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24.09.2017
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Wilfried Theising
Wilfried Theising (l.) ist von Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof für den Niederrhein ernannt worden.

Weihbischof Wilfried Theising:

An der Seite der Menschen

"Ich möchte in Borken gern ein guter Priester sein." Mit diesen Worten  hatte Wilfried Theising die Mitglieder der Propsteigemeinde St. Remigius in Borken begrüßt, als er dort Anfang 2003 sein Amt als Propst antrat.

Ein guter Priester zu sein, bedeutet für Theising, an der Seite der Menschen zu stehen, deren Sorgen und Nöte in den Glaubensalltag aufzunehmen und in schwierigen Lebenssituationen zu helfen. Es bedeutet, den Glauben zu verkünden, mit der Gemeinde die Eucharistie zu feiern und die Freude in der christlichen Hoffnung zu teilen. Dazu gehört für Theising, Menschen in Glaubenskrisen nicht fallen zu lassen und ihnen die Angebote zu geben, abgerissene Glaubensbeziehungen wieder zu beleben: "Unsere Beziehung zu Jesus Christus kann jederzeit wieder lebendig werden. Auch wenn wir über Jahre diese Beziehung für tot gehalten haben, kann sie neu beginnen", sagt Theising und macht so Menschen Mut, die sich von Christus entfernen und am Ende aus der Kirche austreten.

Den Glauben in die Öffentlichkeit bringen

Die Kirche lässt niemanden fallen – in dieser Offenheit geht der Seelsorger Wilfried Theising auf die Menschen zu. Er weiß, dass die Kirche missionarisch sein muss und Mut zum eigenen, unverwechselbaren Profil zu zeigen hat. Als die Propsteigemeinde ihr Jubiläum "1225 Jahre St. Remigius" beging, beinhaltete das Jubiläumsprogramm auch eine große Gemeindemission, die sich bewusst in aller Öffentlichkeit abspielte. Viele Angebote gab es inmitten des geschäftigen Treibens auf dem Marktplatz. So waren zum Beispiel alle Kinder der Kindergärten auf den Marktplatz zum Wortgottesdienst eingeladen. "Eine erfreulich große Schar ist gekommen", stellte Propst Theising fest. Das Basteln von vielen hundert Kreuzen in der Öffentlichkeit zeigte nicht nur den Kindern, dass man den Glauben auch offen zeigen und bekennen kann. Kirche nur in geschlossenen Räumen, das ist nicht Theisings Sache.

Weltkirchliches Bewusstsein

Wilfried Theising (r.) folgt in der Region Niederrhein Weihbischof Heinrich Janssen nach.

Oft hat der 47-Jährige in Borken die Gelegenheit genutzt, Gemeinschaftserlebnisse zu schaffen, die jungen wie älteren Christen auch das Bewusstsein von Weltkirche vermitteln. So wurde für 200 Messdienerinnen und Messdiener der Propsteigemeinde die Seligsprechung von Kardinal Clemens August von Galen und die Papst-Audienz im Oktober 2005 zu einem unvergesslichen Erlebnis. Zur Bedeutung dieser Fahrt sagt Theising: "Wir klagen viel zu oft, dass die Kirche immer älter wird. Aber die Kirche ist jung. Gerade das Gemeinschaftserlebnis zeigt: Wir sind nicht allein. Der gemeinsame Glaube stärkt uns."

Ein guter Gastgeber

Gemeinschaft pflegt Theising auch als guter Gastgeber: Als  die "Pueri Cantores", die internationale Vereinigung der Kinder- und Jugendchöre, mit einem Chorfest zu Gast im Bistum Münster waren, lud die Gemeinde junge Sängerinnen und Sänger aus ganz Deutschland zum gemeinsamen Singen mit den Borkener Chören ein. Als sich Jugendliche aus aller Welt 2005 zum Weltjugendtag nach Deutschland aufmachten, waren die Borkener wiederum gute Gastgeber. Zum Fest der Begegnung auf der Jugendburg Gemen in Borken-Gemen kamen mehr als 2500 Weltjugendtags-Pilger aus dem Kreisdekanat Borken. Bei diesem Festival pflanzten Jugendliche einen Baum und formten mit Blumensamen das Motiv des Weltjugendtagskreuzes. Dazu legten die Gäste Erde aus ihren Heimatländern. Wilfried Theising war selbstverständlich dabei.

