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Seite: Fragen + Glauben  >  Durch das Jahr  >  31. Oktober: Halloween - Ein importiertes Gruselfest
18.10.2017
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Halloween-Masken
Halloween-Masken.

Halloween:

Ein importiertes Gruselfest

"Gib uns Süßes oder Saures, sonst…" Bald ist es wieder so weit: Kinder ziehen in gruseliger Verkleidung von Haus zu Haus. Eltern fragen sich: Wie soll man mit Halloween umgehen? Diplom-Theologe Georg Bienemann regt an, Halloween zum Anlass für Fragen um Leben und Sterben zu nehmen.

Wie wollen wir mit dem Trend umgehen, dass Halloween "fast gleich wichtig" in die Abfolge der Festzeiten und Festtage eingereiht wird? Wenn von einer kirchlich orientierten Gruppe, einer kirchlichen Einrichtung oder von kirchlich engagierten Personen Halloween unkritisch als Festidee und Spielidee übernommen wird, spätestens dann wird das Gespräch darüber notwendig. Was "bedient" Halloween? Ist Halloween nur eine Art Winterkarneval oder worum mag es sonst noch gehen? Es scheint ein großes Bedürfnis nach Festen zu geben, die "etwas verrückt" sind, die den Alltag für kurze Zeit vergessen lassen, wo Menschen ausbrechen können aus gewohnten Rollen und Verhaltensweisen. Bedient Halloween dieses Bedürfnis?

Halloween und Esoterik

Auf dem Markt neuer religiöser Erfahrungen wird so manches angeboten, das rational kaum nachvollziehbar ist. Aber das ist ja gerade das Dilemma: Weltanschaulich aufgeklärt wurden Mythen und Rituale aus dem Glaubenshaus vieler "ausgerümpelt". Und nun stellen wir seit einem knappen Vierteljahrhundert fest: Manches ist neu aufbereitet wieder da.

Viele glauben, dass die Welt von Geistern beeinflusst wird

Es geht um Macht und Magie, simple Rezepte der Lebensbewältigung, um einfache Mittel der Gewaltenbeeinflussung, Zauberei, Kräuter- und Energierezepturen, Lichtwesen werden gerufen, der Astralleib wird zum Ausgangspunkt der Grenzüberschreitung von hier zum Jenseits, Feinstofflichkeit lässt Energien fließen, wahrsagerische Techniken werden ausprobiert. Das Durchbrechen von Naturgesetzen ist angesagt – alles und allem zum Trotz. Die Zeit der Magie, der Magier und der weisen Frauen, der Hexen ist wieder da. Ist Halloween die spielerische Seite dieser Entwicklung?

Halloween und heutiger Geisterglaube

Die Welt schien entzaubert, so nahmen es bekannte Soziologen an. Nun aber wird sie neu verzaubert. Zum Weltbild mancher gehört der Geisterglaube (ja der Glaube). Etwa um 1985 riefen Jugendliche und auch Erwachsene "ihre" Geister. Spiritismus in häufig sehr banaler Weise hielt Einzug und breitete sich fast flächendeckend aus. Das hat sich in den letzten zehn Jahren beruhigt. Aber zurückgeblieben ist doch die Einschätzung vieler Menschen, auch junger Menschen, dass unsere Welt tatsächlich von Geistern beeinflusst wird. Aus den Spukgeschichten meiner Kindheit (die alle eine natürliche Aufklärung fanden) wurden in späteren Generationen Spukberichte mit realokkulten Mächten. So frage ich mich: Ist Halloween bei uns das Überbleibsel dieser Zeit und dieser Gläubigkeit? Wird hier ein Rest spiritistischen Denkens deutlich?

Halloween und Tod

Eine mögliche Funktion der neuen Erscheinungsweise unseres Halloween mag auch mit dem Thema Tod zu tun haben. Es scheint mir nicht mehr zuzutreffen, dass der Tod kollektiv und absolut verdrängt bzw. ausgegrenzt wird. Deutliche Anzeichen lassen hoffen, dass wir es mit einem bestimmten – wenn auch zaghaften – Umschwung zu tun haben: Eine der neuen großen Bewegungen unserer Zeit ist die Hospizbewegung. Immer mehr Menschen entdecken, wie wichtig das menschliche und menschenwürdige Sterben ist. Viele machen sich Gedanken, ob sie nach ihrem Tod Organe spenden wollen. Viele haben bereits eine so genannte Patientenverfügung aufgesetzt. Immer mehr Menschen erinnern sich an die eigene Begrenztheit. Das alles ist eine große Chance für mehr Menschlichkeit. Kann Halloween am Abend vor Allerheiligen und zwei Tage vor Allerseelen die spielerische Möglichkeit sein, sich (ohne Lebensangst) mit dieser unserer Endlichkeit auseinander zu setzen? Bedarf es manchmal nicht der Ironie des Clowns, um die Realität anschauen zu können?

Die Chance nutzen

Aus all dem wird deutlich: Wir machen es uns zu einfach, wenn wir Halloween rundweg als "importierten Brauch" ablehnen. Kritik ist berechtigt. Das "Kommerz-Halloween" in kirchlichen Einrichtungen einzuführen bzw. als neue Variante im Jahreskreis unter dem Motto "Wir gehen ja mit der Zeit" zu nutzen, ist problematisch. Ich kann nur abraten. Die christliche Botschaft von einem Leben nach dem Tod hat nichts mit Vampiren, halbtoten Zombies und Furcht erregenden Geistern zu tun. Dies sind Vorstellungen spiritistischer Gläubigkeit. Hier wäre anzusetzen. Es geht um die Würde unserer Verstorbenen. Wir lassen sie nicht zu Karikaturen werden und möchten auch nicht, dass sie dazu gemacht werden – auch nicht "nur so zum Spaß". Aber wie kann Halloween (gegen den beschriebenen Trend) begangen werden? Dazu ein Praxisbeispiel: Am Abend vor Allerheiligen treffen sich Jugendliche zu einem Gang zum Friedhof, um dort ihrer Toten zu gedenken. Eine Liturgische Nacht zum Thema "Halloween – wir feiern das Leben" wird angeboten. Zur Party im Jugendheim werden Fotos wichtiger Verstorbener mitgebracht. Jeder erzählt etwas über den, an den er sich besonders erinnern will. Wir lassen die Toten bei uns Lebenden, auch bei unseren Festen haben sie einen Platz. Viele weitere Ideen können entstehen. Die Auseinandersetzung mit dem "Gruselfest" kann österliche Impulse freisetzen.

Halloween gehört auf den Dienstplan der Ministranten

Daher noch eine Anregung für die Ministrantengruppen, die ja immer wieder mit dem Tod konfrontiert werden. Denn der liturgische Dienst bei einer Beerdigung ist nicht Hilfe zur "frommen Entsorgung", sondern österliche Bekundung angesichts der Erfahrung von Begrenztheit und Trauer vieler. Ministranten benötigen dabei Unterstützung und spirituelle Begleitung. So gesehen gehört alles, was mit Halloween zu tun hat, auf den Dienstplan der Ministranten. Und mit ein wenig Ideenreichtum lassen sich auch hilfreiche Umgangsweisen für die religionspädagogische Arbeit in Kindergärten und anderen Institutionen entwickeln. Auf dem Hintergrund einer christlichen Überzeugung von Leben, Tod und Auferstehung erfährt ein durch und durch kommerzialisiertes und spiritistisch angehauchtes Fest seine Alternativen und Trendkorrekturen.

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Text: Georg Bienemann, Diplom-Theologe, Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Nordrhein-Westfalen in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben | Foto: Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH
29.10.2003

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