
- Das letzte Abendmahl nahm den Karfreitag schon vorweg und deutete ihn: Jesu Leib für die Sünden der Welt. (Im Bild: Das Abendmahl von Juan de Juanes; um 1523.)
Gedanken zum Fronleichnamsfest
Ein völlig unerwarteter Sieg
Erinnern Sie sich noch? Vor nicht einmal zehn Wochen haben wir den Gründonnerstag gefeiert - oder wohl besser begangen. Denn irgendwie lag schon der Schatten des Karfreitags über ihm. Verrat, Gefangennahme und Haft gehören dazu - aber eben auch das letzte Abendmahl, das Ereignis, das den Karfreitag schon vorwegnahm und deutete: Jesu Leib für die Sünden der Welt, aber auch Christi Sieg über den Tod. Und das Versprechen bleibender Gegenwart in der Eucharistie.
Am kommenden Donnerstag feiern wir Fronleichnam, das Hochfest des Leibes und Blutes Christi. Eine große Weiterfeier des österlichen Geheimnisses. Und deshalb gibt es einen Empfang und einen Triumphzug durch die Gemeinde, denn nichts anderes soll die Fronleichnamsprozession sein. Kein verschämter Gang durch Städte und Dörfer, sondern überschäumender Jubel über einen wirklichen Sieger. Der Prozession wurde noch vor Jahren das Etikett "katholischer Triumphalismus" und "ökumenische Provokation" angeheftet - mancherorts entledigte man sich ihrer oder dampfte sie gehörig ein. Schade.
Es gibt etwas zu feiern
Denn wenn es etwas zu feiern gibt, dann doch gerade an Fronleichnam: Es ist die Erinnerung an den Sieg über den Tod, die begeisterte Freude - nicht über einen letztlich geschlagenen Zweiten, sondern über den Sieger, den Besten schlechthin. Ein ungeahnter Sieg, der gewaltiger nicht hätte ausfallen können und der Menschen glücklich macht - und das dürfen sie auch zeigen. Tun wir es? - Tun wir es! Warum?
- Dieses Fest richtet den Blick auf eine größere Perspektive: das Leben mit Gott und in Gott - denn Kommunion meint volles Einssein mit Gott, dem Glück schlechthin.
- Freude steckt an: Der österliche Jubel über die bleibende Gegenwart des Siegers über den Tod wirkt überzeugender als die x-te Diskussionsveranstaltung.
- Feiern tut gut. Es hebt unseren Kopf über das Alltagseinerlei und lässt Gemeinschaft erleben.
Fronleichnam kann eine Demonstration sein - nicht gegen etwas, schon gar nicht gegen ein anderes christliches Bekenntnis. Fronleichnam muss eine Demo für etwas sein: Für den Sieger, dem seine begeisterten "Fans" einen Empfang geben wie einem Weltmeister, ja mehr - dem Herrn der ganzen Welt. Eine Kundgebung mit Pauken und Trompeten, mit Blumen, Fahnen und Wimpeln, mit Bildern des Siegers an Straßen und Häusern.
Alles wagen
Was Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert dichtete, gilt auch heute: "Was du kannst, das sollst du wagen, ihm gebührend Lob zu sagen, hat kein Mensch genug getan."
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Text: Norbert Göckener | Foto: Archiv
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