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29.06.2017
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Schutzmantelmadonna.
Ukrainische Ikone der Schutzmantel-Madonna aus dem 17. Jahrhundert von Pokrova Bogorodyzi.

Fest Mariä Namen und Rosenkranzfest

Maria und die Türken

Sie hatten den Spieß umgedreht: Nachdem im Mittelalter christliche Ritter zur Eroberung der heiligen Stätten in Palästina angetreten waren und in mehreren Kreuzzügen dem Nahen Osten Tod und Verwüstung brachten, setzten im 17. Jahrhundert die Muslime zur Eroberung des christlichen Abendlandes an. Zwei Marienfeste haben ihren Ursprung in dieser Zeit, was heute vielfach in Vergessenheit geraten ist.

Am 12. September begeht die katholische Kirche den Gedenktag Mariä Namen. Ein Spezifikum im deutschsprachigen Raum, denn die Weltkirche strich das Fest, weil sie darin eine Doppelung der am 8. September gefeierten Geburt Mariens sah.

Frauen- und Männername

Als "nicht geboten" im liturgischen Kalender vermerkt, ist er für Viele ein hoher Feiertag, nämlich ihr Namenstag. Vor allem in katholischen Gegenden tragen seit Jahrhunderten viele Frauen und Mädchen den Namen der Gottesmutter; als zweiter Name wird er auch für Männer genutzt. Noch vor Jahren etwas aus der Mode geraten, erlebt der Name "Maria" und "Marie" seit Mitte der 1980-er eine Renaissance.

Wie entstand der Festtag? - Rückblende: Im Sommer 1683 belagerten osmanische Truppen Wien, die Hauptstadt des Habsburger Reiches und das Tor nach Westeuropa. Es war bereits der zweite Angriff auf die Stadt; schon 1529 standen die Türken vor Wien.

Ungleiches Kräfteverhältnis

Darstellung der Türken vor Wien von Józef Brandt. (1941-1915)

Dramatisch war die Lage im 17. Jahrhundert und ein Trauma für Europa: Die Angaben über die Truppenstärke sind sehr unterschiedlich: einige Quellen sprechen von 120.000 Soldaten des Osmanischen Reiches, andere gar von 150.000 bis 350.000. Ihnen stand das noch vom Dreißigjährigen Krieg zerrüttete "Heilige Römische Reich deutscher Nation" mit seinen Verbündeten aus Polen-Litauen, dem Kirchenstaat und Venedig entgegen.

In der Stadt sollen sich zwischen 16.000 und 30.000 Soldaten verschanzt haben; die Stärke des Heeres, das die Stadt befreien sollte, wird mit bis zu 70.000 Soldaten angegeben. Mithin: ein ungleiches Kräfteverhältnis. Die Belagerung verlangte den Wienern, die nicht die Flucht ergriffen hatten, alles ab. Die Lebensmittel wurden knapp, die Türken unterminierten die Befestigungsanlagen. Unterstützt wurden sie von französischen Ingenieuren; Frankreich unter dem "Sonnenkönig" Ludwig XIV. war seinerseits dem deutschen Kaiser feindlich gesonnen.

Rettung und Schutz

Der Anmarsch des christlichen Heeres lief nur schleppend an; die Türken wollten schon zum entscheidenden Schlag gegen die Donau-Metropole ausholen. Vor der Schlacht riefen die christlichen Soldaten Maria um ihre Hilfe und ihren Schutz an. Am Morgen des 12. September 1683 folgte dann der Angriff. Die gesamte christliche Streitmacht ging zum Generalangriff über, denn auch die Wiener begannen ihrerseits mit einer Offensive, als die Schlacht sich zugunsten der Christen wendete. Das Türkenheer flüchtete überstürzt. Papst Innozenz XI., der 1956 selig gesprochen wurde, machte den 12. September zum Festtag des Namens Mariens für die ganze Kirche.

