
- Fronleichnam mit der Verehrung der Eucharistie gilt als ein Sinnbild gelebten Christentums.
Fronleichnam:
"Demo" des Glaubens und typisch katholisch
Prachtvoll und mit einem bewusst öffentlichen Charakter feiert die Kirche den Fronleichnamstag als "Hochfest des Leibes und Blutes Christi". Keine Mühen werden gescheut, diesen Tag besonders glanzvoll zu gestalten: Nachbarschaften bauen Segensaltäre. Die Straßen, durch die die Prozessionen mit Musik und Gebet und unter Beteiligung vieler hundert Christen ziehen, sind mit Fahnen und Wimpeln geschmückt.
Einige Gläubige stellen auch Kreuze oder Heiligenstatuen vor die Haustür, die sie mit Blumen und Kerzen schmücken. Fest und Brauchtum sind sehr alt: Vor mehr als 750 Jahren wurde dieses typisch katholische Fest zum ersten Mal gefeiert.
"Lichnam" bezeichnet den lebendigen Leib
Die Bezeichnung "Fronleichnam" stammt aus dieser Zeit - aus dem Mittelhochdeutschen: "Fron" bedeutet "Herr", und "Lichnam" bezeichnet den lebendigen Leib und nicht etwa die "Leiche". Das Fest hat die Verehrung des Altarssakramentes zum Inhalt: der nach katholischem Verständnis bleibenden Gegenwart Jesu Christi in der Eucharistie. Denn die Katholiken glauben, dass in der Messe Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandelt werden und Gott darin gegenwärtig ist.
Am eigentlichen Einsetzungstag der Eucharistie, dem Gründonnerstag, legen Trauer und Schmerz über das bevorstehende Leiden und Sterben Christi der Kirche eine eher verhaltene Feier nahe. Neun Wochen später kommt die damit verbundene große Freude zur vollen Entfaltung.
Die Vision einer Nonne...
Die Entstehung des Festes geht auf die Nonne Juliana von Lüttich zurück: 1209 sah die Heilige in einer Vision den Mond mit einem dunklen Fleck; in weiteren Visionen wurde der Mond als das Kirchenjahr gedeutet und der Fleck als Fehlen eines eigenen eucharistischen Festes.
Dadurch angeregt, führte Bischof Robert von Lüttich 1246 das Fronleichnamsfest in seiner Diözese ein. Papst Urban IV., der zuvor Erzdiakon in Lüttich war, ordnete es 1264 für die ganze Kirche an. Noch im 13. Jahrhundert wurde in Prozessionen am Fronleichnamstag die verwandelte Hostie mitgeführt. Besonders zu Zeiten der Gegenreformation wurde daraus eine prunkvolle Demonstration des katholischen Glaubens - mitunter nicht ohne aggressive Züge gegenüber dem Protestantismus.
Ein Bekenntnis zum Glauben
Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Heute ist eine Fronleichnamsprozession keineswegs eine Demonstration "gegen jemand", sondern wird von der katholische Kirche als ein Bekenntnis zum Glauben gesehen. Der münsterische Dompropst Josef Alfers erklärte dies einmal so: "Wir sind als Volk Gottes unterwegs in dieser Zeit und wir leben von der Gegenwart Gottes in unserer Mitte."
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Text: Norbert Göckener | Fotos: Michaela Kiepe, Andreas Lechtape
16.06.2003
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