
- Schrein des heiligen Servatius in Maastricht.
Eisheilige in aller Munde
Servatius in der Sonnenglut
Mitte Mai sind sie in aller Munde. Doch nicht um ihrer selbst wegen, sondern das Wetter zu dieser Zeit führt dazu, dass ihre Namen nicht vergessen sind: die Eisheiligen. Zur Mitte des Wonnemonats können die Launen des Wetters noch einmal kalte Tage mit Minusgraden übers Land bringen, was der Vorsichtige weiß und den Leichtsinnigen (nachher) ärgert.
"Die Eisheiligen abwarten" meint somit, vor dem Pflanzen von Sommerblumen und der Aussaat von empfindlichen Sämereien die Gedenktage der Eisheiligen Mitte Mai abzuwarten. Die Bezeichnung der Heiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und der heiligen Sophia als Eisheilige rührt noch aus der Zeit, als das ganze Leben der Menschen vom Kirchenjahr und seinen großen und kleinen Festen geprägt war.
Bauernregeln
"Ehe nicht Pankratius, Servatius und Bonifatius vorbei, ist nicht sicher vor Kälte der Mai", lautet etwa eine der vielen Bauernregeln, in die sich alte Wetter-Erfahrungen niedergeschlagen und in Verbindung mit dem kirchlichen Kalender gebracht haben. Tatsächlich treten regelmäßig Anfang und Mitte Mai empfindliche Kaltluftvorstöße aus dem Polargebiet nach Mitteleuropa auf. Dabei wurden häufig Frostschäden an den bereits blühenden Pflanzen und Bäumen beobachtet.
Um den Maifrösten zu begegnen, war es vor allem in Weinbaugebieten früher üblich, durch "Reifheizen" die Fluren vor den niedrigen Temperaturen zu schützen. Das Anzünden von feuchtem Holz und Laub erzeugte Rauchnebel, der sich über Blüten und Triebe legte und so vor Kälte schützte.
Dreitägige Bittage vor Christi Himmelfahrt
Doch wer sind die Eisheiligen? Vor allem in Norddeutschland und den Niederlanden wird der heilige Mamertus, dessen die Kirche am 11. Mai gedenkt, zu den Eisheiligen gezählt. Weil er eigenmächtig einen anderen Bischof einsetzte, wurde er sogar vom Papst getadelt. Mamertus führte als Bischof des französischen Vienne die dreitägigen Bittage vor Christi Himmelfahrt ein, die noch heute in der Kirche begangen werden. Er starb um 474.
Am 12. Mai ist der Festtag des heiligen Pankratius. Nach einer Heiligenerzählung kam der Sohn eines reichen Phrygiers (Phrygien ist das Zentralland des westlichen Kleinasiens) nach dem Tod seines Vaters nach Rom. Dort soll er die Taufe erhalten haben und im Alter von nur 14 Jahren unter Kaiser Diokletian um 305 den Martyrertod gestorben sein; er wird zu den 14 Nothelfern gezählt. Pankratius wird als Patron der jungen Saat und der Blüten angerufen.
Servatiusgrab ist vielbesuchtes Wallfahrtsziel
Der heilige Servatius wird am 13. Mai gefeiert; er war Bischof von Tongern (heutige Niederlande) im vierten Jahrhundert. Er starb am 13. Mai 384 in Maastricht. In ganz Westeuropa breitete sich seine Verehrung schnell aus. Sein Grab in der Servatiuskirche in Maastricht wurde ein vielbesuchtes Wallfahrtsziel. Interessant: Er, der Eisheilige, wird auch dargestellt als Pilger in der Sonnenhitze, den ein Adler mit seinen Schwingen vor den Sonnenstrahlen schützt und ihm Luft zufächelt.
An den heiligen Märtyrer Bonifatius von Tarsus erinnert die Kirche am 14. Mai. Wenig ist über ihn bekannt. Er wird oftmals mit dem "Apostel der Deutschen" verwechselt, dessen Gedenktag allerdings erst am 5. Juni ist. Die "kalte" Sofie starb im nicht selten heißen Rom als Märtyrerin unter Diokletian um 305; ihr Gedenktag ist der 15. Mai. Ihre sterblichen Überreste sollen unter Papst Sergius II. (844-847) in der Kirche S. Martino ai Monti in Rom beigesetzt worden sein.
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Text: Norbert Göckener | Fotos:
KNA, Henry Godofski (
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