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Seite: Fragen + Glauben  >  Durch das Jahr  >  15. September – Gedächtnis der Schmerzen Mariens
23.08.2017
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Schmerzhafte Mutter
Die Schmerzhafte Mutter - ein Ort von Bitte und Trost für viele Gläubige, wie hier in Ahaus-Alstätte.

15. September – Gedächtnis der Schmerzen Mariens

Kaum auszuhalten

Autofahrer kennen das: Ein Unfall zieht nicht selten mehr Schaulustige an als Helfer für die Opfer und manchmal behindern sie sogar diese. Staus entstehen, jeder schimpft darüber – und kann doch den Blick nicht abwenden, wenn er selbst am Unglücksort vorbei kommt. Reine Sensationslust?

Eine andere Deutung: Ein Unfall ist nach Meinung von Verkehrspsychologen ein ungewöhnliches Ereignis, das Aufmerksamkeit auf sich zieht und einen starken Reiz darstellt. Um das verarbeiten zu können, will der Mensch wissen und verstehen, was geschehen ist. So kann der Gaffer sich gedanklich mit einem Notfall ausei­nandersetzen, ohne selbst direkt davon betroffen zu sein.

Ganz anders scheint die große Anziehungskraft des Bildes der Schmerzhaften Mutter Maria (Pietà) zu sein. Es zieht nicht Gaffer an, sondern Betroffene: ob an Wallfahrtsorten, wo sie besonders verehrt wird wie in Cloppenburg-Bethen, in Telgte oder in Geldern-Angenesch, oder auch in vielen Kirchen und an Wegen in katholischen Gegenden. Immer wieder finden sich dort Gläubige ein, entzünden Kerzen vor der Pietà, knien im stillen Gebet und suchen Trost. Unzählige Tränen sind vor der Mater Dolorosa (lat. Schmerzhafte Mutter) geflossen, so wie auch sie ihre Tränen nicht verbirgt.

Schaut doch ...

Seit dem 13. Jahrhundert ist dieser Typus des Marienbildes bekannt. Zu dieser Zeit im Mittelalter entwickelte sich die Betrachtung der Leiden Jesu – und damit auch der Schmerzen Mariens. Der Text des Stabat Mater (Christi Mutter stand mit Schmerzen, Gotteslob 584) entstand zu dieser Zeit und ist noch heute Teil der Liturgie am 15. September. In gläubiger Betrachtung ließen sich die Christen ansprechen vom Vers "Ihr alle, die ihr des Weges zieht, schaut doch und seht, ob ein Schmerz ist wie mein Schmerz" (Klagelieder 1,12).

Die Verehrung der Schmerzhaften Mutter ist seit jeher mit drei Aspekten verbunden: Es ist die Erinnerung an leidvolle Szenen im Leben der Gottesmutter. Es ist das meditative Nach-Empfinden dieser Schmerzen. Es ist aber auch der Weg des Mitgehens und Mitleidens, des Mithinein-Nehmens und Wiederentdeckens von eigenem Leid in dem Kummer der Gottesmutter. Vielleicht sogar noch mehr: Nur wer das Leid kennt, hält es vor diesem Bild aus. Und Leid – das ist der Schmerz, nicht Aspirin.

Die schweren Momente

In der St.-Felizitas-Kirche in Lüdinghausen steht diese Pietà, die um 1911 in Kleve gefertigt wurde und in Lüdinghausen allgemein als Vesperbild bezeichnet wird.

Auf den ersten Blick scheint es dennoch vor der Pietà schier trostlos zu sein – Endstation aller Hoffnungen. Die Abbildung stellt eine Szene nach, die biblisch zwar nicht überliefert, aber historisch nicht unwahrscheinlich zu sein scheint: Nach dem Tod Jesu wird sein Leichnam vom Kreuz abgenommen und in den Schoß Mariens gelegt. Da dies am Nachmittag des Karfreitags geschah – zur Vesperzeit, zu der die Kirche das Abendlob singt – nennt man diese Abbildung auch "Vesperbild".

Doch wie findet der Gläubige hier Trost? Die Kirche sieht in Maria nicht nur die Schwester der Menschen. Sie sieht in Maria "das große Vorbild und Urbild des christlichen Glaubens", heißt es im Erwachsenenkatechismus. "Am vollkommensten" beweist Maria: "In Glauben gehorchen heißt, sich dem gehörten Wort in Freiheit unterwerfen, weil dessen Wahrheit von Gott, der Wahrheit selbst, verbürgt ist", wie es im Katechismus der katholischen Kirche beschrieben wird.

Ihr Glaube bewährt sich gerade in den schweren Momenten ihres Lebens, die der Gedenktag der Schmerzen Mariens den Gläubigen vor Augen führt. Vor dem jüngsten Konzil war die Bezeichnung dieses Gedenktags Sieben Schmerzen Mariens. Die Sieben steht dabei für die Vollkommenheit des Leids, das Maria erfahren hat. Seit 1913 wird der Gedenktag nach dem Fest Kreuzerhöhung, der Erinnerung an das Sieges- und Heilszeichen der Christen, begangen.

Diese sieben Schmerzen Mariens sind:

  • Die Darstellung Jesu im Tempel mit der Weissagung Simeons "Dieser ist dazu bestimmt, dass viele in Israel durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden; er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen" (Lukas 2,34 f.), weshalb einige Darstellungen Maria mit einem Schwert oder sieben Schwertern im Herzen zeigen.
  • Die Flucht nach Ägypten vor dem mörderischen Herodes (Matthäus 2).
  • Das dreitägige Suchen nach Jesus bei der Wallfahrt zum Tempel (Lukas 2).
  • Begegnung zwischen Jesus und seiner Mutter am Kreuzweg.
  • Die Kreuzigung Jesu (Johannes 19).
  • Die Kreuzabnahme und Übergabe des Leichnams an Maria.
  • Die Grablegung Jesu.

Alte Hochaltäre zeigen diese Szenen: Besonders schöne Exemplare stehen in der Wallfahrtsbasilika in Kevelaer und auch im Euthymia-Zentrum in Münster. Sie laden ein zur Betrachtung der sieben Schmerzen Mariens. Im Gotteslob ist in der Marienandacht (783,6) ein Abschnitt über das Leid der Gottesmutter.

Aushalten und Trost finden

Der Trost, den das Bild der Pietà spendet, findet sich vielleicht in Versen der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach wieder. Der Komponist lässt zur Grablegung eine Arie erklingen mit dem folgenden Text: "Mache dich, mein Herze, rein. Ich will Jesum selbst begraben. Denn er soll nunmehr in mir für und für seine süße Ruhe haben. Welt, geh aus, lass Jesum ein!"

Der Gläubige muss so wartend aushalten, worauf er inständig hofft: Der Ort der Grablege wird für den Christen zum Ort der Auferstehung. "Welt, geh aus, lass Jesum ein!" Offensichtlich finden viele Gläubige in dem nur scheinbar trostlosen Abbild der Mutter mit dem hingerichteten Sohn diesen Trost in deren Glauben: Es kommt ein neuer Morgen, es kommt der Moment, in dem alles Leid sein Ende hat – die Freude von Ostern.

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Text: Norbert Göckener | Foto: Norbert Göckener, Michaela Kiepe
14.09.2009

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