Förderer von Wallfahrten

Oft begleitete der Seelsorger Gemeindewallfahrten und Pilgergruppen des Kreisdekanats Borken nach Lourdes, wo vor allem ältere und kranke Menschen geistliche Stärkung suchen. Das Feiern der Gottesdienste dort  hat für Theising eine besondere Bedeutung: "Wir wissen, dass unser Leben oft beschwerlich ist. Die gegenseitige Hilfe, die Menschen in Lourdes erfahren, gibt uns Trost und Zuversicht."

Helfen und Trost spenden musste Theising auch in dramatischen Tagen im Frühjahr 2006, als der Ausbruch der Schweinepest im Borkener Raum viele Landwirte in ihrer Existenz bedrohte. Er sprach mit Bauern über ihre Situation, besuchte betroffene Höfe – und war selbst betroffen angesichts der massenhaften Keulung von gesunden Tieren. In dieser Situation war Theising der Pastor, der sich gebraucht wusste. Einer, der mit dem ländlichen Leben eng verbunden ist, einer der verstand, um was es ging. "Eigentlich sollte und wollte ich den elterlichen Hof übernehmen", sagt der von einem Bauernhof in Wettringen (Kreisdekanat Steinfurt) stammende Theising.

Kirchlichen Wandel gestalten

Als der Seelsorger nach seiner sechsjährigen Tätigkeit als Pfarrer der Gemeinde St. Cornelius und Cyprianus in Metelen seinen Dienst in Borken antrat, sprach er davon, "kein Macher" sein zu wollen, und bat um Unterstützung der kirchlichen Gremien in seinem Amt.

Er erkannte schnell, welche Aufgaben ihn in der westmünsterländischen Kreisstadt erwarteten und welche Herausforderungen in der kirchlichen Umbruchsituation zu meistern sind. Bei seinem Amtsbeginn in St. Remigius war bereits die Fusion mit der Nachbargemeinde St. Josef im vollen Gange. Wenig später folgte die Zusammenlegung mit der Landgemeinde St. Michael in Borken-Marbeck, sodass in St. Remigius mit knapp 19000 Mitgliedern die größte Pfarrei der Diözese Münster entstand. Eine Größe, die den Propst nicht schreckte.

Gestaltung großer Pfarreien

Gebet und Eucharistie: "Daraus schöpfe ich Kraft für meinen Dienst."

Geradezu gelassen sagte er während des Gottesdienstes zur Fusion in Marbeck: "Eine große Gemeinde hat auch viele Vorteile." Die Christen müssten zusammenrücken, auch um den Glauben an die nächste Generation weitergeben zu können. Größer werdende Gemeinden bedeuteten weder Anonymität noch Rückgang, sondern Aufbruch und Zuversicht. Wenn alles so bliebe, wie es immer schon gewesen sei, könne es auch langweilig werden.

Optimismus und Gelassenheit

Wer Wilfried Theising sprechen hört, merkt schnell, dass er die kirchliche Entwicklung mit Optimismus und Gelassenheit gestalten will. Das Sprechen von den guten, alten Zeiten ist seine Sache nicht. Eher pragmatisch beo­bachtet er die kirchliche und gesellschaftliche Entwicklung. Er handelt, wenn es notwendig ist und wenn noch Zeit ist zu handeln, anstatt sich von Sachzwängen in der Entscheidungsfreiheit einengen zu lassen. Agieren statt reagieren – diesen  Charakterzug konnten die Borkener an ihren Propst schnell feststellen. Und rückblickend darf man sagen: Sie folgten ihm auch in den schwierigen Situationen, als es galt, sich von geliebten Gottesdienstorten zu trennen und die allgemein eingeforderten finanziellen Sparmaßnahmen im Bistum Münster einzuhalten.

Strukturreform in Borken

2004 sprach sich der Kirchenvorstand dafür aus, die St.-Josef-Kirche aufzugeben und das Hedwigshaus abzureißen, in dem auch Gottesdienste gefeiert wurden. Die Profanierung der St.-Josef-Kirche, die zu einem Jugend- und Bildungshaus der Kommune umgebaut wurde, stieß anfänglich auf heftigen Protest. Doch die Art und Weise, wie Theising auf die Vorbehalte von Gemeindemitgliedern einging, überzeugte schließlich so manche anfängliche Kritiker.

