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Seite: Fragen + Glauben  >  Durch das Jahr  >  Erntedank: Spiritualität des Essens
18.12.2017
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Festtafel
Ein festlich gedeckter Tisch lädt zum verweilen ein.

Erntedank: Von der Spiritualität des Essens

"Ich hab' Hunger" oder die Einladung zum geistlichen Bankett

Unruhen in Entwicklungsländern: Menschen rebellieren wegen immer teurerer Lebensmittel und drohendem Hunger. Das Kontrastprogramm in den reichen Industriestaaten: TV-"Kochshows" erleben einen Boom, Edel-Restaurants und Sterneköche finden viele Gäste, Nahrungsmittel werden sogar zu Energiequellen. Zweifelsohne: Die Nahrungsmittelverteilung und der Umgang mit Lebensmitteln ist eine ethische Frage – aber ist es auch eine spirituelle? Was hat der Glaube mit dem Essen zu tun?

"Der Mensch ist, was er isst" - Gesundheitsfanatiker, Gourmets und Umweltschützer gleichermaßen gebrauchen diese dem Philosophen Ludwig Feuerbach (1804-1872) zugesprochene Aussage. Leckerschmecker nutzen das Zitat als Argument, sorgfältig darauf zu achten, was man so verspeist. In der gehobenen Populär-Philosophie hingegen will man mit dem Satz sagen: Der Mensch ist nichts anderes als sein Essen – nämlich Materie. Und wer hat Recht?

Essen, um zu leben

Wer in den ersten Seiten der Bibel liest, stellt schnell fest: Der Mensch wird als ein hungriges Wesen geschildert. Zu Beginn des Buches Genesis gibt Gott dem Menschen die Weisung, sich zu vermehren und über die Erde zu herrschen – und sich von den Früchten der Erde zu ernähren.

Der Mensch muss essen, um zu leben. Er muss die Welt in seinen Körper aufnehmen und sie in sein eigenes Fleisch und Blut verwandeln. "Er ist tatsächlich, was er isst, und die ganze Welt wird als eine umfassende Festtafel für den Menschen dargestellt", schreibt der orthodoxe Theologe Alexander Schmemann in seinem Buch "Aus der Freude leben".

Ein biblisches Thema

Ikone von Andrei Rubljow: Drei Engel besuchen Sara und Abraham.

In der ganzen Bibel finden sich Bilder des Essens: Es ist nötig im Kampf zum Überleben, wie das Manna in der Wüste oder auch wie bei Elija, der von Raben mit Brot und Fleisch versorgt wird. Das Essen von den Früchten des Baumes der Erkenntnis durch Adam und Eva bringt Verderben über die Menschen und Bilder von üppigen Hochzeitsmählern sind Gleichnis für das Leben in der kommenden Herrlichkeit des Reiches Gottes. Es gibt das geheimnisvolle Mahl Gottes bei Abraham unter den Eichen von Mamre ebenso wie eben das unvergleichliche letzte Abendmahl Jesu mit seinen Freunden.

Fürwahr: Essen ist ein biblisches Thema. Aber ist es deswegen ein geistliches Thema? Ist es nicht eher nachrangig, und gibt es im Bereich der Spiritualität nicht Wichtigeres als ein "geistliches Bankett"? Aber fängt nicht gerade hier das Problem christlichen Lebens in der heutigen Zeit an?

Trennung von Geistlichem und Weltlichem

Sauber getrennt hat der Mensch von heute Geistliches von Weltlichem. Selbst  bei vielen Christen ist das "religiöse Leben" beschränkt auf die eine Stunde im Sonntagsgottesdienst und eventuell noch auf das Tischgebet. Die große Masse ist nach eigener Meinung ausreichend "religiös", wenn sie Kirchensteuer entrichtet und vielleicht noch die Christmette aufsucht.

