verehrung lernen.
"kirchensite.de": Ist die Herz-Jesu-Verehrung etwas Praktisches?
Lettmann: Die Herz-Jesu-Verehrung ist sehr praktisch: Es ist ja sehr konkret, wenn sich Menschen mit Herz begegnen.
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