Als Kirche+Leben ihn im Anschluss an die Beschlüsse des Kirchenvorstands fragte, ob er der Gemeinde nicht etwas zuviel zumute, antwortete er: "Eine Zumutung ist das allemal. Aber in dem Begriff steckt das Wort Mut. Mut zu entscheiden, was gerade dran ist, wo keine Verschiebung mehr möglich ist. Mut, das Richtige zu tun. Man  muss sich auf Veränderungen einlassen und etwas Neues zulassen. Wichtig ist, ein Ziel vor Augen zu haben, zu erkennen, was konstant ist. Konstant ist der Glaube an Gott, da können sich auch die Zeiten ändern."

Weitsichtiges Handeln

Früher als viele andere Pfarreien im Bistum Münster legten Theising und die Vertreter der kirchlichen Gremien in Borken die Grundlagen für eine handlungsfähige Gemeinde. So unterstützten sie die Eigeninitiative von Gemeindemitgliedern im ländlichen Bezirk Hoxfeld, mit einem Förderverein den Erhalt der dortigen St.-Ludgerus-Kapelle zu sichern. Theising handelte weitsichtig, als er im neu entstandenen Stadtteil Hovesath ein Gemeindezentrum bauen ließ und die Errichtung einer großen Seniorenanlage in kirchlicher Trägerschaft, des Josefzentrums, forcierte. "Es ist selbstverständlich, dass wir uns im Seniorenbereich engagieren. Wir tun das nicht des Geldverdienens wegen, sondern der Menschen wegen, die uns am Herzen liegen."

Als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikverbunds Westmünsterland stärkte Theising die Ko­operation der katholischen Krankenhäuser, um die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum auf ein sicheres Fundament zu stellen.

Heimat in Gebetsgemeinschaft

All diese Entscheidungen traf Theising in kurzer Zeit und aus Verantwortung für die Zukunft. "Es braucht Ratgeber, die dabei helfen", hat er einmal gesagt. Gemeint waren nicht nur die vielen Wegbegleiter, die mithalfen, die Veränderungen zu gestalten. Gemeint war und ist auch eine Gebetsgemeinschaft, die in Borken Tradition hat und sich "Maria – Mutter vom Guten Rat" nennt. Das Bild der Mutter vom Guten Rat wird in der Borkener St.-Johannes-Kirche verehrt. Es zeigt die innige Beziehung zwischen dem Jesuskind und der Gottesmutter Maria. Oft hat Propst Theising mit der Gebetsgemeinschaft in dieser Kirche Gottesdienst gefeiert. "Dort habe ich eine neue Orientierung und Heimat gefunden. Bei schwierigen Entscheidungen bin ich nie ratlos von diesem Bild weggegangen."

Tagtäglich treten die Mitglieder der Gebetsgemeinschaft füreinander im Gebet und in der Eucharistie ein. "Da­raus schöpfe ich Kraft für meinen Dienst." Man darf den neuen Weih­bischof als frommen Menschen bezeichnen, der darauf vertraut, dass sein Dienst für die Menschen in der Liebe zu Gott liegt.

Soziale und politische Kompetenz

Viele schätzen Theising als in sozialen und politischen Fragen kompetenten Gesprächspartner. Als Kreisdechant galt er als verlässlicher Partner der politischen, beruflichen und gesellschaftlichen Vertretungen. Als Geistlicher Beirat des Kreiskomitees der Katholiken im Kreisdekanat Borken förderte er das gesellschaftliche und politische Engagement der Verbände und der kirchlichen Räte. "Die Kirche braucht die Stimme der Laien, nicht nur im kirchlichen Raum."

Zur Person

Wilfried Theising wurde am 20. September 1962 in Wettringen geboren. Er studierte Theologie in Münster und Wien und empfing am 14. Mai 1989 im Dom zu Münster die Priesterweihe. Nach Kaplansstellen in Beckum St. Stephanus, Ennigerloh-Westkirchen St. Laurentius und Münster St. Elisabeth und Herz Jesu wurde er 1997 Pfarrer der Gemeinde St. Cornelius und Cyprianus in Metelen. Im Februar 2003 wurde er Propst und Pfarrdechant in Borken St. Remigius und Kreisdechant für das Kreisdekanat Borken.

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  1. undefinedPapst ernennt Geerlings, Hegge und Theising (31.05.2010)
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Weihbischof Wilfried Theising

Text: Johannes Bernard | Fotos: Michael Bönte
02.06.2010

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