
- Das Fasten ist Teil der Vorbereitung auf die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.
Fastenzeit:
"Bedenke Mensch, dass du Staub bist"
Bistum. Fasten ist in! Frauenzeitschriften überbieten sich mit Erfolgsversprechen und preisen ihre Abmagerungskuren an: Alles "super easy", natürlich lecker und stark gewichtsmindernd - zumindest für 14 Tage. Doch das Fasten ist keine Erfindung figurbetonter Supermodels und ihrer publizistischen Verehrer in Boulevard- und Regenbogenpresse.
Die großen Weltreligionen praktizieren den freiwilligen Verzicht auf Nahrung - die Juden ebenso wie die Muslime, deren Ramadan auch in Deutschland bekannt ist. Sehr alt ist auch der Brauch eines Trauerfastens vor dem christlichen Osterfest: Seit dem 2. Jahrhundert ist dies in der Kirche Praxis.
Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 kannte bereits die 40-tägige Vorbereitungszeit vor dem Fest der Auferweckung Jesu von den Toten. Vorbild hierfür war Jesus selbst, der 40 Tage nach der Taufe im Jordan auf Nahrung verzichtete, wie die Evangelisten Matthäus und Lukas berichten.
Sonntag ist fastenfrei
Ursprünglich begann die Fastenzeit am sechsten Sonntag vor Ostern. Doch die alte Kirche konnte sich den Sonntag nur als Festtag vorstellen, an dem man schließlich auch nicht fastete. So wurde im 5. Jahrhundert die Zahl der wirklichen Fasttage auf 40 erhöht: Man zählte auch Karfreitag und -samstag hinzu und zog den Beginn auf den (Ascher-)Mittwoch vor dem 6. Sonntag vor Ostern.
Den Namen "Aschermittwoch" hat dieser Tag von der Praxis der öffentlichen Buße, wie sie die Kirche damals kannte: Danach mussten "Kapitalsünden", wie etwa Glaubensabfall, Mord oder Ehebruch, öffentlich gesühnt werden. Die Büßer legten ein Bußgewand an und wurden mit Asche, dem Zeichen der Vergänglichkeit, bestreut. Daraufhin trieb man die "Sünder" - in Analogie zur Vertreibung aus dem Paradies - aus der Kirche und nahm sie erst am Gründonnerstag wieder auf.
Im 10. Jahrhundert entfiel die öffentliche Kirchenbuße. Was blieb, war der Ritus der Aschenbestreuung. Seit dem 12. Jahrhundert wird dazu die Asche der im Vorjahr am Palmsonntag benutzten Palmzweige verwandt.
Zeichen für Vergänglichkeit
Die Asche wird noch heute in Gottesdiensten in den Gemeinden des Bistums Münster gesegnet, anschließend den Gläubigen damit ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet mit den Worten: "Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst." Dies wird noch heute als ein Zeichen für Vergänglichkeit, Trauer und Buße gesehen.
Als "strenge" Fasttage sind in der katholischen Kirche lediglich der Aschermittwoch und der Karfreitag als Todestag Jesu verblieben: Der Gläubige soll sich dann nur einmal am Tag satt essen und von Fleischspeisen absehen.
Das Fasten der alten Kirche in der Zeit vor Ostern war strenger. Es bestand darin, dass die Christen sich mit einer Mahlzeit meist am Abend begnügten sowie auf Wein und Fleisch verzichteten. Später enthielten sie sich auch der Milch, Butter und Eier. Motive für den Verzicht waren damals und sind auch heute die Taufvorbereitung sowie die Erinnerung daran.
Gestaltung ist variantenreich
Das letzte Konzil empfahl zudem eine größere Offenheit für biblische Texte, häufigeren Gottesdienstbesuch und die praktische Nächstenliebe. In vielen Pfarreien der Diözese werden zudem weitere Schwerpunkte gesetzt: "Fasten für den Frieden", "Solidaritätsfasten" oder Fasten zugunsten der "Dritten Welt" sind Beispiele dafür. Die Gestaltung der "österlichen Bußzeit" ist variantenreich: Kinder verzichten auf Süßigkeiten, Erwachsene auf Fernsehkonsum, wieder andere lassen öfter das Auto in der Garage. All dies als individuelle und zeitgemäße Zeichen des Verzichts in der Fastenzeit.
In der Gottesdienstgestaltung der katholischen Kirche findet der Bußcharakter ebenfalls seinen Ausdruck: Es fehlen die feierlichen Gesänge des Gloria und des Halleluja. Priester (und oft auch Messdiener) tragen violette Gewänder als Zeichen für Buße und Umkehr. Die Kirchräume sind in der Fastenzeit ebenfalls spärlicher oder gar nicht geschmückt.
Zwei Wochen vor Ostern werden sogar die Kreuze verhüllt als eine Art "Fasten des Auges", um am Karfreitag neu gesehen, den Blick auf die Mitte des christlichen Glaubens zu öffnen: die Feier von Tod und Auferstehung Jesu.
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Text: Norbert Göckener | Fotos: Michael Bönte, Archiv
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