
- Der ausgehöhlte Kürbis ist zu Halloween in vielen Fenstern zu sehen.
Halloween
Wenn Jugendliche mit dem Tod tanzen
Bistum. Fest und Bräuche entwickeln sich zuweilen eigenartig. "Halloween" ist so ein Fest. Ursprünglich ein heidnisch-keltischer Brauch wurde es in Folge der Christianisierung mit einem kirchlichen Feiertag verknüpft. In Amerika kommerzialisiert schwappt Halloween zurück über den großen Teich. Gerade Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene feiern auf Partys hierzulande Halloween - und das mit dem größten Vergnügen.
Dennoch sucht man den "erhobenen Zeigefinger" bei dem Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat, Domvikar Stefan Sühling, vergeblich. Für ihn lohnt die Auseinandersetzung mit dem Fest und seinen Anhängern. "An Halloween tanzen die Jugendlichen symbolisch mit dem Tod", meint er. Fest und Brauchtum haben für ihn viel mit der Botschaft von Allerheiligen und Allerseelen zu tun, und wie einst die iro-schottischen Mönche möchte auch er, dieses Brauchtum "taufen".
Die Kelten begingen seinerzeit Ende Oktober den Jahreszeitenwechsel: Am Ende der Sommerzeit trat nach ihrer Vorstellung das Lebens für ein halbes Jahr die Herrschaft an den Todesfürsten "Samhain" ab. Sie glaubten, dass sich dann die Toten unter die Lebenden mischen konnten, aber auch, dass ein Kontakt zu Verstorbenen leichter war.
Die Iren zogen sich möglichst grauslig und abschreckend an, damit die Toten an ihnen vorbeigingen und sich ihrer nicht bemächtigten. Das Fest bekam seinen noch heute gebräuchlichen Namen von den christlichen Missionaren - "Halloween" bedeutet "Vorabend von Allerheiligen". In Amerika zünden die Menschen in ausgehöhlten Kürbisköpfen Lichter an. Handel und Industrie merkte schnell, dass sich viel Geld mit dem Fest verdienen lässt.
Keine Angst vor dem Tod
Mit Blick auf die Entstehungsgeschichte hält es Seelsorgeamtsleiter Sühling für fatal, "Halloween als ein Fest für Hohlköpfe abzutun oder zu verdammen". Er sieht darin vielmehr einen der seltenen Zeitpunkte, dass sich junge Menschen, wenn nicht gerade ein Sterbefall im näheren Umfeld zu beklagen ist, mit dem Thema Tod und Trauer auseinandersetzen.
Und diese Chance gelte es zu nutzen. Wenngleich dies zwar auf einer Halloween-Party wohl nicht möglich ist, so sieht der Priester sehr wohl die Möglichkeit, im Rahmen der Jugendarbeit diesen neuen Brauch und was dahinter steckt zu thematisieren. Dann könnte zur Sprache kommen, was die christliche Botschaft zum Tod und dem Danach sagt: "Unser Gott ist größer als Leben und Sterben, und darum muss ich keine Angst vor dem Tod haben, denn auf mich wartet eine große Zukunft."
Der Geistliche sieht deshalb in dem Fest eine offene Tür zu den jungen Menschen, eine Chance "mit der Hoffnung des Glaubens ganz nahe an die Lebenswelt der Jugendlichen heranzukommen". Denn: "Ich hoffe doch, dass der enge Kontakt zu den Jugendlichen besteht. Halloween wird diesen Kontakt nicht verbessern, aber es ist die Möglichkeit den engen Kontakt zu nutzen für das Gespräch über die Hoffnung, die über den Tod hinausgeht.
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Text: Norbert Göckener | Foto: Michael Bönte
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