Das alltägliche Leben läuft nach anderen Gesetzen. Bei vielen Menschen bleibt die "religiöse Nische" leer. Gleichzeitig boomen die esoterischen und spirituellen Lebensweisheiten – und genau betrachtet wirken sie nicht selten blutleer und weltentrückt.

"Fleisch angenommen"

Was aber meint es, wenn die Gläubigen im großen Glaubensbekenntnis beten, dass Christus "für uns Menschen und zu unserem Heil" vom Himmel gekommen und "Fleisch angenommen" hat? "Ich bin gekommen, damit sie das Leben in Fülle haben", wird Jesus im Johannesevangelium zitiert. Was hat dieses Leben mit dem alltäglichen Leben des Essens und Trinkens zu tun? Sind es nicht doch zwei Welten?

Die biblische Schöpfungsgeschichte zeigt nichts von diesem Gegensatz: Sie beschreibt die Schöpfung als Geschenk, als freie Gabe Gottes. Von Gott empfängt der Mensch die Nahrung; er nährt den Menschen. Die ganze Welt ist dem Menschen von Gott gegeben. - Das ist das Glaubensbekenntnis auf den ersten Seiten der Heiligen Schrift.

"Alles Seiende ist Gottes Gabe an den Menschen"

Gutes Essen macht nicht nur satt, sondern schmeckt.

"Die Welt als des Menschen Nahrung ist nicht etwas 'Materielles' und beschränkt auf materielle Funktionen, so dass sie vom eigentlichen 'spirituellen' Wirken, das den Menschen mit Gott verbindet, verschieden wäre oder sich gar im Gegensatz zu ihm befände. Alles Seiende ist vielmehr Gottes Gabe an den Menschen, dazu bestimmt, ihn seinem Geschöpf zu offenbaren und des Menschen Leben zu einer Gemeinschaft mit Gott zu machen. Es ist zur Nahrung gewordene göttliche Liebe, Leben für den Menschen. Gott segnet alles, was er geschaffen. Das bedeutet in der Sprache der Heiligen Schrift, das er die gesamte Schöpfung zum Zeichen und Mittel seiner Gegenwart und Weisheit, Liebe und Offenbarung macht", schreibt Schmemann.

"Kostet und seht, wie gütig der Herr ist", heißt es in den Psalmen. Der Mensch ist ein hungriges Wesen – aber hungert er nicht letztlich nach Gott? Wenn man dem Gedankengang Schmemanns folgen kann, wird man dem zustimmen.

Ein göttlicher Annährungsversuch: Lecker!

Alles Begehren, jeder Hunger ist im tieferen Sinn somit Sehnsucht nach Gott. Wo und wie will man dann trennen zwischen Geistlichem und Weltlichem? Der Hunger und das Essen – ein göttlicher Annährungsversuch. Gutes Essen macht nicht nur satt, sondern schmeckt: Lecker eben!

Die natürliche Reaktion auf diese Teilnahme am geistlichen Bankett ist der Dank: Eucharistia – Danksagung. Und doch ist eines sicher: Der Mensch wird nie satt, der Hunger meldet sich immer wieder, jeden Tag aufs Neue. Und Schmemann nennt die Ursünde des Menschen das Nicht-mehr-nach-Gott-hungern-wollen, das sich gerade im Essen der verbotenen Früchte zeigt. Im Neuen Testament bezeichnet sich Jesus gar selbst als Grundnahrungsmittel und ein Ende des Hungers: "Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern!"

Mehr schmecken - intensiver genießen

Mit dem geistlichen Bild des Hungers und des Essens vor Augen lässt sich anders umgehen mit der  Lebensmittelknappheit, der dekadenten Esskultur der Reichen und der zweifelhaften Verwertung von Nahrungsmitteln als Energiequellen: mehr schmecken, intensiver genießen, größere Verantwortung. Guten Appetit!

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Text: Norbert Göckener | Fotos: Michael Bönte, Archiv, Michael Hirschk (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.pixelio.de)
01.10.2008

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