So fern dieses Geschehen, so weit weg ist es dem Bewusstsein der Gläubigen heute. Die Liturgie vermittelt dennoch Zugänge zu dem Festgeheimnis, denn sie sieht Maria im heilsgeschichtlichen Geschehen. Im Tagesgebet des Gedenktages heißt es: "Gott, unser Retter, der Name der seligen Jungfrau Maria ist für uns ein Zeichen der Hoffnung geworden", denn sie hat Jesus "den Retter" geboren, wie es der Engel den Hirten von Betlehem verkündete.

Gemälde von Peter Brünniche (1739-1814) aus dem Jahr 1762 mit dem Titel "Seeschlacht von Lepanto".

Im münsterschen Bistumsanhang des "Gotteslob" findet sich ein Mariä-Namen-Lied: "Maria, wir verehren den heilgen Namen dein". Auch hier wird auf ihre besondere Bedeutung im Heilsgeschehen verwiesen: "Heilige Maria, uns zum Heil geboren, dich begrüßen groß und klein, loben dich, Maria rein!" Den Gedanken an die "Schutzherrin" Maria hält das Gebet "Unter deinen Schutz und Schirm" wach.

Der Rosenkranz und die Seeschlacht bei Lepanto

An die längst vergangene Gefahr für das christliche Abendland und ein blutiges Gemetzel erinnert auch der Gedenktag "Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz" am 7. Oktober. Die Seeschlacht bei Lepanto, einer Meerenge in der Nähe des griechischen Patras, stellt den historischen Hintergrund dar.

Auch am 7. Oktober 1571 waren die Christen den Osmanen zahlenmäßig unterlegen. Die christlichen Mittelmeermächte mit Spanien an der Spitze errangen den ersten Sieg gegen das Osmanische Reich. Mit insgesamt etwa 200.000 Soldaten war es die größte Seeschlacht der damaligen Zeit. Die so genannte Heilige Liga mit Spanien und Venedig an der Spitze verlor in der Schlacht fast 8.000 Soldaten; auf osmanischer Seite starben rund 30.000 Mann, wie es in Geschichtsbüchern heißt. Damit war der Nimbus der Unbesiegbarkeit der osmanischen Mittelmeerflotte gebrochen.

Moderne Waffen oder Gebet?

Papst Pius V. schrieb den Sieg der Hilfe zu, die er im Rosenkranzgebet erfleht hatte; Historiker verweisen auf modernere Schiffstypen und schwerere Waffen der christlichen Flotte. Wie beim Fest Mariä Namen ist heute den meisten der historische Bezug fremd; er erschwert vielen eher einen Zugang.

Der Gedenktag selber hingegen bietet den Katholiken Hilfen für ein tieferes Verstehen des Glaubens. "Maria bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach", heißt es am Ende des Weihnachtsevangeliums bei Lukas. Dies ist kurz gefasst Sinn und Zweck des Rosenkranzgebetes, das bereits im Mittelalter entstand.

Betrachten und meditieren

Albrecht Dürer: Das Rosenkranzfest. Dargestellt ist die Mutter Gottes auf einem von Putten gehaltenen Baldachinthron. Maria, das Christuskind, der heilige Dominikus, dem die Entstehung der Rosenkranzandacht zugeschrieben wird, und weitere Putten verteilen Rosenkränze an eine Menschenmenge, die von Kaiser und Papst angeführt wird.

Jesus warnte in der Bergpredigt davor "zu plappern wie die Heiden". Mehr oder weniger aufgeklärte Zeitgenossen werfen dies auch heute Rosenkranzbetern vor. Die Gefahr besteht zweifellos. Richtig verstanden unterstützt das Rosenkranzgebet jedoch, die Geheimnisse von Menschwerdung, Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu im betrachtenden Gebet tiefer zu verstehen.

Nach Ansicht des Benediktiners Gerhard Voss (Niederaltaich) kann das Gebet des Rosenkranzes helfen, in einen "Ruhe, Zuversicht und Freude des Herzens vermittelnden Schutzraum Gottes einzutreten". Im schlichten meditativen Wiederholen der Gebete vor Gott – ohne intellektuelle Anstrengungen – kann sich der Gläubige dem auszuliefern, "dem kein Ding unmöglich ist", wie es der Engel Gabriel Maria versicherte.

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Text: Norbert Göckener | Fotos: Renovabis, Archiv
10.09.2009

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